10.04.2026 • Biophysik

Mikrofluidik-System verbessert Superauflösungsmikroskopie

Inter­natio­na­les For­schungs­team unter Göt­ting­er Lei­tung ver­bes­sert Bild­ge­bung vom kom­ple­xen In­ne­ren der Zel­len.

Das mit Druckluft betriebene Mikrofluidik-System für multiplexe Superauflösungsmikroskope ermöglicht eine leicht zugängliche, kostengünstige und hochwertige Bildgebung von Zellen, auch von empfindlichen Proben.
Quelle: Roman Tsukanov / GAU


In einer Zelle  müssen Forschende viele Strukturen gleichzeitig betrachten, um zu erkennen, wie sie angeordnet sind und interagieren. Das gelingt nur mit einem Bildgebungsverfahren, das zelluläre Details weit über die Grenzen herkömmlicher Lichtmikroskope hinaus sichtbar macht: die multiplexe Superauflösungsmikroskopie. Die Technik ist allerdings anspruchsvoll, für empfindliche Proben ungeeignet und störungsanfällig. Wiederholbare Ergebnisse damit zu erzeugen, ist zudem schwierig. Ein internationales Team hat nun ein Mikrofluidik-System entwickelt, das diese hochaufgelöste Mikroskopie einfacher, reproduzierbarer und mehr Forschenden zugänglich macht. Die Arbeit wurde von Forschenden der Universität und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) im Rahmen des Göttinger Exzellenzclusters „Multiscale Bioimaging: From Molecular Machines to Networks of Excitable Cells” (MBExC) geleitet.

Multiplexe-Superauflösungsmikroskopie-Aufnahme von verschiedenen Proteinen (kleine Bilder) innerhalb einer Knochentumorzelle (U-2-OS-Zelllinie), aufgezeichnet mit dem neuen Mikrofluidik-System. Die Proteine sind mit eingefärbter DNA markiert. Sie werden auf Nanometer genau lokalisiert und alle gemeinsam dargestellt, um ein endgültiges Bild (großes Bild: Overlay) zu erstellen.
Multiplexe-Super­auflösungs­mikro­skopie-Aufnahme von ver­schie­denen Prote­inen (kleine Bilder) inner­halb einer Knochen­tumor­zelle (U-2-OS-Zell­linie), auf­ge­zeich­net mit dem neuen Mikro­fluidik-System. Die Proteine sind mit ein­ge­färb­ter DNA mar­kiert. Sie werden auf Nano­meter genau loka­li­siert und alle ge­mein­sam im Overlay dar­ge­stellt.
Quelle: GAU, nach: Basak, Vu, Mougios, et al.; CC-BY 4.0

Das neue Mikro­fluidik-System injiziert und entfernt Lösungen präzise aus der Kammer, in der sich die Zellprobe befindet. Damit müssen Forschende dies nicht mehr mit einer Pipette und nach strengen Vorgaben selbst erledigen. „Mit dem von uns entwickelten System können wir über lange Bildgebungszyklen hinweg eine hohe Bildqualität aufrechterhalten“, erklärt Samrat Basak, der als Biophysiker an der Universität Göttingen an der Studie mitgewirkt hat und inzwischen an der LMU München arbeitet. „Durch die gleichbleibenden Bedingungen während der verschiedenen Markierungs- und Waschschritte macht das Mikro­fluidik-System es möglich, Informationen von verschiedenen markierten Biomolekülen genau zuzuordnen. So lassen sich Proteine, spezialisierte Strukturen und komplexe Interaktionen innerhalb der Zelle abbilden.“

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Lennart J. K. Weiß, Andreas R. Bausch und Friedrich C. Simmel • 3/2025 • Seite 28

Komplexe Biosysteme entwerfen

Die Forschenden haben die Technik an menschlichen Krebszellen demonstriert. Sie zeigten damit, wie Proteinfilamente in diesen Zellen organisiert sind. Sie wandten die Methode zudem auf Muskelzellen aus den Herzkammern einer Maus an. „Die empfindlichen, spezialisierten Muskelzellen des Herzens sind besonders schwer abzubilden“, erklärt Kim-Chi Vu von der UMG und MBExC. „Das Mikrofluidik-System war unerlässlich, um die Bildgebung durchzuführen, ohne die Zellen zu verformen oder von der Oberfläche zu lösen.“

Das Mikrofluidik-System kann sowohl manuell als auch automatisiert betrieben werden. Es ist zudem mit einer Vielzahl von Bildgebungsverfahren kompatibel. „Unser Ziel war es, ein System zu entwickeln, das kosteneffizient sowie anpassungsfähig ist und somit passend zu den spezifischen Anforderungen an die Bildgebung komplexer biologischer Systeme gestaltet werden kann“, erklärt Roman Tsukanov aus der Multi­skalen-Bio­lo­gie der Universität Göttingen, der die Studie geleitet hat. „Durch die Automatisierung des Flüssigkeitsaustauschs haben wir eine wichtige Quelle für Abweichungen beseitigt und komplexe Bildgebungsprotokolle wesentlich benutzerfreundlicher gemacht.“ Jörg Enderlein aus der Biophysik der Universität Göttingen sowie vom Exzellenzcluster MBExC fügt hinzu: „Dieser Ansatz wird dazu beitragen, die multiplexe Superauflösungsbildgebung zu standardisieren und allgemein zugänglich zu machen. Das kommt sowohl der Forschung als auch medizinischen Anwendungen zugute.“ [GAU / dre]

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