Laser-Anregung von Thorium-229 in opakem Material
Forschenden aus Los Angeles, München und Mainz gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur optischen Kernuhr.
Einem Forschungsteam der University of California Los Angeles (UCLA), der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ist es gelungen, den Atomkern des Isotops Thorium-229 mithilfe von Laserlicht in einem nicht-transparenten Trägermaterial anzuregen. Damit wird eine bislang unzugängliche Materialklasse für die Kern-Laserspektroskopie erschlossen – ein entscheidender Schritt hin zu neuartigen Quantentechnologien wie der vielversprechenden optischen Kernuhr.

Seit den 1960er-Jahren nutzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Laser, um die Atomhülle gezielt zu manipulieren – ein Ansatz, der zu technologischen Entwicklungen wie optischen Atomuhren und Quantencomputern geführt hat. Die gezielte Manipulation von Atomkernen mit Laserlicht dagegen ist ein noch junges Forschungsfeld: Erst 2024 gelang es erstmals, einen Atomkern direkt mittels Laserlicht anzuregen.
Bislang war die experimentelle Anregung des Thorium-229-Kerns nur in Trägermaterial gelungen, das transparent für das zur Anregung verwendete 148-nm-Laserlicht ist. Mit dem nun gelungenen Nachweis in einem nicht-transparenten Trägermaterial, also einem Material, das die Thorium-Atome aufnimmt und stabilisiert, aber selbst für das Laserlicht nahezu undurchlässig ist, wird das Spektrum nutzbarer Substanzen drastisch erweitert. Gleichzeitig eröffnet die Arbeit das Forschungsfeld der laserbasierten IC-Mössbauer-Spektroskopie, einem völlig neuen Werkzeug zur Untersuchung von Atomkernen in Festkörpern.
„Dieser Erfolg öffnet uns eine Tür zu einem bislang verschlossenen Bereich der Kernphysik“, erklärt Lars von der Wense vom Institut für Physik der JGU, der das jetzt gelungene Experiment 2017 vorschlug. „Dass wir die Kernanregung nun auch in nicht-transparenten Materialien durchführen können, ermöglicht uns völlig neue Experimente – und bringt die Realisierung einer optischen Kernuhr ein deutliches Stück näher.“
Eine solche Kernuhr gilt als potenziell stabilstes Zeitnormal überhaupt. Sie könnte unter anderem die Satellitennavigation revolutionieren und damit präzisere Anwendungen in Erdbeobachtung, autonomem Verkehr und Grundlagenforschung ermöglichen. Ein großes Augenmerk liegt auch auf fundamentalphysikalischen Fragen wie der Suche nach zeitlichen Veränderungen in Naturkonstanten und der Suche nach Dunkler Materie.
Mit ihrem aktuellen Erfolg schaffen die Forschenden die Grundlage für zahlreiche zukünftige Experimente und Anwendungen – und zeigen, welches Potenzial in der Kombination aus moderner Lasertechnologie und Kernphysik steckt. [JGU / dre]
Weitere Informationen
- Originalpublikationen
R. Elwell, J. E. S. Terhune, C. Schneider, et al., Laser-based conversion electron Mössbauer spectroscopy of 229ThO2, Nature 648, 300–305, 10. Dezember 2025; DOI: 10.1038/s41586-025-09776-4
L. von der Wense et al., A Laser Excitation Scheme for 229𝑚Th, Phys. Rev. Lett. 119, 132503, 28. September 2017; DOI: 10.1103/PhysRevLett.119.132503 - Novel Laser Technologies for Nuclear Quantum Optics – NuQuant (AG von der Wense), Institut für Physik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz














