28.04.2026

Neues Teleskop auf 5600 Meter Höhe eingeweiht

Univer­sitä­ten Köln und Bonn sind Teil einer inter­na­tio­na­len Ko­ope­ra­tion, die das Fred Young Sub­mil­li­me­ter Te­le­scope ins Leben ge­ru­fen hat.

Gut drei Jahrzehnte nach der ursprünglichen Idee von Forschenden der Universität zu Köln und der Cornell University erhebt sich das Fred Young Submillimeter Telescope (FYST) nun über der Atacama-Wüste, nahe dem Gipfel des Cerro Chajnantor im chilenischen Parque Astronómico Atacama, 600 Meter höher gelegen als das Atacama Large Millimeter Array (ALMA). Das Teleskop wird dazu beitragen, einige der wichtigsten Fragen der Astronomie zu beantworten, zum Beispiel wie das Universum funktioniert, woraus dunkle Energie und dunkle Materie bestehen, wie sich Galaxien bilden und entwickeln und was in den mysteriösen ersten Momenten nach dem Urknall geschah.

Teilnehmer der FYST-Einweihung um CCAT-Vorstandsmitglied Dominik Riechers...
Teilnehmer der FYST-Einweihung um CCAT-Vorstandsmitglied Dominik Riechers (Mitte).
Quelle: U zu Köln

Am 9. April fand auf dem Cerro Chajnantor die feierliche Einweihung statt, an der mehr als hundert Personen teilnahmen. Zu den Gästen zählten internationale Projektunterstützende sowie Forschende aus den USA, Deutschland, Kanada und Chile. FYST ist ein Projekt des internationalen CCAT Observatory Konsortiums, an dem die Universität zu Köln, die Universität Bonn und das Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching, die Cornell University in den USA sowie ein kanadisches Universitätskonsortium unter der Leitung der University of Waterloo beteiligt sind. Astronom:innen an neun chilenischen Universitäten sind ebenfalls beteiligt.

Das Teleskop verfügt über ein innovatives optisches Design, das es ermöglicht, bei jeder Belichtung ein großes Sichtfeld zu beobachten und so den Himmel schnell und effizient zu kartieren. FYST arbeitet im Submillimeterwellenlängenbereich und wird Filmaufnahmen des Sternenhimmels – eine Art „himmlische Kinematographie“ – in einem bislang unerforschten Bereich des elektromagnetischen Spektrums ermöglichen.

FYST ist nach dem Cornell-Absolventen Fred Young benannt. Neben seiner finanziellen Unterstützung beteiligte sich Young auch aktiv am Planungsprozess.

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Submillimeter-Fenster ins All

„FYST bildet den Höhepunkt des jahrzehntelangen Engagements der Universität zu Köln in der Sub­milli­meter­wellen-Astro­physik in Chile. Gemeinsam mit unseren Partnern an der Cornell University freuen wir uns, diesen Meilenstein in der Technologieentwicklung zu präsentieren, der unseren Blick auf den Himmel in diesem wichtigen, aber wenig erforschten Wellenlängenbereich revolutionieren wird – von einem Standort aus, dessen Beobachtungsbedingungen nur vom Vakuum des Weltraums übertroffen werden“, sagt CCAT-Vorstandsmitglied Dominik Riechers, Professor für Astrophysik an der Universität zu Köln.

In einer Höhe von 5.640 Metern über dem Meeresspiegel – höher als das Basislager des Mount Everest – liegt FYST oberhalb der meisten atmosphärischen Schichten, die Submillimeterwellen daran hindern, den Erdboden zu erreichen. Die extrem trockene Luft der Atacama-Wüste sorgt dabei für ideale Bedingungen, da Wasserdampf die Signale kaum beeinträchtigt.

Der Bau eines großen Teleskops in dieser Höhe war eine besondere Herausforderung. Der Atmosphärendruck auf dem Gipfel des Cerro Chanjantor ist weniger als halb so hoch wie auf Meereshöhe, weshalb die am Bau Beteiligten und alle Besuchenden einer strengen körperliche Untersuchung unterzogen wurden und auf dem Gipfel zusätzlichen Sauerstoff nutzten.

Das Duisburger Unternehmen CPI Vertex Antennentechnik entwarf und fertigte die Teleskopstruktur, einschließlich der Antriebs- und Steuerungssysteme. Das Unternehmen investierte mehr als 250.000 Arbeitsstunden in Konstruktion, Werkstofftechnik, Simulation, Fertigung, Qualifizierung und Projektkoordination und trug damit zu den technologischen Rekordergebnissen bei, die das System weltweit einzigartig machen.

Aufgrund der Herausforderungen, die die Arbeit in dieser extremen Höhe mit sich bringt, bauten die Ingenieure das Teleskop zunächst in Deutschland zusammen. Das Bauwerk wurde anschließend in große Teile zerlegt und per Lastkahn sowie Frachtschiff nach Chile gebracht. Dort transportierten Lastwagen die bis zu sechzig Tonnen schweren Komponenten den Berg hinauf. [U Köln / dre]

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