15.01.2026 • Astronomie

145 rauscharme Verstärker für ALMA

Neuartige Band-2-Hoch­frequenz­empfänger er­öff­nen neue Mög­lich­kei­ten für das Ra­dio­te­le­skop-Array.

Einige der 66 Radioteleskope des Large Millimeter submillimeter Array (ALMA) auf der Chajnantor-Hochebene in den chilenischen Anden. Die meisten der Parabolantennen haben einen Durchmesser von zwölf Metern.
Quelle: ESO / C. Malin (christophmalin.com)

Das Fraunhofer IAF und das Max-Planck-Institut für Radioastronomie haben 145 hochperformante rauscharme Verstärker für den ALMA-Radioteleskopverbund in der chilenischen Atacama-Wüste bereitgestellt. Die Verstärker basieren auf InGaAs-mHEMT-MMICs und bilden essenzielle Bauteile der Hochfrequenzempfänger für den Wellenlängenbereich zwischen 2,6 und 4,5  mm (Frequenzbereich: 67 – 116 GHz, Band 2). Mit ihnen soll ALMA präzisere Messungen von Objekten und Galaxien im Universum durchführen, um neue Informationen über die Entstehung von Sternen, Planeten und Leben zu gewinnen.

Band-2-Hochfrequenzempfänger für ALMA
Band-2-Hochfrequenzempfänger für ALMA
Quelle: NOVA / ESO

Das Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) in den chilenischen Anden gehört zu den leistungsfähigsten Radioteleskopanlagen der Welt. Forschende untersuchen damit dunkle und weitentfernte Bereiche im Universum, um besser zu verstehen, wie Sterne, Planeten, Galaxien oder das Leben selbst entsteht. Hierzu misst ALMA die Milli­meter- und Sub­milli­meter­strahlung, die beispiels­weise von kalten Molekülwolken ausgeht. Molekülwolken sind inter­stel­lare Gas­wolken mit einer Tempe­ratur von nur wenigen zehn Kelvin, in denen sich bei ent­spre­chen­der Dichte und Kälte Sterne bilden.

Insgesamt verfügt ALMA über 66 einzelne Parabol­antennen mit 12 oder 7 m Durch­messer, die jeweils Hoch­frequenz­empfänger für zehn Wellen­längen­bereiche (›ALMA-Bänder‹) zwischen 6 und 8,6 mm (35 – 50 GHz) sowie 0,3 und 0,4 mm (787 – 950 GHz) im elek­tro­mag­neti­schen Spek­trum be­inhal­ten. Für das Band 2, das Wellenlängen von 2,6 bis 4,5 mm (67 – 116 GHz) abdeckt, haben das Fraun­hofer-Insti­tut für Ange­wandte Festkörper­phy­sik IAF und das Max-Planck-Institut für Radio­astro­nomie (MPIfR) nun 145 rausch­arme Verstärker (low-noise amplifiers, LNAs) bereit­ge­stellt. Damit sind alle ALMA-Bänder erst­mals voll­ständig ausge­stattet.

Mit dem Band 2 von ALMA wollen For­schende insbe­son­dere das kalte inter­stel­lare Medium besser unter­suchen können – ein Gemisch aus Staub, Gas, Strah­lung und Magnet­feldern, aus dem Sterne entstehen. Komplexe organische Mole­küle in nahe­gele­genen Galaxien, die als Vor­läufer biolo­gischer Bau­steine in­frage kommen, sowie plane­ten­bil­dende Scheiben sollen durch die ver­bes­ser­ten Mess­fähig­kei­ten eben­falls genauer erforscht werden.

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„Die Leistungs­fähig­keit von Empfängern hängt maß­geb­lich von der Per­for­mance der ersten Hoch­fre­quenz-Verstärker ab, die in ihnen ver­baut sind“, erklärt Fabian Thome, Leiter des Teil­pro­jekts am Fraun­ho­fer IAF. „Unsere Techno­logie zeichnet sich durch eine mitt­lere Rausch­tempe­ratur von 22 K aus, die welt­weit uner­reicht ist.“ Mit den neuen LNAs lassen sich die Signale bereits im ersten Schritt auf mehr als das 300-fache ver­stärken. „Dadurch können die ALMA-Empfänger die Milli­meter- und Sub­milli­meter­strah­lung aus den Tiefen des Univer­sums viel präziser messen und bessere Daten gewinnen. Es macht uns unheim­lich stolz, dass wir mit unserer LNA-Techno­logie dazu beitragen können, die Ursprünge von Sternen und ganzen Gala­xien besser zu verstehen.“

Den Kern der LNAs für das Band 2 von ALMA bil­den mono­li­thisch inte­grierte Mikro­wellen­schal­tungen (mono­lithic micro­wave inte­grated circuit, MMICs) auf Basis von meta­mor­phen Tran­sis­to­ren mit hoher Elek­tro­nen­beweg­lich­keit (meta­mor­phic high-electron-mobility tran­sis­tors, mHEMTs), die das Fraun­ho­fer IAF mit­hilfe des Ver­bin­dungs­halb­leiter­mate­rials Indium­gallium­arse­nid (InGaAs) entwickelt hat. Die zugrunde­liegende Techno­logie ermöglicht LNAs mit be­son­ders kleinen Rausch­tempe­ra­tu­ren, was die Sen­si­ti­vi­tät der Em­pfänger deut­lich er­höht. Wie der Name sagt, ver­bes­sern rausch­arme Ver­stär­ker die Qua­li­tät ein­gehen­der Sig­nale, indem sie das Signal ver­stär­ken und dabei mög­lichst geringe stö­ren­de Hin­ter­grund­geräu­sche (Rau­schen) verur­sachen. [FhIAF / MPIfR / dre]

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Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF

Tullastraße 72
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