30.01.2026

Jürgen Popp von der SPIE ausgezeichnet

Jena­er Pro­fes­sor erhielt den Bio­pho­to­nics Tech­no­lo­gy In­no­va­tor Award 2026 in San Fran­cis­co.

Die internationale Fachgesellschaft SPIE würdigt mit ihrem Preis Forschungsarbeiten, die photonische Diagnostik technologisch wie konzeptionell weiterentwickelt und für klinische Anwendungen nutzbar gemacht haben, von der intraoperativen Tumorerkennung bis zur Infektionsdiagnostik. Der Jenaer Biophotonik-Forscher Jürgen Popp, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), Direktor des Instituts für Physikalische Chemie der Universität Jena und Herausgeber des Journal of Biophotonics, ist in San Francisco während der Photonics West Konferenz ausgezeichnet worden. 

Laura Marcu (University of California, Davis) verleiht Prof. Jürgen Popp (Leibniz-IPHT, Universität Jena) am 17. Januar 2026 auf der Photonics West in San Francisco
Laura Marcu (UCD) verleiht Jürgen Popp (Leibniz-IPHT) den SPIE-Preis am 17. Januar 2026 in San Francisco.
Quelle: SPIE / IPHT

Popp sei einer der international prägenden Köpfe der Biophotonik, hebt die SPIE in ihrer Begründung hervor. Früh habe er das Potenzial der Raman-Spektroskopie für medizinische Anwendungen erkannt, zu einer Zeit, als diese Technik in der klinischen Forschung noch kaum etabliert war. Seine Arbeiten hätten nicht nur die wissenschaftlichen Grundlagen des Feldes entscheidend vorangebracht, sondern vor allem dazu beigetragen, Raman-basierte Verfahren in reale klinische Abläufe zu überführen. Zu den ausgezeichneten Entwicklungen zählen Technologien für eine schnelle, markerfreie Diagnostik – etwa zur intraoperativen Erkennung von Tumorgrenzen – sowie laserbasierte Schnelltests für die Infektionsdiagnostik. Bei lebensbedrohlichen Infektionen könnten sie perspektivisch einen entscheidenden Zeitvorteil und den gezielten Einsatz von Antibiotika unterstützen.

Mit der Ehrung würdigt die SPIE nicht nur die wissenschaftlichen Leistungen von Popp, sondern auch deren konsequente Translation in medizinisch relevante Anwendungen. Seine Arbeiten stehen exemplarisch für den Ansatz, photonische Schlüsseltechnologien mit datengetriebenen Methoden zu verbinden und so neue Wege für eine präzisere, personalisierte und präventive Medizin zu eröffnen. „Professor Popp hat entscheidend dazu beigetragen, Physik, Lebenswissenschaften und Ingenieurwesen in produktiver Weise miteinander zu verbinden“, sagt Laura Marcu, Professorin an der University of California, Davis. Gerade diese interdisziplinäre Perspektive habe neue Wege eröffnet, Forschungsergebnisse systematisch in medizinisch relevante Konzepte zu überführen.

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Wie sehr Popps Arbeiten über einzelne Technologien hinausweisen, zeigte sich auch in seinen weiteren Aktivitäten auf der Photonics West. In einer Paneldiskussion zum Thema „Digitale Zwillinge“ in der Biophotonik diskutierte er mit internationalen Fachkolleginnen und -kollegen, wie datengetriebene Modelle biologischer Systeme Diagnostik und Therapie künftig unterstützen können und warum ihre Aussagekraft entscheidend von der Qualität der zugrunde liegenden Messdaten abhängt.

Im medizinischen Kontext bezeichnen digitale Zwillinge individuelle, fortlaufend aktualisierte Modelle des menschlichen Körpers oder einzelner Organe. Ziel ist es, nicht nur Momentaufnahmen zu erfassen, sondern Veränderungen über die Zeit hinweg zu verstehen: Was ist für eine Person biologisch normal und ab wann deuten Abweichungen auf beginnende Krankheitsprozesse hin?

Popp stellte in diesem Zusammenhang das Konzept eines Personalized Optical Digital Twin vor, das innerhalb der Health-Working Group der europäischen Technologieplattform Photonics21 entwickelt wurde.

„Die zentrale Frage ist, wie wir pathologische Veränderungen – also frühe, oft noch unbemerkte Abweichungen vom individuellen Normalzustand des Körpers – früher erkennen können, also zu einem Zeitpunkt, an dem noch keine Symptome auftreten“, sagt Popp. „Dafür brauchen wir Messverfahren, die regelmäßig, schonend und verlässlich Informationen aus dem Körper liefern.“

Eine Schlüsselrolle spielen dabei Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel oder Urin. Sie gelten als Fenster in den Körper, weil sich aus ihnen molekulare Muster gewinnen lassen, die auf Entzündungen, Stoffwechselveränderungen oder andere physiologische Prozesse hinweisen. Photonische Verfahren wie Raman- oder Infrarotspektroskopie können solche chemischen „Fingerabdrücke“ ohne Färbung oder Marker erfassen.

Entscheidend ist der Verlauf: Erst durch wiederholte Messungen entsteht ein aussagekräftiges Bild. Sie ermöglichen es, eine persönliche gesundheitliche „Basislinie“ aufzubauen. Digitale Modelle können erkennen, wenn sich Muster schleichend verändern, lange bevor Erkrankungen klinisch auffällig werden. [IPHT / dre]

Anbieter

Leibniz-Institut für Photonische Technologien e.V.

Albert-Einstein-Str. 9
07745 Jena
Deutschland

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