06.09.2017

Magnetische Surfer

Akustische Oberflächenwellen beeinflussen magnetische Nano­strukturen.

Auf dem Weg zur Entwicklung von winzigen, ultraschnellen Bau­elementen für die Computer- und Kommuni­kations­technik spielen magnetische Eigen­schaften von Materi­alien und die Möglich­keit, diese Eigen­schaften gezielt anzu­steuern, eine wichtige Rolle. Ein Ansatz dazu stützt sich auf die elas­tische Verfor­mung des magne­tischen Materials durch elek­trische Felder. Das Forschungs­gebiet hat viel Inte­resse auf sich gezogen, weil es die Möglich­keit bietet, kleine magne­tische Elemente mit wenig Energie­aufwand umzu­schalten. Studien dazu waren jedoch bislang auf einer Zeit­skala von Sekunden bis Milli­sekunden erfolgt, viel zu langsam für Anwen­dungen in der Infor­mations­ver­arbeitung.

Abb.: Zwei Beispiele der Abbildung von Ver­for­mungen und der resul­tie­renden Magne­ti­sierungs­konfi­gura­tionen. Links: Bilder der Ver­formung durch eine Ober­flächen­welle um ein magne­tisches Element herum. Die Welle bewegt sich über das magne­tische Quadrat hinweg (weiß), und abhängig vom Zeit­punkt kann das Quadrat ent­weder im nicht ver­formten Zustand (oben) oder im ver­formten Zustand (unten) abge­bildet werden. Korres­pon­dierende experi­men­telle Bilder mit magne­tischem Kontrast sind direkt daneben darge­stellt. Rechts: Schema­tische Dar­stel­lung der magne­tischen Domänen­konfi­gura­tion im magne­tischen Quadrat ohne Ver­formung (oben, Pfeile und die Grau­stufen­skala zeigen die Rich­tung der Magne­tisie­rung an) und magne­tische Konfi­gura­tion im ver­formten Zustand (unten). Hier wird die hori­zontale Magneti­sierungs­richtung durch die Ver­formung favori­siert, sodass die weiße und die schwarze Domäne größer werden. (Bild: M. Foerster, ALBA)

Einem internationalen Forscherteam ist es gelungen, magnetische Nano­strukturen mit­hilfe von akus­tischen Ober­flächen­wellen zu beein­flussen und die Effekte mit neuen Abbil­dungs­methoden sicht­bar zu machen. Die Nutzung akus­tischer Ober­flächen­wellen um die Magneti­sierung von nano­magne­tischen Elementen zu ändern, liefert eine neue Möglich­keit, um Magneti­sierung energie­sparend zu schalten. Akus­tische Ober­flächen­wellen lassen sich mit Schall­wellen in einem Fest­körper ver­gleichen, nur dass sie für Menschen nicht hör­bar sind. Schlägt man zum Beispiel mit einem Hammer auf eine Eisen­stange, dann bewegt die Schall­welle eine Ver­formung ent­lang der Stange. Auf ähn­liche Weise propa­giert eine akus­tische Ober­flächen­welle eine Ver­formung, aller­dings nur an der Ober­fläche vom Material. In Piezo­kristallen, die sich unter elek­trischer Spannung aus­bereiten oder zusammen­ziehen, können akus­tische Ober­flächen­wellen durch oszil­lie­rende elek­trische Felder auf ultra­schnellen Zeit­skalen erzeugt werden.

In Zusammenarbeit mit Forschungsgruppen in Spanien, der Schweiz und Berlin hat der Arbeits­kreis von Mathias Kläui an der Uni Mainz eine neue experi­men­telle Technik genutzt, um die akus­tischen Ober­flächen­wellen sicht­bar zu machen. Damit können die Wissen­schaftler zeigen, dass sich diese Wellen eignen, um die Magne­ti­sierung von nano­meter­kleinen magne­tischen Elementen auf der Ober­fläche der Kristalle extrem schnell umzu­schalten. Die Ergeb­nisse zeigen, dass magne­tische Elemente ihre Eigen­schaften ver­ändern und die magne­tischen Domänen sich ver­größern oder schrumpfen, je nach Phase der Ober­flächen­wellen. Interes­santer­weise tritt die Ver­änderung nicht sofort ein, die beob­achtete Ver­zöge­rung kann sogar modu­liert werden. Hier liegt der Schlüssel, um in Zukunft energie­sparende magne­tische Geräte zu ent­werfen: in dem Ver­ständnis, wie die magne­tischen Eigen­schaften auf einer schnellen Zeit­skala zu modi­fi­zieren sind.

JGU / RK

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