03.05.2024

Mehr Anwendungen für kalte Plasmen

Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie erhält Millionenförderung.

Mit einer Förderung in Millionen­höhe durch den Bund und das Land Mecklenburg-Vorpommern stärkt das Leibniz-Institut für Plasma­forschung und Technologie (INP) seine Forschung im Bereich Landwirtschaft, Bioökonomie und Umwelt. Die Finanzmittel fließen in Personal, technische Ausstattung und drei neue Professuren an den Univer­sitäten Greifswald und Rostock sowie der Hochschule Neubrandenburg. Das INP mit Sitz in Greifswald ist die europaweit größte außer­universitäre Forschungs­einrichtung auf dem Gebiet der Niedertemperatur­plasmaphysik.

Abb.:  Mit einer Förderung in Millionenhöhe stärkt das Leibniz-Institut für...
Abb.: Mit einer Förderung in Millionenhöhe stärkt das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) seine Forschung im Bereich Landwirtschaft, Bioökonomie und Umwelt.
Quelle: INP

Im Rahmen eines „kleinen strategischen Sondertat­bestands“ erhält das INP vom Land Mecklenburg-Vorpommern und dem Bundes­ministerium für Bildung und Forschung in den nächsten Jahren zusätzliche Forschungs­gelder. „Die Förderung ermöglicht es uns, in Mecklenburg-Vorpommern einen international führenden Standort im Bereich Plasma­technologien für Agrarkultur, Lebensmittel­produktion und biogene Reststoffe aufzubauen“, sagt Klaus-Dieter Weltmann, Vorstands­vorsitzender und wissen­schaftlicher Direktor des INP. „Wir fokussieren uns darauf, umwelt­freundliche Technologien zu entwickeln, die nicht nur die Forschung und Lehre bereichern, sondern auch zukunfts­weisende Arbeitsplätze schaffen.“

Plasma­technologie findet sich in vielen alltäglichen Produkten, von Smartphones bis zu Autos. Das INP führt neben Grundlagen­forschung auch anwendungs­orientierte Forschung durch, die zu Patenten und Firmengründungen führt, um neue Technologien auf den Markt zu bringen. Im Bereich der medi­zinischen Anwendungen, wie der Wundheilung, hat das INP bereits ein international anerkanntes Forschungs­cluster im Nordosten Deutschlands etabliert, aus dem mehrere Unternehmen hervorgegangen sind.

In der Agrarwirtschaft zeigt die Forschung am INP ebenfalls erhebliches Potenzial für Plasma­anwendungen. Beispiels­weise ermöglicht die Behandlung von Saatgut mit Plasma, schädliche Mikro­organismen zu entfernen. Dies bietet die Möglichkeit, auf chemische Beizmittel zu verzichten und somit die Umwelt zu schonen. Zudem laufen weitere Studien zur Anwendung von plasma­behandeltem Wasser, das die Stoffwechsel­prozesse der Pflanzen anregt und ihre Widerstands­fähigkeit gegen Trockenheit und Hitze erhöht. Die Plasma­technologie bewährt sich auch in der Lebensmittel­produktion, wo sie die Haltbarkeit der Produkte verlängert, ohne dass chemische Konservierungs­stoffe nötig sind. Weiterhin eröffnen sich durch die Plasma­behandlung von Biomasse in Biogasanlagen verbesserte Erträge, und die Plasma­synthese ermöglicht die Produktion von grünen Kraftstoffen aus dem dabei entstehenden Kohlendioxid. Auch im Bereich der pharma­zeutischen Grundstoff­gewinnung aus Algen und Rohstoffpflanzen zeigt sich, dass die Plasma­technologie schonendere und effektivere Ergebnisse liefert als herkömmliche Methoden.

Eine entscheidendes Erfolgs­kriterium für die Etablierung neuer Forschungs­themen ist die Ausbildung von jungen Forschenden. Hierzu plant das INP drei neue Professuren in Mecklenburg-Vorpommern. Gemeinsam mit der Hochschule Neubrandenburg soll noch im Jahr 2024 eine Professur für Plasma-Lebensmittel­verarbeitung besetzt werden. Ebenfalls 2024 startet das Verfahren zur Einführung einer Juniorprofessur für Plasma-Agrartechnik an der Universität Rostock. Gemeinsam mit der Universität Greifswald ist für das Jahr 2025 die Besetzung einer Juniorprofessur für Plasma-Agrar­wissenschaften geplant. „Diese neuen Professuren sind essentiell, um die Dynamik in unseren Forschungs­bereichen zu erhöhen und einen nachhaltigen wissen­schaftlichen und wirt­schaftlichen Beitrag in Nordost­deutschland zu leisten“, erläutert Weltmann. 

Dank der Finanzmittel von Bund und Land können am INP bis zu zwölf Stellen mit zusätzlichem Fachpersonal besetzt werden. Für die Forschung nutzt das INP speziell eingerichtete Labore, die am neu eröffneten Z4 – Zentrum für Life Science und Plasma­technologie – in Greifswald angemietet wurden. Hier sind umfangreiche Versuche mit Pflanzen und Mikro­organismen möglich. „Mit der neuen personellen, technischen und räumlichen Ausstattung können wir den Einsatz der Plasmatechnologie in Landwirtschaft und Lebensmittel­produktion intensiv vorantreiben. Ich bin überzeugt, dass wir dadurch erheblich zum Umweltschutz beitragen werden“, ergänzt Weltmann.

INP / JOL

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