UV-Strahlung im Fokus
Der Fachverband für Strahlenschutz, das Jenaer Zentrum für Romantikforschung und weitere Institutionen würdigen das fast sichtbare Violett.
Henri Wagner
Farben, Wärme und Sonnenbrand sind nur wenige Beispiele, die zeigen, dass Strahlung – sichtbar wie unsichtbar – allgegenwärtig ist. Das gilt erst recht für die Wissenschaft, die das Strahlungsspektrum enorm erweitert hat, nicht zuletzt um diese in der Forschung zu nutzen. Die Astronomie ist dafür sicher das beste Beispiel, denn sie hat mit ihren Beobachtungsmethoden das elektromagnetische Spektrum weit über den sichtbaren Bereich erschlossen und den Kosmos im wahrsten Sinne des Wortes im neuen Licht gezeigt.
Der Fachverband für Strahlenschutz veranstaltet seit 2023 jährlich ein Symposium zur selbst ausgeschriebenen „Strahlung des Jahres“. Ziel ist es, der Bedeutung der jeweiligen Strahlungsform Tribut zu zollen und bei Bedarf auch lebenswichtige Informationen über den Umgang mit ihr weiterzugeben.
Im vergangenen Jahr wurde mit der Gamma-Strahlung die durchdringendste Form der elektromagnetischen Strahlung gewürdigt. In diesem Jahre widmet sich die Veranstaltung dem Ultravioletten, das sich im elektromagnetischen Spektrum im Wellenlängenbereich von 10 bis etwa 380 Nanometer befindet. Die UV-Strahlung schließt an das sichtbare Blau an und befindet sich damit an der Grenze des kurzwelligen Bereichs unseres Sehvermögens.

2025 konnte die Entdeckung der Gamma-Strahlung 125-jähriges Jubiläum feiern. Auch bei der Strahlung des Jahres 2026 gibt es ein kleines jubiläum, denn die Entdeckung der UV-Strahlung lässt sich auf den 22. Februar 1801 datieren, fand also vor 225 Jahren statt. Entdeckte hat sie der Experimentalphysiker Johann Wilhelm Ritter durch ein schwarzgefärbtes Stück Silber.
Die Zeit der Romantik stand damals im Zeichen der Strahlungen: Kurz vor Ritters Experimenten entdeckte Friedrich Wilhelm Herschel mit Hilfe hochempfindlicher Thermometer die Infrarotstrahlung. Johann Wilhelm Ritter selbst stand zu dieser Zeit im Austausch mit Johann Wolfgang von Goethe und diskutierte mit diesem über dessen Farbenlehre.
Goethe schrieb in der Einleitung zur Farbenlehre: „Zur Erzeugung der Farbe [wird] Licht und Finsternis, Helles und Dunkles (…) gefordert. Zunächst am Licht entsteht uns eine Farbe, die wir Gelb nennen, eine andere zunächst an der Finsternis, die wir mit dem Worte Blau bezeichnen.“
Vielleicht waren es Worte wie diese, die dem romantischen Experimentalphysiker aus Symmetriegründen darauf brachten, am anderen Ende des Spektrums nach dem „dunklen“ Gegenstück zum Infrarot zu suchen. Er spaltete Sonnenlicht mit einem Glasprisma auf und belichtete Silberchlorid, das sich durch eine photochemische Reaktion bei Lichtkontakt schwarz färbt. Es färbte sich noch neben dem sichtbar violetten Bereich besonders stark, womit die Existenz der „deoxidierenden Strahlen“ gezeigt war, wie die UV-Strahlung zunächst bezeichnet wurde.
Heutzutage ist die UV-Strahlung eher durch ihre zerstörende Kraft bekannt – im Guten wie im Schlechten: Sie wird genutzt, um Wasser zu reinigen, Keime in Wunden abzutöten und Krankenhäuser zu sterilisieren. Gleichzeitig ist sie der Grund, warum man sich mit Sonnencreme einschmieren sollte und Australien ein Problem mit der Hautkrebs-Inzidenz hat. Durch die starke photochemische Reaktion der Strahlung lässt sie sich in der Technik nutzen, um bestimmte Kleber und Farben auszuhärten, oder Mikrochips herzustellen.
In der Astronomie lassen sich mit UV-Teleskopen vor allem sehr heiße Sterne untersuchen, die viel im höherenergetischen UV-Bereich strahlen. Da die Atmosphäre in Höhe der Stratosphäre vor allem durch das Ozon einen großen Teil der kosmischen UV-Strahlung absorbiert ist eine Beobachtung allerdings nur mit Weltraumobservatorien möglich.
Es war in Jena, wo sich Ritter und Goethe trafen, um über Farben zu diskutieren, und Ritter seine Strahlungsexperimente durchführte. Daher soll in dieser Stadt, die 2021 als Ganzes zur EPS Historic Site gekürt wurde, am 21. Februar 2026, ein Symposium zur Entdeckung und Anwendung der UV-Strahlung stattfinden.
Veranstalter sind das Jenaer Zentrum für Romantikforschung, gemeinsam mit dem Deutschen Optischen Museum, dem Fachverband für Strahlenschutz und dem Romantikerhaus Jena. Dabei beteiligen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vier Fakultäten der Universität Jena, von der Philosophie über Physik/Astronomie und Chemie/Geowissenschaften bis zu den Biowissenschaften. Diese werden in ihren Vorträgen nicht nur Heuristiken romantischer Experimentalphysik thematisieren, sondern auch das gegenwärtige Wissen über Nutzen und Gefahren der „Strahlung des Jahres“.
Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Light, Life, Liberty“, das sich die Universität Jena auf die Fahne geschrieben hat. Diesem interdisziplinären Geist wäre sicher ganz im Sinne Goethes, dem das letzte Wort vergönnt sein soll: „[…] nirgends wollte man zugeben, daß Wissenschaft und Poesie vereinbar seien. Man vergaß daß Wissenschaft sich aus Poesie entwickelt habe, man bedachte nicht daß, nach einem Umschwung von Zeiten, beide sich wieder freundlich, zu beiderseitigem Vorteil, auf höherer Stelle, gar wohl wieder begegnen könnten.“ (Goethe, Zur Morphologie)















