Physik Journal 7 / 2026

Cover

IceCube Upgrade
Hochschulfachdidaktik
Alice Goldstein (Golsen)

Für das IceCube Upgrade wurden fünf weitere Stränge mit etwa 500 Modulen im antarktischen Eis versenkt. (Bild: Yuya Makino (NSF / ­IceCube); vgl. S. 31)  


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Meinung

KI braucht einen Neuanfang!Christoph von der Malsburg • 7/2026 • Seite 3

KI braucht einen Neuanfang!

Die Physik kann dabei die wesentliche Rolle spielen.

Aktuell

Götz Neuneck • 7/2026 • Seite 6 • DPG-Mitglieder

Deutliche Risse im Fundament der nuklearen Abrüstung

Kerstin Sonnabend • 7/2026 • Seite 7 • DPG-Mitglieder

Konkrete Meilensteine für einen variablen Pfad

Kerstin Sonnabend • 7/2026 • Seite 8 • DPG-Mitglieder

Ein Plan für Milliarden-Investitionen

Jakob Schöll • 7/2026 • Seite 10 • DPG-Mitglieder

BAföG: „Ein absolut falsches Signal“

Maike Pfalz • 7/2026 • Seite 10 • DPG-Mitglieder

Teilchenphysik: Beschlossenes Update

HZB / Anja Hauck • 7/2026 • Seite 11 • DPG-Mitglieder

Übermalte Verstrickung

Jakob Schöll • 7/2026 • Seite 12 • DPG-Mitglieder

Die letzte Fahrt der Meteor

TU Dresden / Alexander Pawlak • 7/2026 • Seite 13 • DPG-Mitglieder

Ganzheitlich für die Quantenwelt

7/2026 • Seite 13 • DPG-Mitglieder

DFG: Neue SFBs und GRKs

Matthias Delbrück • 7/2026 • Seite 14 • DPG-Mitglieder

USA: Meilenstein auf der Düne; Labor X; Open Access zu teuer?

Matthias Delbrück • 7/2026 • Seite 15 • DPG-Mitglieder

Großbritannien: Kahlschlag in Nottingham

Jakob Schöll • 7/2026 • Seite 16 • DPG-Mitglieder

ESA: Abwehr gegen den Sonnenwind

Leserbriefe

Thomas Walther • 7/2026 • Seite 17 • DPG-Mitglieder

Erweiterung statt Neuerung

Zu: M. Braasch und S. Saravi, Physik ­Journal, Mai 2026, S. 32; mit Erwiderung von von Marie Braasch und Sina Saravi

High-Tech

Michael Vogel • 7/2026 • Seite 18 • DPG-Mitglieder

Berührungslos rotiert; So­fortige Diagnose; Ein­weg-Magnetoelektronik; Winziger taktiler Fühler

Brennpunkt

Aus der Küche ins LaborDetlef Lohse • 7/2026 • Seite 20 • DPG-Mitglieder

Aus der Küche ins Labor

Was der Aufprall eines Maisstärke-Tropfens über scherverdickende Flüssigkeiten verrät.

Jakob Schöll • 7/2026 • Seite 22 • DPG-Mitglieder

Auf den Punkt gebracht

Lehre

Zwischen Einsicht und AbbruchLarissa Hahn und Pascal Klein • 7/2026 • Seite 24 • DPG-Mitglieder

Zwischen Einsicht und Abbruch

Die universitäre Physiklehre muss selbst zum Gegenstand empirischer Forschung werden.

Warum bleibt selbst die brillanteste Vorlesung für manche Studierende mitunter rätselhaft? Dieser Beitrag zeigt, dass physikalische Klarheit nicht automatisch zu Verständnis führt – und plädiert dafür, universitäre Physiklehre viel stärker selbst zum Gegenstand von physikdidaktischer Forschung zu machen.

Wenn Studierende in vollen Hörsälen aufmerksam zuhören und Demonstrationsexperimente Neugierde erzeugen, ist die Rede von „gelungenen Vorlesungen“. Solche Momente prägen das Bild univer­sitärer Lehre – und nicht selten auch die Erinnerung an das eigene Physikstudium. In der Geschichte der Physik gibt es Persönlichkeiten, die für ihre außergewöhnliche Lehrkunst berühmt waren – etwa Robert Wichard Pohl: Seine Demonstrationen waren sorgfältig komponierte Erkenntniswege [1], die keineswegs das Ergebnis spontaner Eingebung waren. Pohl ent­wickelte seine Lehrmaterialien über Jahre hinweg weiter und ließ Apparaturen gezielt anpassen, wenn es der Klarheit diente. Gleichwohl blieb weitgehend unbeantwortet, wie diese Klarheit auf Seiten der Lernenden entsteht. Welche kognitiven Prozesse stößt eine Demonstration an, welche fachlichen Entscheidungen sind für das Verstehen zentral – und warum erreicht dieselbe Darstellung verschiedene Studierende unterschiedlich? Pohls Lehre gilt als hochgradig reflektiert – aber die Reflexion bezog sich vor allem auf die fachliche Darstellung, weniger auf die Analyse studentischer Lernprozesse.

Schon damals stellte das Studium hohe fachliche Anforderungen und verlangte mathematische Präzision und intellektuelle Ausdauer. Neu ist jedoch, dass wir heute über systematische Daten zu Studienverläufen und studentisches Belastungserleben verfügen – und dass hohe Abbruchquoten in der Studieneingangsphase nicht mehr als individuelles Scheitern einzelner verstanden, sondern als strukturelles Phänomen sichtbar wird. Viele Studierende berichten von erheblichen fachlichen und persönlichen Belastungen [2]. Schwierigkeiten im Umgang mit mathematischen Werkzeugen, Unsicherheiten bei der Interpretation abstrakter Repräsentationen oder das Gefühl, den „Denkstil“ des Faches nicht zu durchdringen, sind keine Randphänomene. Sie verweisen darauf, dass die Klarheit physikalischer Darstellung nicht automatisch in Klarheit auf Seiten der Lernenden übergeht. (...)

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Überblick

In eisiger TiefeSummer Blot, Sebastian Böser, Lea Schlickmann, Anna Vocke und Jan Weldert • 7/2026 • Seite 31 • DPG-Mitglieder

In eisiger Tiefe

In der Antarktis erhält das IceCube-Experiment nach mehr als fünfzehn Jahren erfolgreicher Messungen mit einem Upgrade neuen Aufschwung.



Als einer der kältesten, trockensten und abgelegensten Orte der Welt ist der geografische Südpol ein Ort der Extreme. Passend dazu hat ein internationales Forschungsteam beschlossen, dort eine extreme Vision zu realisieren: das IceCube-Experiment. Der weltweit größte Neutrinodetektor hat unter anderem die genauesten Messungen der Oszillationen atmosphärischer Neutrinos vorgenommen und strenge Obergrenzen für viele Theorien jenseits des Standardmodells gesetzt. Aufbauend auf diesem Erfolg soll die gerade fertiggestellte Erweiterung „IceCube Upgrade“ die ­Eigenschaften der Neutrinos noch genauer vermessen.

In natürlichen Prozessen wie dem radioaktiven Betazerfall oder Supernovae entstehen zahlreiche Neutrinos. Sie gehören zu den häufigsten Teilchen im Universum, bleiben aber trotz ihrer Allgegenwärtigkeit die am wenigsten verstandenen Bausteine des Standardmodells. Zu ihren faszinierenden Eigenschaften gehört es, dass sie die einzigen elektrisch neutralen Fermionen sind und nur über die schwache Kraft wechselwirken. Daher interagieren sie fast nicht mit Materie und sind extrem schwer zu detektieren. Neutrinos galten lange Zeit als masselos. Doch mittlerweile wissen wir, dass sie eine − wenn auch verschwindend geringe − Ruhemasse besitzen. Deren Messung ist bis heute eine Herausforderung. Dass sie von Null verschieden sein muss, zeigt das Phänomen der Neutrinooszillationen.

Neutrinos entstehen ausschließlich über Prozesse der schwachen Wechselwirkung und lassen sich auch nur durch diese nachweisen. Findet dabei der Austausch eines Z0-Bosons statt, was einer Streuung gleicht, bleibt das Neutrino unverändert. Wechselwirkt es jedoch mittels eines ­W±-Bosons, so wandelt es sich in ein geladenes Lepton um. Je nach Flavour dieses Leptons (e, μ, τ) befindet sich das Neutrino bei der Wechselwirkung in dem entsprechenden quantenmechanischen Eigenzustand (νe, νμ, ντ), dem sogenannten Flavourzustand. Bei der Bewegung durch den Raum liegen sie allerdings in Eigenzuständen vor, die den Neutrinomassen zugeordnet und als ν1, ν2 und ν3 bezeichnet werden. In der Quantenmechanik kann ein Teilchen als Überlagerung mehrerer Zustände existieren, sodass im Falle der Neutrinos jeder Flavourzustand aus allen drei Massezuständen besteht und umgekehrt. Wenn ein Neutrino also in einem bestimmten Flavourzustand entsteht, enthält es Anteile aller drei Massenzustände. Bewegt es sich durch Raum und Zeit, ändert sich seine Zusammensetzung in den unterschiedlich schweren Massenzuständen, da diese mit verschiedenen Geschwindigkeiten propagieren. Folglich ergibt sich nach einer gewissen Zeit ein anderer Flavourzustand; diesen Effekt bezeichnet man als Neutrinooszillation. (...)


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Streifzug

Lunare LandpartienAlexander Pawlak • 7/2026 • Seite 38 • DPG-Mitglieder

Lunare Landpartien

Auch wenn das touristische Angebot noch zu wünschen übrig lässt,
gibt es bereits vielfältige Reiseführer für den Mond.

Geschichte

Unsichtbare Kräfte und HändeJohannes-Geert Hagmann • 7/2026 • Seite 40 • DPG-Mitglieder

Unsichtbare Kräfte und Hände

Über die Messungen des Strahlungsdrucks durch Alice Golsen (1889 – 1940)

Vor rund hundert Jahren gelang es Alice Golsen (geb. Goldstein)1) erstmals, den Strahlungsdruck von Licht präzise zu vermessen. Ihre Beiträge zum Verständnis der Wechselwirkung von Licht und Materie blieben jedoch lange vergessen, auch aufgrund ihres tragischen Lebensweges.

„Mit dem Nachweis der RQu [Richtungsquantelung] war ein Versuch gelungen, dessen Durchführung viele Experimentatoren wegen unzureichender Hilfsmittel für undurchführbar hielten. […] Für mich war damals wichtiger die Frage ob der mit Alice Golsen begonnene Versuch zum Nachweis des Strahlungsdrucks, den ich schon 1913 in Tübingen angefangen, ein quanti­tatives Ergebnis erbringt.“ Mit diesen Worten beschrieb Walther Gerlach in seinen Erinnerungen [1] die aus seiner Sicht bedeutende wissenschaftliche Zusammenarbeit mit seiner Doktorandin Alice Golsen, die zeitgleich mit seinem größten­ wissenschaftlichen Erfolg stattfand, dem Stern-Gerlach-Experiment.

Als ich um 2021 bei Recherchen zur Biografie Walther Gerlachs erstmals auf die Arbeiten von Alice Golsen stieß, waren mir ihr Name, ihre Forschung und ihr Schicksal völlig unbekannt. Quellen zu ihrer Arbeit, die über gedruckte Publikationen hinaus gehen und leicht zugänglich gewesen wären, gab es zu diesem Zeitpunkt nur wenige, und es schien, als sei die Erinnerung an die Wissenschaft­lerin weitgehend verblasst. Im Zuge der Vorbereitungen für die Ausstellung „Licht und Materie“ im Deutschen Museum­ [2], die auch das Thema Strahlungsdruck aufgreift, ließ sich ihre Lebensgeschichte rekonstruieren und künstlerisch umgesetzt neu erzählen. Dabei half neben verschiedenen Archivquellen vor allem die Unterstützung von Museumskolleg:innen aus Alice Goldsteins Heimatstadt Wiesbaden sowie von Nach­fahren in Israel. (...)


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Physik im Alltag

Gegen das VerwackelnHenri Wagner • 7/2026 • Seite 46 • DPG-Mitglieder

Gegen das Verwackeln

Moderne Bildstabilisatoren ermöglichen selbst bei Makrofotografie gestochen scharfe Bilder.

Menschen

Jakob Schöll • 7/2026 • Seite 48 • DPG-Mitglieder

„Das Interesse an der Kern­fusion ist zurzeit sehr hoch.“

Interview mit Alexander von Müller

7/2026 • Seite 49 • DPG-Mitglieder

Personalien

Michael Kobel, Hartwig Spitzer und Udo Strohbusch • 7/2026 • Seite 57 • DPG-Mitglieder

Nachruf auf Johann Bienlein

Rezensionen

Birgit Niederhaus • 7/2026 • Seite 58 • DPG-Mitglieder

Florian Aigner: Die Wirklichkeit ist auch nicht wahr

Henri Wagner • 7/2026 • Seite 58 • DPG-Mitglieder

Bastian Werner: ATMOS – Faszination Wetter

Kerstin Sonnabend • 7/2026 • Seite 59 • DPG-Mitglieder

Didier Convard, Pierre Boisserie, Philippe Bercovici: Heureka! Von Atom bis Zufall

Leon und Anja Hauck • 7/2026 • Seite 59 • DPG-Mitglieder

Laurent Schafer: Cosmix und Quantix

Alexander Pawlak • 7/2026 • Seite 60 • DPG-Mitglieder

Jens Harder: Gamma ... visions

Alexander Pawlak • 7/2026 • Seite 61 • DPG-Mitglieder

Thomas Uhlig, Christiane Heinicke: Auf dem Weg zum Mond

DPG

7/2026 • Seite 9 • DPG-Mitglieder

WE-Heraeus-Stiftung: Ausschreibung Förder­programme

7/2026 • Seite 30 • DPG-Mitglieder

Physikerin der Woche

7/2026 • Seite 37 • DPG-Mitglieder

Ausschreibung der Young ­Scientist Awards 2027

Pauline Drexler, Niclas Götting, Christoph Huettl, Max Mangold und Florian Ungerechts • 7/2026 • Seite 62 • DPG-Mitglieder

Von Quantentechnologien und interdisziplinären ­Computing-Ansätzen

Ein Bericht aus dem ersten DPG-Kolleg „Next Generation Computing“

Samuel Ritzkowski • 7/2026 • Seite 64 • DPG-Mitglieder

jDPG meets ZaPF

Melanie Rutowski • 7/2026 • Seite 65 • DPG-Mitglieder

Im Fokus für mehr Sichtbarkeit

Kerstin Sonnabend • 7/2026 • Seite 65 • DPG-Mitglieder

Ars legendi-Fakultätenpreis: Begeistern für das Nebenfach

Tagungen

Dmitry Budker, Konstantin Gaul, Yuval ­Shagam, • 7/2026 • Seite 66 • DPG-Mitglieder

Parity Violation in Molecules

850. WE-Heraeus-Seminar

Roope Uola, Martin Renner, Ramona Wolf • 7/2026 • Seite 66 • DPG-Mitglieder

90 Years of Einstein‐Podolsky‐Rosen Paradox: Foundations and Applications

851. WE-Heraeus-Seminar

Katrin Schultheiss, Helmut Schultheiss, Joo-Von Kim • 7/2026 • Seite 66 • DPG-Mitglieder

New Opportunities in Physics-based Computing: Magnonics, Spintronics, Photonics and Beyond

853. WE-Heraeus-Seminar

Dmitry Budker, Frank Hohls, Gunta Kunakova, Vyacheslavs Kashcheyevs • 7/2026 • Seite 67 • DPG-Mitglieder

Quantum Sensors, Devices and Materials

Baltisch-deutsches WE-Heraeus-­Seminar

Arnaldo Gammal, Axel Pelster, Ednilson Santos • 7/2026 • Seite 67 • DPG-Mitglieder

Challenges and Prospects of Low-Dimensional Quantum Gases

Brasilianisch-deutsches WE-Heraeus-Seminar

7/2026 • Seite 68 • DPG-Mitglieder

Tagungskalender

Notizen

7/2026 • Seite 69 • DPG-Mitglieder

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