26.09.2003

Internetportale unterstützen den Wissenstransfer: Die Gelben Seiten der Forschung

Die deutsche Forschungslandschaft ist vielen Unternehmern, die Kooperationspartner suchen, zu unübersichtlich. Einige Bundesländer haben reagiert: Internetportale unterstützen den Wissenstransfer und sorgen für mehr Transparenz.

Internetportale unterstützen den Wissenstransfer: Die Gelben Seiten der Forschung

Die deutsche Forschungslandschaft ist vielen Unternehmern, die Kooperationspartner suchen, zu unübersichtlich. Einige Bundesländer haben reagiert: Internetportale unterstützen den Wissenstransfer und sorgen für mehr Transparenz.

Manche Experten findet man nicht in den Gelben Seiten. Experten zum Beispiel, die sich mit Kompressionsalgorithmen auskennen. Constantin Rack musste also an den Hochschulen suchen. Doch der Vorstand des Hagener Softwareunternehmens VIGOS AG hatte weder Kontakte, noch Zeit und Nerven, sich vom Pförtner zum richtigen Professor durchzutelefonieren. Den Experten fand er trotzdem - über nrw-wissenstransfer.de.

Das Internet-Portal wird von der Transferstelle der Universität Dortmund koordiniert und präsentiert Kompetenzen und Kooperationsangebote von über 300 nordrhein-westfälischen Forschungseinrichtungen. Außerdem können Unternehmer dort aktiv nach Experten suchen. Ideal für Constantin Rack: Er tippte seine Anfrage in das Online-Formular. Kurze Zeit später meldete sich ein Professor von der Universität Wuppertal. Das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit: Ein Kompressionsverfahren, das den Datenverkehr im Internet konkurrenzlos beschleunigt. Die Erfindung wurde zum Patent angemeldet, der Prototyp mit großem Erfolg auf der diesjährigen Computermesse CEBIT präsentiert.

Know How auf einen Klick
Im August 2001 ging nrw-wissenstransfer.de online, "um die Forschungslandschaft für kleine und mittelständische Unternehmen transparenter zu machen", so Hartmut Pausewang vom Düsseldorfer Ministerium für Wissenschaft und Forschung. 2002 folgten Hessen (www.ttn-hessen.de), Bremen (www.city-of-science) und Bayern (www.baydat.de). Seit 1997 ist der Forschungskatalog Niedersachsens im Netz (www.forschung-in-niedersachsen.de). Der Vorteil dieser Portale: Sie bündeln das gesamte Know-how aller Forschungseinrichtungen eines Landes. Falls ein Kontakt über das Internet nicht zustande kommt, kümmern sie sich auch persönlich um die Vermittlung. Baydat und nrw-wissenstransfer.de bieten ein Online-Formular, mit dem Unternehmer aktiv nach Kooperationspartnern suchen können.

Die Suche in den Portalen ist kostenlos - ein Service, den sich die Länder einiges kosten lassen. Zu dem einmaligen Aufwand, die Profile Tausender oder Zehntausender Wissenschaftler zu erfassen, kommen Folgekosten für Personal, Technik und Datenpflege. Je nach Portal sind das zwischen 100.000 und 850.000 Euro pro Jahr.

Transparenz lohnt sich
Ihren Erfolg können die Portal-Anbieter nicht beziffern, schließlich erfahren sie nur selten, ob ein Kontakt über das Internet zustande gekommen ist. nrw-wissenstransfer.de hat eine gewisse Erfolgskontrolle, weil es aktiv Kontakt mit Unternehmen aufnimmt, die online eine Kooperationsanfrage stellen. Mitarbeiter des Portals suchen dann den passenden Experten. 250 Betriebe nahmen den Service in den vergangenen zwei Jahren in Anspruch. Nicht nur diese Zahl widerlegt das Vorurteil, für die Kontaktanbahnung sei das Internet zu anonym. Bei einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung im Jahr 2000 gaben fast 50 Prozent von 857 öffentlichen Forschungseinrichtungen an, über das Internet erstmals Kontakt zu einem Unternehmen bekommen zu haben.

Der Traum vom deutschen Forschungsportal
"Aus Sicht der Wirtschaft hat es keinen Sinn, an Ländergrenzen halt zu machen", meint Johannes Velling vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Im Februar traf er sich auf Initiative des hessischen Portal-Betreibers mit Vertretern der Länder. Das Ziel: Ein deutsches Forschungsportal, mit dem sich die bestehenden Internet-Seiten der Länder durchsuchen lassen. Doch dafür müssten diese Datenbanken erst mal eine einheitliche Struktur haben. Eine Angleichung müssten die Länder selbst finanzieren. Ob sich der Aufwand lohnt? Für Manfred Baumgart, der den Forschungskatalog Niedersachsens betreut, ist das fraglich: "Im Interesse unserer Hochschulen liegt es zunächst, ihre eigenen Potenziale zu präsentieren. Und unsere Unternehmen sind zum größten Teil kleine und mittelständische Unternehmen, die ihre Kooperationspartner bevorzugt im regionalen Umfeld suchen." Für Hartmut Pausewang vom Düsseldorfer Ministerium für Wissenschaft und Forschung stehen die Vorteile eines zentralen Portals im Vordergrund: "Wenn ein Professor aus Niedersachsen einem Unternehmer in Nordrhein-Westfalen besser helfen kann, dann ist das doch wunderbar. Geben und Nehmen werden sich letztlich die Waage halten." Im Bund-Länder-Ausschuss Forschung und Technologie will er sich dafür einsetzen, dass es die Gelben Seiten der Forschung bald bundesweit gibt.

Quelle. idw

Weitere Infos:

Literatur:

  • Dirk Czarnitzki, Thomas Eckert, Jürgen Egeln, Christina Elschner: Internetangebote zum Wissens- und Technologietransfer in Deutschland - Bestandsaufnahme, Funktionalität und Alternativen, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Dokumentation Nr. 00-15, 12/2000 
  • Dirk Czarnitzki, Christian Rammer: Technology Transfer via the Internet: A Way to Link Public Science and Enterprises, Journal of Technology Transfer, 28, 131-147, 2003 
  • Rainer Nicolay/Stephan Wimmers: Kundenzufriedenheit der Unternehmen mit Forschungseinrichtungen, DIHT, 2000 
  • Ulrich Schmoch, Georg Licht, Michael Reinhard (Hg.): Wissens- und Technologietransfer in Deutschland, Stuttgart: Fraunhofer IRB Verlag, 2000

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