Von künftigen Missionen und der Weltrettung
Der Rat der europäischen Weltraumorganisation (ESA) diskutierte über Asteroidenabwehr, ISS-Missionen und neue globale Projekte.
Henri Wagner
Am 18. und 19. März fand im schweizerischen Interlaken die 345. Ratssitzung der europäischen Weltraumorganisation (ESA) statt. Die ESA ist mit 23 Mitgliedsstaaten der wichtigste europäische Zusammenschluss im Bereich Raumfahrt. Der diesjährige Fokus lag neben der Stärkung astronautischer Raumfahrt und internationaler Beziehungen auch auf der planetarischen Verteidigung.

Die, letztes Jahr als „lebendiges Dokument“ eingeführte strategische Richtschnur der ESA, unseren Planeten zu schützen und die Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit Europas zu fördern, entwickelte sich mit der diesjährigen Sitzung weiter. Insbesondere die Zusammenarbeit mit der japanischen Raumfahrtbehörde (JAXA) vertieft sich. So genehmigten die Mitgliedsstaaten mit RAMSES eine Mission zur detaillierten Untersuchung des Asteroiden Apophis. Dieser wird die Erde am 13. April 2029 in etwa 31.750 km Höhe passieren, und verlangt durch seine 350 Meter Durchmesser und potenzielle Durchschlagskraft eine akribische Beobachtung. JAXA beabsichtigt eine thermische Infrarotkamera (TIRI) und leichte Solarpaneele beizusteuern sowie die H3-Rakete. Zusätzlich wurde eine Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Carnegie Institution for Science genehmigt, um das FlyEye-2-Teleskops der ESA am Las-Campanas-Observatorium (Chile) aufzustellen und in Betrieb zu nehmen. Dieses soll die europäischen Fähigkeiten ausbauen, erdnahe Objekte frühzeitig zu entdecken und verfolgen. Im Ganzen, so die ESA, ein „bedeutender Fortschritt für die Zusammenarbeit im Bereich der planetaren Verteidigung (Planetary Defense)“.
Auch Nordamerika prägt die Pläne des Rates. So billigte er das Konzept der EPIC-Mission (ESA Provided Institutional Crew) zur Internationalen Raumstation (ISS), welches darauf abzielt, vor allem die wissenschaftliche Nutzung der ISS durch Europa in den verbleibenden Jahren zu optimieren und „regelmäßige Flugmöglichkeiten für ESA-Astronauten bereitzustellen“, wie es das E3P-Ziel vorgibt. Kanada vertieft die Zusammenarbeit mit der ESA, nachdem es auf der Ratstagung im vergangenen November den größten Beitrag seit Beginn der Partnerschaft 1979 leistete. Der Rat genehmigte die Teilnahme Kanadas an gleich vier Projekten: „Accelerating Commercialisation and Competitiveness of the European Space Sector“ (ACCESS), „European Resilience from Space – Earth Observation“ (ERS-EO), „Moonlight“ und „FutureNAV“.
Auch die Zusammenarbeit zwischen ESA und europäischer Union stand als zentrales Thema auf der Tagesordnung. Die Mitgliedstaaten erörterten den Stand der Vorbereitungen für den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen der EU (MFF 2028 – 2034) sowie aktuelle Gesetzgebungsvorhaben, darunter den geplanten Europäischen Wettbewerbsfonds und ein EU‑Weltraumgesetz. Rund 40 Prozent der ESA‑Programme, welche die Ministerratskonferenz 2025 beschlossen hat, werden durch künftige EU‑Initiativen finanziert. Vor diesem Hintergrund bestärkte die ESA ihre Rolle als zentrale Technologie‑ und Systemagentur für das europäische Raumfahrtprogramm.













