Physik Journal 6 / 2026

Cover

Berufsporträt – experimenta 
Kilo-Degree Survey
Quantenphysikerinnen

Wie platzt ein Tropfen? Wie breiten sich Wellen aus? Diese Fragen ­können Besuchende der experimenta in Heilbronn an einer ­Station in der Ausstellungsetage StoffWechsel untersuchen. (Bild: experimenta; vgl. S. 21)   


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Meinung

Mut zu neuen AnsätzenMax Tuchtenhagen6/2026Seite 3

Mut zu neuen Ansätzen

Ohne ein zeitgemäßes Lehramtsstudium droht der Kollaps der physikalischen Schulbildung und damit des physikalischen Nachwuchses in Deutschland.

Aktuell

Jakob Schöll6/2026Seite 6DPG-Mitglieder

Die größte 3D-Karte des Universums

Das Dark Energy Spectroscopic Instrument schließt seine fünfjährige Himmelsdurchmusterung erfolgreich ab.

Alexander Pawlak6/2026Seite 7DPG-Mitglieder

Vom Portal zur Infrastruktur

Die Erdbeobachtungsplattform „CODE-DE Lab“ vereinheitlicht und vereinfacht den Zugang und die Verarbeitung von Klima- und Umweltdaten aus dem All.

WR / TU Dresden / Anja Hauck6/2026Seite 8DPG-Mitglieder

Forschung fürs Leben

Der Wissenschaftsrat empfiehlt den Bau des Center for the Organization of Living Matter der TU Dresden.

Jakob Schöll6/2026Seite 8DPG-Mitglieder

Ein Netzwerk für Mikrochips

Das neugegründete „Northern Chip Network“ bringt Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in Norddeutschland zusammen.

Henri Wagner6/2026Seite 10DPG-Mitglieder

Die ESA bittet um Mithilfe

Mit einem Citizen-Science-Projekt möchte die ESA die Schwarm­intelligenz der Bürger:innen nutzen, um starke Gravitationslinsen zu identifizieren.

Kerstin Sonnabend6/2026Seite 11DPG-Mitglieder

Wissenschaftliche Talente gesucht

Der DAAD hilft mit verschiedenen Programmen dabei, Talente aus dem Ausland für den Wissenschaftsstandort Deutschland und den deutschen Arbeitsmarkt zu gewinnen.

Alexander Pawlak6/2026Seite 11DPG-Mitglieder

Let‘s get physical! – Musik trifft Physik

Kerstin Sonnabend6/2026Seite 12DPG-Mitglieder

Wettlauf nimmt Fahrt auf

In Großbritannien soll bis 2040 der Prototyp eines Fusionskraftwerks in Betrieb gehen.

AWI / Anja Hauck6/2026Seite 12DPG-Mitglieder

Antarktische Jubiläumspost

Jakob Schöll6/2026Seite 13DPG-Mitglieder

Neues Kapitel in der Forschungszusammenarbeit

Deutschland und Brasilien wollen bei Zukunftsthemen verstärkt kooperieren.

Matthias Delbrück6/2026Seite 13DPG-Mitglieder

USA: PCAST besetzt, NSB gefeuert; Gemeinsame Sorgen; Fusion im DOE

Leserbriefe

Prof. Dr. Gerhard G. Paulus; mit Erwiderung der Autoren6/2026Seite 15DPG-Mitglieder

Nur marginale Fortschritte

Zu: J. Kettler und M. Roth, Physik Journal, April 2026, S. 3

High-Tech

Michael Vogel6/2026Seite 16DPG-Mitglieder

Wechsel zwischen 2D und 3D; Gegen den Lärm; Automatisiert erkannt; Präzise Schichtenmessung

Brennpunkt

Kerstin Sonnabend6/2026Seite 18DPG-Mitglieder

Auf den Punkt gebracht

Bildung und Beruf

„Das Reizvolle ist, immer weiter zu lernen.“Maike Pfalz6/2026Seite 21DPG-Mitglieder

„Das Reizvolle ist, immer weiter zu lernen.“

Christian Sichau leitet den Bereich Ausstellungen in der experimenta in Heilbronn.

Der promovierte Physiker Christian Sichau arbeitete sechs Jahre lang im Deutschen Museum München, bevor er 2009 die Bereichsleitung Ausstellungen bei der „experimenta“ in Heilbronn übernahm. Die experimenta ist das größte Science Center Deutschlands und möchte nach dem Motto „Erleben schafft Wissen“ Naturwissenschaft und Technik für Menschen aller Altersgruppen begreifbar machen.

Wo haben Sie Physik studiert?

Mein Wunsch war, in Richtung Umweltphysik zu gehen, daher hatte ich mich für Oldenburg als Studienort entschieden, weil die Universität dort schon damals im Bereich erneuerbare Energien sehr stark war.

Wie kam es zur Orientierung in Richtung ­Wissenschaftsgeschichte?

Ab Mitte des Studiums kam ich mehr mit der Didaktik und der Arbeitsgruppe für Geschichte der Physik in Kontakt. Dadurch hat sich mein Interesse nach und nach in diese Richtung entwickelt. Der Wechsel an das Technische Museum in Wien lag dann nahe. 

Worum ging es dort? 

Am Technischen Museum Wien wurden nach einer Generalsanierung alle Ausstellungen vollständig erneuert. Meine Aufgabe war die Entwicklung der Physik-Ausstellung „Natur & Erkenntnis“. Nach deren Abschluss habe ich in Oldenburg promoviert.

Wohin ging es im Anschluss?

An das Deutsche Museum in München. Mich reizt es, Geschichten in Ausstellungen zu erzählen und bei der Arbeit in unterschiedliche Themen und Aspekte hineinzuschnuppern. Oder dass man in der Sammlung auf Dinge stößt, von denen man noch nichts wusste, und dann zu überlegen, welche Geschichten dazu die Öffentlichkeit interessieren könnten. (...)

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Überblick

Durch die Linse betrachtetRobert Reischke, Benjamin Stölzner und Hendrik Hildebrandt6/2026Seite 25DPG-Mitglieder

Durch die Linse betrachtet

Mit dem Gravitationslinseneffekt lässt sich das kosmologische Standardmodell gezielt testen.

Eines der wichtigsten Werkzeuge, um Fragen zur Natur der Gravitation, der Dunklen Materie sowie über die Vergangenheit und Zukunft des Universums zu beantworten, ist der Gravitationslinseneffekt. Dabei lenken Massekonzentrationen die Lichtstrahlen entfernter Quellen ab. Die Analyse dieser Ablenkung für Millionen von Galaxien erlaubt Rückschlüsse, wie sich die Materie im Universum verteilt, und beantwortet so fundamentale Fragen der Physik.

Das kosmologische Standardmodell ist eine der gro­ßen­ Erfolgsgeschichten der modernen ­Physik. Wenn man annimmt, dass die Allgemeine Relativitäts­theo­rie gilt sowie statistische Isotropie und Homogenität vorliegen, beschreibt es unser Universum über viele Größenska­len hinweg konsistent. Diese reichen von der Entstehung der leichten Elemente nur Minuten nach dem Urknall über den kosmischen Mikrowellenhintergrund bis hin zur Ex­pansionshistorie, die sich zum Beispiel mit Supernovae und der statistischen Verteilung großskaliger Strukturen messen lässt. Immer neue Datensätze haben die Kosmologie in den letzten drei Jahrzehnten zu einer präzisen Wissenschaft weiterentwickelt, die viele alternative kosmologische Modelle ausschließen konnte. Die beobachtende Kosmologie überprüft die Komponenten des Standardmodells mittels neuer Daten und Methoden gründlich. Solche kosmologischen Tests nutzen häufig den Gravitationslinseneffekt, eine Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie [2]. 

Arthur Eddington konnte den Gravitationslinseneffekt 1919 erstmals während einer Sonnenfinsternis nachweisen und so die Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie bestätigen, dass die beobachtete Ablenkung etwa dem doppelten Wert der Newtonschen Abschätzung entsprechen sollte. Diesen Unterschied begründet die Allgemeine Relativitätstheorie mit einer räumlichen Krümmung zusätzlich zur zeitlichen. Sechzig Jahre später ließen sich Mehrfachbilder eines Quasars beobachten. (...)

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Geschichte

Geschichte hat viele GesichterAndrea Reichenberger6/2026Seite 32DPG-Mitglieder

Geschichte hat viele Gesichter

Quantenphysikerinnen – historische Herausforderungen und integrative Perspektiven

Physikerinnen haben die Entwicklung der Quantenphysik seit ihren Anfängen maßgeblich geprägt – theoretisch, experimentell und in ihrer philosophischen Reflexion. Dennoch blieb ihr Anteil lange wenig belichtet. Die Porträtserie von Wissenschaftlerinnen, basierend auf Beiträgen aus dem Band „Women in the History of Quantum Physics“ [1], zeigt, dass eine inklusivere Geschichtsschreibung nicht allein eine Frage der Repräsentation ist, sondern wesentlich zu einem differenzierteren Verständnis der historischen Entwicklung dieses Forschungsfeldes beiträgt.

Die Beiträge von Frauen zur Quantenphysik waren vielfältig: So erkannte Hendrika Johanna van Leeuwen 1919 unabhängig von Niels Bohr, dass Mag­netismus klassisch nicht erklärbar ist, sondern ein Quantenphänomen sein muss. Lucy Mensing wandte bereits 1926 die neue Matrizenmechanik auf konkrete Probleme an. Sie berechnete Rotationsenergieniveaus zweiatomiger Moleküle und untersuchte den Quantenspin – also genau jene Fragestellungen, die für das Verständnis molekularer Strukturen zentral wurden. Laura Chalk bestätigte Ende der 1920er-Jahre erstmals experimentell die Anwendbarkeit der Schrödinger-Wellenmechanik auf atomphysikalische Prozesse. Elizabeth Monroe Boggs baute in den 1930er-Jahren in Cambridge einen mechanischen Differentialanalysator aus Meccano-Teilen, um komplexe quantenmechanische Wellenfunktionen für zweiatomige Ionen zu berechnen. Freda Friedman Salzman entwickelte 1957 gemeinsam mit George Salzman eine numerische Methode zur Lösung der Integralgleichungen des Chew-Low-Modells – ein Beitrag zur mathematischen Fundierung der entstehenden Quanten­feldtheorie. 

Mittler­weile ist gut untersucht, dass für Wissenschaftlerinnen eine akademische Karriere ungleich schwerer war als für Männer. Dabei war der Zugang für Frauen zu höheren Bildungs­wegen und wissenschaftlichen Positionen nicht nur poli­tisch und rechtlich stark eingeschränkt [2]. Sie sahen sich zudem geschlechtsspezifischen Rollenvor­stellungen, Klischees und mangelnder personeller Unterstützung gegenüber. (...)

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Lehre

Assistent statt AntwortmaschineJochen Kuhn, Stefan Küchemann, Dave Rakestraw und Patrik Vogt6/2026Seite 36DPG-Mitglieder

Assistent statt Antwortmaschine

Das gestufte Lernmodell AIRIS ermöglicht forschendes Lernen und Selbstregulation mit Künstlicher Intelligenz in der physikalischen Lehre.

Was passiert, wenn Künstliche Intelligenz (KI) – hier speziell Large Language Models – nicht nur Antworten auf Fragen liefert, sondern Lernen wirkungsvoll begleitet? Wir möchten hier ein didaktisches Konzept vorstellen, das generative KI gezielt in physikalische Lernprozesse einbettet. Ziel ist ein Unterricht, der Eigenaktivität stärkt und KI als Werkzeug reflektiert nutzt.

Die zunehmende Verfügbarkeit generativer KI wie ChatGPT stellt Lehrende und Lernende vor neue Chancen und Herausforderungen zugleich. Während das Potenzial zur Unterstützung von Lernprozessen in der Hochschullehre [1] und im Physik­unterricht [2] offensichtlich ist, bleibt unklar, wie Lernende verantwortungsvoll, effektiv und lernförderlich mit solchen Technologien umgehen können. Aktuelle Meta-Analysen deuten zwar vielfach auf positive Effekte von KI auf Lernleistungen [3, 4], die daraus resultierende Evidenz ist aber aufgrund extremer Heterogenität der Ergebnisse, breiter Konfidenz­intervalle und Publikations­bias1) als niedrig einzustufen. Ein zu früher oder zu umfangreicher KI-Einsatz kann demnach kritisches Denken und Gedächtnisbildung beeinträchtigen. Positive Ergebnisse scheinen erheblich überschätzt zu werden [4]. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines strukturierten Vorgehens.

Der AIRIS-Ansatz (AI-Augmented Inquiry with Responsible, Informed Self-Regulation [5, 6]) zielt darauf ab, Künstliche Intelligenz systematisch auf Grundlage von Theorien und Erkenntnissen aus Fachdidaktik und Lehr-Lern-Forschung zu integrieren. Forschendes Lernen (Inquiry Learning) bildet dabei eine zentrale Säule: Lernende entwickeln eigene Fragen, führen Experimente durch, lösen Probleme, analysieren Daten und kommunizieren ihre Erklärungen. Dieses Vorgehen erfordert konzeptuelles, prozedurales und epistemisches Wissen [7]. (...)

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Physik im Alltag

Dem Körperfett auf der SpurMichael Vogel6/2026Seite 42DPG-Mitglieder

Dem Körperfett auf der Spur

Der Fettanteil eines menschlichen Körpers folgt meist aus seiner Impedanz. Es gibt aber auch andere Methoden.

Menschen

6/2026Seite 45DPG-Mitglieder

Personalien

Rezensionen

Prof. Dr. Götz Neuneck6/2026Seite 50DPG-Mitglieder

Olaf L. Müller: Atomkrieg. Eine Warnung; Peter Rudolf: Welt im Alarmzustand; Annie Jacobsen: Nuclear War

Prof. Dr. Horst Schecker6/2026Seite 51DPG-Mitglieder

Burkhard Priemer, Karel Kok (Hrsg.): Messunsicher­heiten im Physikunterricht

DPG

6/2026Seite 20DPG-Mitglieder

49. DPG-­Tagung: Forschung – ­Entwicklung – Innovation

6/2026Seite 24DPG-Mitglieder

DPG Mentoring-Programm

6/2026Seite 41DPG-Mitglieder

50 Jahre Physikzentrum Bad Honnef

6/2026Seite 49DPG-Mitglieder

Dissertationspreise 2027

Samuel Ritzkowski6/2026Seite 52DPG-Mitglieder

Abwechslungsreicher Austausch

Im Februar trafen sich Studierende aus Polen und Deutschland zum ersten Austausch zwischen der jungen DPG (jDPG) und dem polnischen Verband der Physikstudierenden (PSSF).

Nils Sommer und Anja Metzelthin6/2026Seite 53DPG-Mitglieder

Im Tandem in den Job starten

Aktuell läuft die Bewerbungsphase für das DPG Mentoring-Programm.

6/2026Seite 57DPG-Mitglieder

Physiker:innen im Beruf

6/2026Seite 59DPG-Mitglieder

Physikerin der Woche

6/2026Seite 60DPG-Mitglieder

Virtuelle Jobbörse

Tagungen

Christian Klinke und Marcus Scheele6/2026Seite 54DPG-Mitglieder

Charge Transport on Ultra-short Length and Time Scales

848. WE-Heraeus-Seminar

Jacek Kozuch und Joachim Heberle6/2026Seite 54DPG-Mitglieder

Advanced Vibrational Spectroscopies – from Developments in Physical Chemistry to Biomedical Applications

849. WE-Heraeus-Seminar

Arif Emre Özden, Arunima Das, Arwin Marbini, Kenneth Murai von Buenau, Mirco Seifried und Saurabh Shukla6/2026Seite 54DPG-Mitglieder

Atmospheric Physics: ­Experiments, Modelling and Current Topics

Bad Honnef Physics School

Roderich Moessner und Haris Skoko6/2026Seite 55DPG-Mitglieder

Nonlinear Dynamics and ­Anomalous Transport in Low Dimension

Südafrikanisch-deutsches WE-Heraeus-­Seminar

Martin Böckmann-Barthel6/2026Seite 55DPG-Mitglieder

DPG-Schule der AG Physi­kalische Praktika

Tagungskalender

6/2026Seite 56DPG-Mitglieder

Tagungskalender

Notizen

6/2026Seite 58DPG-Mitglieder

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