15.01.2026 • Plasma

„Physik kann Chemie in der Landwirtschaft ersetzen“

WIR-Forschungs­projekt Physics for Food wurde Ende 2025 mit einer Ab­schluss­ver­an­stal­tung er­folg­reich be­en­det.

Das vom Bundes­ministerium für For­schung, Techno­logie und Raum­fahrt (BMFTR) geför­der­te WIR-Projekt Physics for Food ist nach acht­jähri­ger Lauf­zeit erfolg­reich abge­schlos­sen. Auf der Abschluss­veran­stal­tung in Neu­branden­burg stell­ten Wissen­schaftle­rinnen und Wissen­schaft­ler sowie Projekt­verant­wort­liche zen­tra­le Er­kennt­nisse und kon­krete Transfer­ansätze vor. Das Projekt wurde initi­iert von der Hoch­schule Neu­branden­burg und dem Leibniz-Institut für Plasma­for­schung und Tech­no­lo­gie.

Ziel des Verbunds war es, physika­lische Ver­fah­ren für eine nach­haltige Lebens­mittel­wert­schöpfung zu ent­wick­eln – von der Saat­gut­behand­lung über Anbau­systeme, Lage­rung und Verar­bei­tung bis hin zu Konzep­ten für moderne Gewächs­häuser und umwelt­freund­liche Wasser­kreis­läufe.

Die vorgestellten Ergeb­nisse zeigen, wie physika­lische Verfah­ren Quali­tät sichern, Res­sour­cen ein­spa­ren und neue Wege für eine nach­hal­tige Lebens­mittel­produk­tion eröffnen:

Saatgutgesundheit und Ertrags­sicherung: Plasma­behand­lungen redu­zierten krank­heits­verur­sachen­de Erre­ger auf Saat­gut ebenso wirkungs­voll wie chemi­sche Beizen. In Feld­versu­chen stieg nach der Behand­lung der Feld­aufgang von Winter­gerste um 10 – 40 %, der Korn­ertrag erhöhte sich um rund fünf Prozent. Zudem wurde im Oktober 2025 ein am INP entwick­eltes Ver­fahren zur Dekonta­mina­tion als europä­isches Patent erteilt.

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Felix Havermann, Karin Adolph, Lukas Fehr, Sina Löschke und Julia Pongratz • 12/2025 • Seite 40

Entscheidende Entnahme

Physikbasierter Pflanzen­schutz im Feld: Es zeigte sich, dass Plasma­verfah­ren als Bau­stein im inte­grier­ten Pflan­zen­schutz einge­setzt werden können. Sie tragen dazu bei, Pflan­zen­wachs­tum zu fördern und Stress zu redu­zie­ren. Feld­studien belegten Unter­schie­de im Blatt­befall und im Ertrag einzel­ner Vari­anten, was Hin­weise auf stabile Anwen­dungen in der Praxis liefert.

Schutz von Lagergetreide und alter­native Ver­fah­ren zur Schäd­lings­bekäm­pfung: Schim­mel­pilze und Schad­insek­ten wie der Korn­käfer wurden mit­hilfe von Plasma im Labor in­akti­viert. Darauf aufbau­end entstan­den ein Förder­band, auf dem das Korn direkt mit Plasma behan­delt werden kann sowie eine Vari­ante für den Ein­satz von plasma­behan­del­ter Luft in Silos.  In einem realen Praxis­ver­such mit einem 30-Tonnen-Getreide­silo konn­ten die Behand­lungs­para­meter opti­miert werden. Land­wirte und Land­wirtin­nen zeigen großes Inte­res­se an chemie­freien Alter­nati­ven für die Korn­lage­rung, was sich in einer hohen Akzep­tanz der Techno­logie wider­spiegelt.

Wasseraufbereitung mit physika­lischen Methoden: Für die Behand­lung von Ab- und Prozess­wasser wurden statio­näre und mobile Demonstra­toren entwickelt — etwa für die Nutzung in der Lebens­mittel­industrie und im land­wirt­schaft­lichen Feld. Die Kombination aus Fil­tra­tion, Ultra­schall, Ozon, UV und Plasma erwies sich als wir­kungs­voll zur Reduktion von Schad­stoffen und Mikro­organis­men. Bei­spiele stammen aus der Zusammen­arbeit mit der Zucker­fabrik Anklam und der Störte­beker Brau­manufak­tur.

Innovation für moderne Gewächs­häuser: Es entstand ein groß­skaliges hydro­poni­sches System für mehr als drei­tausend Pflan­zen, in einer Vertical-Farming-Anlage. Dort werden Plasma­verfah­ren unter produk­tions­nahen Beding­ungen unter­sucht. Ergeb­nisse zeigen: Plasma­behan­del­tes Wasser erreicht hygie­nische Stan­dards vergleich­bar mit konven­tio­nellen chemischen Mitteln, kann Stick­stoff­dünger ersetzen und för­dert die Pflanzen­entwick­lung.

Physikalisch erzeugtes Plasma ist chemie- und rück­stands­frei, res­sourcen­schonend und damit umwelt­freund­lich. Unter Land­wirten und Land­wirtin­nen besteht nach eigenen Umfragen ein hohes Inte­resse an neuen physika­lischen Methoden. Die Anwen­dungs­nähe und Taug­lich­keit zum Transfer in die Wirtschaft standen von Anfang an im Fokus von Physics for Food. Forschung und Entwick­lung erfolgten in enger Zusammen­arbeit mit Unter­nehmen.

Das Projekt zeigt, dass inter­diszipli­näre Zusam­men­arbeit zwischen Wissen­schaft und Wirt­schaft ziel­gerich­tete Inno­va­tio­nen ermög­licht. Gleich­zeitig wurde im Küsten­hinter­land eine starke Kompe­tenz für physi­ka­li­sche Verfah­ren in der Land- und Ernäh­rungs­wirt­schaft aufge­baut. Dafür stehen unter anderem zwölf weiter­führende Verbund­projekte sowie rund dreißig neue regio­nale und über­regio­nale Koopera­tionen, die aus dem Bünd­nis hervorge­gangen sind. [INP / dre]

Anbieter

Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP)

Felix-Hausdorff-Str. 2
17489 Greifswald
Deutschland

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