09.01.2026 • Quantenphysik

Laserlicht und die Quantennatur der Gravitation

Neues Kon­zept zur Ener­gie­über­tra­gung zwi­schen Gra­vi­ta­tions­wel­len und Licht könn­te Hin­wei­se auf Quan­ten­eigen­schaf­ten der Schwer­kraft liefern.

Verschmelzen zwei schwarze Löcher mitein­ander oder kolli­dieren zwei Neutronen­sterne, können Gravi­tations­wellen entstehen. Sie breiten sich mit Licht­geschwin­dig­keit aus und verur­sachen winzige Verfor­mungen in der Raum­zeit. Ihre Existenz wurde 2015 erstmals direkt experi­mentell nachge­wiesen. Nun geht Ralf Schütz­hold, theore­tischer Physiker am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossen­dorf (HZDR), einen Schritt weiter: Er ersann ein Konzept für ein Expe­riment, mit dem sich Gravi­tations­wellen nicht nur nach­weisen, sondern sogar manipu­lieren lassen. Die Idee könnte auch neue Hin­weise auf die bisher nur vermu­tete Quanten­natur der Gravi­ta­tion liefern.

Schematische Darstellung des Interferometer-Aufbaus für Licht unter dem Einfluss einer Gravitationswelle.

Bild: B. Schröder/HZDR
Schema­ti­sche Dar­stel­lung des Inter­fero­meter-Auf­baus für Licht unter dem Ein­fluss einer Gravi­ta­tions­welle.
Quelle: B. Schröder / HZDR

„Gravitation wirkt auf alles, auch auf Licht“, sagt Schützhold. Und diese Wechsel­wirkung findet auch beim Auf­treffen von Gravi­tations- auf Licht­wellen statt. Schütz­holds Idee: Von einer Licht­welle lassen sich winzige Energie­pakete auf eine Gravi­tations­welle über­tragen. Dabei nimmt die Energie der Lichtwelle etwas ab und die Energie der Gravi­tations­welle um den gleichen Energie­betrag zu. Diese Energie ent­spricht der eines oder mehre­rer Gravi­tonen, den in theore­tischen Modellen angenom­menen, aber bisher nicht nach­ge­wie­senen Aus­tausch­teil­chen der Schwer­kraft. „Die Gravi­tations­welle wird dadurch etwas inten­siver“, erklärt der Physiker. Die Licht­welle dagegen ver­liert die exakt gleiche Energie­menge. Das führt zu einer winzigen Frequenz­änderung der Licht­welle.

„Der gleiche Prozess kann auch umge­kehrt ablaufen“, fährt Schütz­hold fort. Dabei gibt die Gravi­tations­welle ein Quant an die Licht­welle ab. Beide Effekte, also die stimu­lierte Emis­sion und die Absorp­tion von Gravi­tonen, sollten sich – wenn­gleich mit großem experi­men­tel­lem Auf­wand – messen lassen. Die gewal­tigen Dimen­sio­nen eines sol­chen Experi­ments hat Schützhold abgeschätzt: So könnten Laser­pulse im sicht­baren oder auch nahen infra­roten Spektral­bereich bis zu eine Mil­lion Mal zwischen zwei Spiegeln hin und her reflek­tiert werden. Daraus ergibt sich bei einer etwa einen Kilo­meter langen Anlage eine optische Weg­länge von etwa einer Million Kilo­metern. Diese Größen­ordnung genügt für die gewünschte Mes­sung des durch Absorp­tion und Emission von Gravi­tonen verur­sachten Energie­austauschs zwischen Licht und einer zeit­gleich ein­fal­lenden Gravi­tations­welle.

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Allerdings wäre die Frequenz­änderung der Licht­welle durch die Auf­nahme oder Abgabe der Energie eines oder mehre­rer Gravi­tonen in Wechsel­wirkung mit der Gravi­tations­welle extrem klein. Aber mit einem geschickt konstru­ierten Inter­fero­meter sollten sich diese Frequenz­änderungen nach­weisen lassen. Zwei Licht­wellen erfahren dabei unter­schied­liche Frequenz­ände­rung­en – ab­hängig davon, ob sie Gravi­tonen absor­bieren oder emit­tieren. Nach dieser Wechsel­wirkung und dem Durch­laufen der opti­schen Weg­länge treffen sie wieder auf­ein­ander und er­zeu­gen ein Inter­ferenz­muster. Aus diesem lässt sich auf die er­folg­te Fre­quenz­ände­rung und damit auf die Über­tra­gung von Gra­vi­tonen schließen.

„Von der ersten Idee bis zum Experi­ment können schon einige Jahrzehnte vergehen“, sagt Schütz­hold. Aber viel­leicht klappt das für sein Konzept etwas schneller. Denn das Laser Inter­fero­meter Gravi­ta­tional-Wave Observatory (LIGO) zum reinen Nach­weis von Gravi­tations­wellen zeigt starke Ähn­lich­keiten. LIGO besteht aus zwei, jeweils etwa vier Kilo­meter langen und im rechten Winkel zuein­ander angeord­neten Vakuum­röhren in den USA. Über einen Strahl­teiler wird ein Laser­strahl auf beide Arme des Detektors aufgeteilt. Einfal­lende Gravi­tations­wellen ver­zer­ren nun beim Durch­laufen die Raum­zeit minimal. Dadurch verän­dert sich die zuvor gleiche Länge der beiden Arme um wenige Atto­meter. Diese winzige Längen­änderung verän­dert das Inter­ferenz­muster des Laser­lichts und erzeugt so ein detek­tier­bares Signal.

In einem an Schützholds Idee angepass­ten Inter­fero­meter könnten erst­mals Gravi­tations­wellen nicht nur nachge­wiesen, sondern über die stimu­lierte Emis­sion und Absorp­tion von Gravi­tonen auch manipu­liert werden. Mit Licht­pulsen, deren Photo­nen mit­einander ver­schränkt sind, ließe sich laut Schütz­hold die Em­pfind­lich­keit des Inter­fero­meters zudem deut­lich steigern. „Dann wären auch Rück­schlüsse auf den Quanten­zu­stand des Gravi­tations­felds selbst mög­lich“, sagt Schütz­hold. Ein direkter Nach­weis für das hypothe­tische und inten­siv disku­tierte Gravi­ton wäre das zwar noch nicht. Aber immer­hin ein starkes Indiz für seine Exis­tenz. Denn wenn die Licht­wellen in Wechsel­wirkung mit den Gravi­tations­wellen nicht die vorher­ge­sagten Inter­ferenz­effekte zeigen würden, wäre die gängige auf Gravi­tonen auf­bau­ende Theo­rie wider­legt. [HZDR / dre]

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