Die Raumsonde Martian Moons Exploration MMX soll am 19. Oktober 2026 um 21:41 Uhr (MESZ) zum Mars starten (Morgen des 20. Oktober japanischer Zeit). Es ist die bisher größte japanische Mission ins Sonnensystem: Sie landet erstmals auf dem Marsmond Phobos und bringt 2031 die ersten Proben überhaupt vom Marsmond Phobos und damit aus dem Marssystem zur Erde. Wichtiger Teil der Mission ist der deutsch-französische Rover Idefix®, der als erster Lander überhaupt 2029 auf Phobos aufsetzet, um dessen Oberfläche für hundert Tage aus nächster Nähe zu erkunden. Das DLR und die französische Raumfahrtbehörde CNES haben Idefix gemeinsam entwickelt. Nun laufen die letzten Startvorbereitungen der neuen leistungsfähigen H3-Rakete der JAXA, mit deren Hilfe MMX das Marssystem erreichen soll. Das Startfenster zum Mars erstreckt sich bis zum 7. November.
Bereits 2022 stellte das DLR den teilmontierten Rover und zwei Instrumente fertig. Anschließend wurde er bei der französischen Raumfahrtagentur CNES in Toulouse vollständig zusammengebaut und durch weitere Instrumente und Komponenten ergänzt. Nach der Fertigstellung im Juli 2023 absolvierte Idefix® erfolgreich Tests zur Weltraumqualifikation. Im Fokus stand dabei seine einwandfreie Funktion sowie seine Beständigkeit gegenüber den Vibrationen beim Raketenstart als auch gegenüber den extremen Temperaturen auf Phobos von minus 170 bis 70 Grad Celsius. Ab 2024 begann in Japan die Integration des Rovers in die MMX-Muttersonde. Im August 2026 präsentierte die JAXA nun die fertiggestellte Raumsonde. Dabei war der etwa getränkekastengroße Rover gut in seiner Reiseposition zwischen den Landebeinen der Raumsonde zu sehen. Besonders an ihm ist seine enorm kompakte Bauart. Er hat im Wesentlichen alle Elemente eines vollwertigen Wissenschaftsrovers, kommt mit seiner hochintegrierten Konstruktion aber nur auf eine Masse von 25 Kilogramm. Aufgrund seines geringen Gewichts und der geringen Schwerkraft kann er direkt auf Phobos landen, ohne die Hilfe eines zusätzlichen Landevehikels.



Um den Jahreswechsel 2028/2029 wird die MMX-Muttersonde den Rover aus einer Höhe von etwa vierzig Metern über der Oberfläche in Richtung Phobos schicken. Einmal gelandet, richtet er sich selbständig auf und ist dann einsatzbereit für die rund dreimonatige Missionsphase auf dem Marsmond. Auf der Oberfläche wird Idefix gezielt wissenschaftlich interessante Bereiche des Phobos suchen und analysieren. Dabei betritt er technisches Neuland, denn noch nie ist ein Erkundungsfahrzeug mit Rädern auf einem Himmelskörper gefahren, der nur über weniger als ein Tausendstel der Erdanziehungskraft verfügt. Die Vorerkundung der Oberfläche durch den Rover hilft später auch dabei, die Muttersonde möglichst gut vorbereitet auf Phobos zur Probensammlung zu landen.
„Vor mehr als einem Jahrzehnt haben wir die MMX-Reise begonnen. Trotz unzähliger Herausforderungen haben uns das Engagement und der Einfallsreichtum von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren in ganz Japan und auf der ganzen Welt bis zu diesem Moment gebracht. Der Start von MMX wird für uns alle ein emotionaler Meilenstein sein“, sagt Yasuhiro Kawakatsu, MMX-Projektleiter bei der JAXA.
Der Start der MMX-Mission ist für den 19. Oktober 2026 geplant, wobei das Startfenster zum Mars 19 Tage beträgt. Nach rund einjähriger Flugzeit wird die MMX-Sonde in der zweiten Jahreshälfte 2027 den Mars erreichen und in seine Umlaufbahn einschwenken. Dann beginnen die acht wissenschaftlichen Instrumente des Explorationsmoduls mit der Kartierung und Charakterisierung der Oberflächen von Phobos und Deimos. Um den umfangreichen Anforderungen an die Mission gerecht zu werden, setzt die japanische Raumfahrtbehörde JAXA bei der Raumsonde auf ein Design aus drei Modulen mit der bislang größten Masse einer japanischen interplanetaren Raumsonde: Ein leistungsstarkes Antriebsmodul sorgt für den Transfer und die Bremsmanöver am Mars, ein Erkundungs- und Landemodul trägt die wissenschaftlichen Instrumente, darunter Teleskopkameras, Spektrometer und den deutsch-französischen Rover sowie ein Rückkehrmodul inklusive der Landekapsel mit ihren thermischen Schutzschilden für den Flug zurück zur Erde.
Phobos und Deimos sind neben dem Erdmond die beiden einzigen Monde im inneren Sonnensystem. Sie sind viel kleiner als der Erdmond und nicht kugelförmig, sondern von unregelmäßiger Gestalt. Der größte Durchmesser von Phobos beträgt knapp 27 Kilometer, bei Deimos sind es sogar nur 15 Kilometer. Die Namen Phobos und Deimos (Furcht und Schrecken) erhielten beide Monde unseres Nachbarplaneten nach ihrer Entdeckung 1877 durch den US-Amerikaner Asaph Hall. In Homers Ilias sind sie zwei Brüder im Gefolge des hellenischen Kriegsgottes Ares – in der römischen Mythologie der Kriegsgott Mars. Etwa 150 Jahre nach ihrer Entdeckung ist die Entstehung der Marsmonde noch immer eine offene Frage: Sind sie eingefangene Asteroiden oder nach einem gewaltigen Meteoriteneinschlag auf dem Mars entstanden? MMX soll helfen, diese Frage zu beantworten und die Geschichte von Phobos und Deimos zu ergründen.
Die Entstehung des Marssystems ist zudem ein Schlüssel, um die Prozesse der Planetenbildung im Sonnensystem insgesamt besser zu verstehen. In jedem Fall dürften Spuren von Gesteinen des Mars auf der Oberfläche von Phobos zu finden sein, die als Auswurfsmaterial späterer Asteroideneinschläge auf Phobos landeten. Damit könnte dann mit den Proben von Phobos auch Material vom Mars in der Rückkehrkapsel zur Erde und damit in irdische Labore gelangen. [DLR / dre]
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