16.02.2022

Mit Mikrosensorik in die Zukunft

Innovationscampus Elektronik und Mikrosensorik soll Strukturwandel in der Lausitz voranbringen.

Die Energiewende ist gerade für Regionen, deren Wirtschaftskraft eng mit der Kohleförderung verbunden ist, eine große Herausforderung. Bis zu 25.000 Industrie-Arbeitsplätze hängen alleine in der Lausitz direkt und indirekt an der Braunkohle. Damit der Strukturwandel gelingt, sind Zukunfts­perspektiven gefragt. Hier setzt der „Innovations­campus Elektronik und Mikrosensorik (iCampµs Cottbus)“ an. Durch Forschung und Entwicklung zu Mikrosensorik und Digitalisierung schaffen fünf außer­universitäre Forschungseinrichtungen und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU Cottbus-Senftenberg) ein breites technisches Angebot insbesondere für kleine und mittel­ständische Unternehmen (KMU) – und damit eine Perspektive für Fachkräfte und die Wirtschaftskraft in der Region. Der Fokus der Entwicklungen liegt auf Smart Health, Umwelt­sensorik 4.0 und Industrie 4.0.

Abb.: Harald Schenk, Projektleiter des iCampµs, mit Mikrochip (Bild: S. Rau /...
Abb.: Harald Schenk, Projektleiter des iCampµs, mit Mikrochip (Bild: S. Rau / BTU Cottbus)

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die zweite Phase des iCampµs Cottbus von 2022 bis 2026 mit 20 Millionen Euro. In der ersten Phase von 2019 bis 2021 hat das BMBF die fünf Konsortial­partner mit 7,5 Millionen Euro aus dem Sofortprogramm zur Umsetzung der Empfehlungen der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ unterstützt. Auf den hier erreichten Forschungs­ergebnissen baut nun die zweite Phase auf, in der die Ergebnisse für die wirtschaftliche Verwertung weiterentwickelt werden. Zum feierlichen Auftakt der Phase 2 findet am 10.2. eine virtuelle Kick-Off-Veranstaltung statt.

„Wir sind als iCampµs Cottbus angetreten, um mit unserer Forschung und Entwicklung die Brücke in die regionale Wirtschaft zu schlagen. Inzwischen haben wir passende KMU in der Lausitz für unsere Projekte gefunden. Ich freue mich, dass wir nun mit elf Firmen in diese zweite Phase starten – es lagen uns sogar 44 Absichtserklärungen vor. Das ist ein großer Erfolg für uns und Ansporn zugleich, diesen Transfer zu leben“, erklärt Projektleiter Harald Schenk vom Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS. Weitere Projektpartner sind die BTU Cottbus-Senftenberg, das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM, das Ferdinand-Braun-Institut gGmbH, Leibniz-Institut für Höchst­frequenz­technik (FBH), das Leibniz-Institut für innovative Mikro­elektronik (IHP) und die Thiem-Research GmbH.

Als anschauliches Beispiel der gemeinsamen Zusammenarbeit steht das in Cottbus entwickelte Medizin-Radar. Das zehn auf zehn Zentimeter große Radar ist in der Lage, neben der Atmungsfunktion von Probanden auch weitere Vitalparameter wie Herztöne zu detektieren. Größter Vorteil dabei ist, dass dies alles berührungslos funktioniert. Damit ergeben sich viele Anwendungs­möglichkeiten zur Überwachung von Patienten im stationären, aber auch mobilen Umfeld der medizinischen Betreuung.

Mittlerweile leitet dieses Arbeitspaket die Thiem-Research GmbH (TRS), die Tochtergesellschaft des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums, das im Zuge des Strukturwandels zum Innovationszentrum Universitäts­medizin Cottbus weiterentwickelt werden soll. Das Radar ist modular aufgebaut, sodass die verwendete Antenne vom IZM designt und entwickelt wird, die Signalanalyse an der BTU stattfindet, der verwendet Chip vom IHP geliefert wird und der lineare Receiver vom FBH gestellt wird. Jeder Partner trägt so zum Gelingen des Gesamtsystems bei. Die TRS sorgt mit der klinischen Integration und dem Ethikvotum dafür, dass aus einer Elektronik auch ein echtes Medizinprodukt werden kann.

FBH / DE

 

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