Physik Journal 9 / 2026
Meinung
Aktuell
Ein Fest für die Physik
Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Physikzentrums Bad Honnef lud die DPG am 4. Juli zu einem großen Physikfest für die begeisterte Öffentlichkeit ein.
Ein Gebäude mit Geschichte
Die Geschichte des Physikzentrums Bad Honnef reicht bis in das Jahr 1906 zurück.
Mit drei Hubs in die Zukunft
Das Bundesforschungsministerium hat die Standorte und Verantwortlichen für die Hubs zu Laser- und Magnetfusion sowie zu Querschnittsthemen der Fusion bekanntgegeben.
Forschungsdaten langfristig gesichert
Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz hat wegweisende Entscheidungen für die Forschung getroffen.
Licht und Schatten im Windkanal
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt legt erste umfangreiche Ergebnisse der geschichtlichen Aufarbeitung seiner Vorgängerorganisationen für die Jahre 1907 bis 1945 vor.
Verfälschende Biografie
Eine umfangreiche Studie entkräftet die schwerwiegenden Vorwürfe gegen Erwin Schrödinger.
Von Konkurrenten zu Partnern
Die Lausitz und Sardinien unterzeichnen eine Vereinbarung für die gemeinsame Bewerbung als Standorte für das Einstein-Teleskop.
Bedrohte Freiheit
Ein Positionspapier einer Arbeitsgruppe des DFG-Senats widmet sich den Gefährdungen der Wissenschaftsfreiheit.
Den Neutrinos auf der Spur
Der Wissenschaftsrat empfiehlt eine baldige Umsetzung des Neutrino-Experiments LEGEND-1000.
Fünfte Freiheit gefordert
Der freie Austausch von Wissen, Talenten und Daten soll künftig eine European Research Area ermöglichen.
Erster Drehtag für den Kosmos
Der auf zehn Jahre angelegte „Legacy Survey of Space and Time“ am Vera C. Rubin Observatorium hat offiziell begonnen.
Mach’s gut und danke für das Higgs!
Das CERN verabschiedet sich vom Large Hadron Collider und tritt in die „Long Shutdown 3“-Phase ein.
Das Ende der Nacht?
Eine Studie der ESO warnt vor den Folgen zu vieler Satelliten im Erdorbit für die Astronomie.
Galaktische Archäologie
Die ESA beschließt eine Mission, um leuchtschwache Galaxienhalos zu untersuchen.
Leserbriefe
Wirtschaftliche Bedeutung
Zu: Physik Journal, April 2026, S. 3 und Juni 2026, S. 15
Alles berücksichtigt?
Zu: Robert Reischke, Benjamin Stölzner und Hendrik Hildebrandt, Physik Journal, Juni 2026, S. 25
Mit Erwiderung der Autoren
Nützliche KI-Anwendung?
Zu: Physik Journal, Juni 2026, S. 3 und S. 36
Mit Erwiderung von Jochen Kuhn, Stefan Küchemann, Dave Rakestraw und Patrik Vogt
Zusammenarbeit statt Herabsetzung
Zu: C. von der Malsburg, Physik Journal, Juli 2026, S. 3
Mit Erwiderung des Autors
Nicht die einzige Technik
Zu: H. Wagner, Physik Journal, Juli 2026, S. 46
High-Tech
Brennpunkt
• 9/2026 • Seite 26 • DPG-MitgliederOrdnung im Neutrinosektor
Die ersten Ergebnisse des JUNO-Detektors in China zeigen das Potenzial des Experiments, die Ordnung der Neutrinomassen zu bestimmen.
Bildung und Beruf
• 9/2026 • Seite 33 • DPG-MitgliederInternationals are welcome
Statistiken zum Physikstudium in Deutschland 2026
„Science, by its very nature, transcends national boundaries.“ Mit dieser Feststellung beginnt eine gemeinsame Stellungnahme mehrerer europäischer physikalischer Fachgesellschaften aus dem Jahr 2023 [1]. Die diesjährige Studierendenstatistik der Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP) zeigt, dass dies zunehmend auch für das Physikstudium gilt. Im Übrigen setzen sich die Trends der Vorjahre fort: erfreulich stabile bzw. wachsende Absolventenzahlen, Stagnation und Rückgang bei den Neueinschreibungen sowie die zunehmend prekäre Situation beim Lehramtsstudium.
Genau 400 Studiengänge von 59 Physik-Fachbereichen erfasst die diesjährige Statistik der Konferenz der Fachbereiche Physik. Darunter sind 265 Fach- und 135 Lehramtsstudiengänge. Die Datenlage bei den Fachstudiengängen ist wie jedes Jahr so gut wie komplett; lediglich bei 15 fehlen meist wenige Zahlen. Dagegen weisen die Daten zu 32 Lehramtsstudiengängen wie schon in den Vorjahren teils größere Lücken auf: Mehrere Fachbereiche haben systematisch keinen oder zumindest keinen zeitnahen Zugriff auf die Zahl der Abschlüsse. Wie sich so die Qualität der Lehramtsstudiengänge bewerten, sichern oder gar verbessern lässt, bleibt aus unserer Sicht fraglich. (...)
Lehre
• 9/2026 • Seite 40 • DPG-MitgliederZwischen Evidenz und Irrtum
Ein Seminar an der HU Berlin zielt darauf ab, die Fähigkeit zum kritischen Denken zu vermitteln.
Die hohe Relevanz von kritischem Denken für unsere Gesellschaft ist längst erkannt und vielfach wiederholt worden. Doch was können wir als Physikerinnen und Physiker dazu beitragen? Dieser Beitrag möchte dazu anregen, auf Basis der eigenen Expertise im wissenschaftlichen Arbeiten die Botschaft des kritischen Denkens in die Gesellschaft zu tragen. Zugleich schulen wir uns dabei selbst in dieser wichtigen Fähigkeit!
Die vielfältigen Herausforderungen einer zunehmend komplexen und vernetzten Welt stellen hohe Anforderungen an die Gesellschaft. Erforderlich ist die Fähigkeit, eigene und fremde Positionen sachlich zu hinterfragen, Informationen fundiert zu bewerten, rationale Entscheidungen zu treffen, Alternativen abzuwägen und konsensfähige Positionen auf der Grundlage gesicherten Wissens zu entwickeln.
Gleichzeitig zeigt sich in Teilen der Gesellschaft ein selektiver Vertrauensverlust gegenüber bestimmten wissenschaftlichen Erkenntnissen, ohne dass Wissenschaft insgesamt abgelehnt wird. Betroffen sind vor allem Ergebnisse, deren Konsequenzen als persönliche Einschränkung wahrgenommen werden. Alternative Aussagen werden daher oft unkritisch übernommen, da sie psychologisch entlastend wirken. Die Ursachen der Ablehnung liegen neben Wissensdefiziten auch in psychologischen Faktoren [1, 2]. (...)
DPG-Preise
• 9/2026 • Seite 44 • DPG-MitgliederPolymere – viel mehr als nur Plastik
Polymere haben zahlreiche Anwendungen, sind aber auch ein vielseitiges Modellsystem für die Theoretische Physik.
Die Öffentlichkeit nimmt Polymere meist als Plastik für Verpackungen und einfache Gebrauchsgegenstände wahr. Sie haben den Ruf eines Billigmaterials mit vielen Vor- aber auch gravierenden Nachteilen. Das ist jedoch nur ein sehr kleiner Teil der Wahrheit. Aufgrund ihrer vielen technischen und medizinischen Anwendungen ist unser modernes Leben ohne Polymere nicht vorstellbar. Zudem sind viele wichtige Biomoleküle Polymere. Zusätzlich – und das soll hier im Fokus stehen – sind Polymere interessante Modellsysteme für die Physik.
Fangen wir mit einfachen Verpackungen und Gebrauchsgegenständen – also Plastik – an. Diese Materialien sind leicht, widerstandsfähig, wasserfest, haltbar, in guter Näherung gasdicht und preiswert herstellbar. Diese Kombination ermöglicht in vielen Fällen überhaupt erst den Transport verderblicher Güter über große Distanzen. Konventionelles Glas wäre zu empfindlich und schwer, was die Energiekosten des Transports erheblich erhöhen würde. Komplizierte Gehäuse einfacher Geräte oder Formen von Gebrauchsgegenständen sind einfach und kostengünstig herzustellen. Diese Vorteile und die daraus resultierende Haltbarkeit haben allerdings einen hohen Preis: Plastik – oder besser Kunststoff – verrottet praktisch nicht, und Abrieb oder Reste als mikroskopisch kleine Partikel stehen im begründeten Verdacht, sehr gesundheitsschädlich zu sein. Daher sind eine Reduktion auf wesentliche Anwendungen sowie Forschung zum besseren Recycling dringend notwendig. Letzteres ist aber eher das Feld der Chemie und Verfahrenstechnik, weniger der Theoretischen Physik.
Auch in der Medizin spielen Polymere eine große Rolle – unter anderem für Schläuche, Implantate, Filter etc. Die Halbleiterindustrie nutzt Polymere in vielfältiger Weise, etwa als Trägermaterial. Ein alltäglicher, technisch anspruchsvoller Einsatz ist zum Beispiel der von Polykarbonat (PC) für optische Anwendungen, seien es die Gehäuse von Fahrzeugscheinwerfern oder Brillengläser. PC lässt sich optisch klar herstellen, bleibt bis rund 420 Kelvin im Glaszustand, bevor es sich verflüssigt, und ist ausgesprochen schlagzäh, d. h. nicht spröde. Zudem steigt die Bedeutung von Polymeren mit einer aktiven Funktion (funktionale Polymere) für Anwendungen in biopharmazeutischen Produkten und der (organischen) Elektronik. (...)
• 9/2026 • Seite 51 • DPG-MitgliederMaterie im Takt des Lichts
Laserimpulse erzeugen und kontrollieren neuartige Zustände in Quantenmaterialien.
Vielleicht lesen Sie diesen Artikel nicht in der gedruckten Ausgabe des Physik Journal, sondern online auf Ihrem Smartphone, Tablet oder Computer. Damit dies in Zukunft noch vielseitiger, schneller und ressourcenschonender funktioniert, arbeiten Forschende heute an den physikalischen Grundlagen von Festkörpermaterialien der nächsten Generation − den Quantenmaterialien. Doch wann ist ein Festkörper ein Quantenmaterial? Und wie ermöglichen Quantenmaterialien die Technologien von morgen?
Die elektrischen, optischen und topologischen Eigenschaften eines Festkörpers sind durch dessen atomare Zusammensetzung, die Verteilung der Elektronen und deren Spin charakterisiert. In Quantenmaterialien lassen sich diese Eigenschaften effizient und vielseitig kontrollieren. Dies geschieht etwa durch Manipulieren der Interaktion des atomaren Gitters mit dem Elektronensystem, z. B. durch Variation der Temperatur. Eine exemplarische Potentiallandschaft eines Festkörpers ist in Abb. 1 gezeigt, in der jedes Potentialminimum einer Phase entspricht. Je nach Höhe der Potentialbarriere sind nicht alle Potentialminima durch Ändern der Temperatur ΔT erreichbar. Hier helfen ultrakurze Laserimpulse [1]: Nach optischer Anregung des Elektronensystems in einen angeregten Zustand kann dessen starke Kopplung an das Gitter dazu führen, dass sich thermisch nicht erreichbare Potentialminima ausbilden. Wichtig ist, dass ein solches Minimum bereits zuvor in der Potentiallandschaft des Grundzustands existierte. Die Laserimpulse ändern nicht die Form und Krümmung der Potentiallandschaft.
Die Potentiallandschaft des Grundzustands lässt sich durch Ausbildung neuer Phasen, die Licht-Materie gekoppelt sind, kohärent manipulieren. Die Eigenschaften dieser Phasen hängen direkt von denen der elektromagnetischen Strahlung ab: der Frequenz, Polarisation und Amplitude. Ein bekanntes Szenario existiert in Graphen (Abb. 2a) [2]: Wird Graphen mit einem zirkular polarisierten elektromagnetischen Feld bestrahlt, entsteht ein neuer, Licht-Materie gekoppelter Zustand. Am Dirac-Punkt öffnet sich eine Bandlücke in der linearen Bandstruktur. Dieser Metall-zu-Isolator-Übergang ist topologisch nicht trivial, existiert nur in Präsenz des Feldes und ist nicht mit linearer Polarisation realisierbar. Wie funktionieren solche Prozesse? (...)
• 9/2026 • Seite 57 • DPG-MitgliederPhysikalische neuronale Netze
Analoge neuromorphe Systeme könnten Künstliche Intelligenz in Zukunft energieeffizienter machen und neue Impulse für die Erforschung fundamentaler Fragen geben.
Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz halten in alle Forschungsbereiche Einzug und sind auch aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Dies hat jedoch einen hohen Preis, denn die KI-Modelle benötigen viel Energie. In Zukunft könnte alternative, physikbasierte Hardware eine energieeffiziente Lösung bieten. Sie nutzt analoge physikalische Systeme, um die nötigen mathematischen Operationen auszuführen. Gleichzeitig eröffnen solche trainierbaren physikalischen Systeme die Möglichkeit, fundamentale Fragestellungen mit neuen Methoden zu beleuchten.
Aktuell verzehnfacht sich der Energieverbrauch im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz jedes Jahr. Dies führt dazu, dass sich eine wachsende Zahl an Forschenden mit alternativen Hardware-Ansätzen befasst, um Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz energieffizienter zu machen. Auf der fundamentalen Ebene befasst sich das Neuromorphe Computing mit analogen physikalischen Systemen, welche die mathematischen Strukturen digitaler neuronaler Netze nachahmen. Dazu zählen eine Vielzahl verschiedener Plattformen, etwa optische Systeme, analoge elektronische Schaltkreise oder auch spintronische Systeme.
Optische Systeme gelten vor allem deshalb als attraktiv, da sie unter bestimmten Voraussetzungen, wie kleinen Propagationsverlusten, einen geringeren Energieverbrauch versprechen. Das lässt sich an folgendem Beispiel illustrieren: Um einen Lichtstrahl zu erzeugen, benötigen wir Energie. Aber wenn sich dieser Lichtstrahl ausbreitet, er reflektiert, gebrochen und gebeugt wird, so passiert dies, ohne dass wir zusätzliche Energie aufwenden müssen. Gleichzeitig lässt sich die Streuung des Lichts nutzen, um Berechnungen durchzuführen, beispielsweise Matrix-Vektor-Multiplikationen. Solche Operationen sind in digitalen Computern sehr rechen- und energieintensiv, da die Anzahl der Rechenschritte quadratisch mit der Matrixgröße skaliert. Matrix-Vektor-Multiplikationen sind jedoch essenziell für digitale neuronale Netze und stellen somit einen relevanten Engpass für das Maschinelle Lernen dar. (...)
• 9/2026 • Seite 62 • DPG-MitgliederLichtlupe mit atomarer Präzision
Neue Verfahren ermöglichen die Untersuchung der optischen Eigenschaften von Materialien bis in den Sub-Nanometer-Bereich.
Wer neuartige Lichtsammelstrategien und leistungsfähige Leuchtbauelemente entwickeln will, muss deren optische Eigenschaften mit höchster räumlicher Präzision verstehen. Denn die zugrunde liegenden makroskopischen Phänomene gehen auf die Wechselwirkung zwischen einzelnen Photonen und Atomen beziehungsweise Molekülen zurück, die sich auf Sub-Nanometer-Distanzen abspielen. Solche Wechselwirkungen mit der nötigen Präzision zu untersuchen, ist äußerst anspruchsvoll, aber durchaus möglich. Man nutzt dafür das verstärkte elektromagnetische Feld an der atomar scharfen Spitze eines Rastertunnelmikroskops.
Die Wechselwirkung von Licht und Materie bildet die Grundlage für eine Vielzahl wesentlicher Prozesse und Technologien; von der Photosynthese über Stromerzeugung in Solarzellen und Lichterzeugung in organischen Leuchtdioden (OLEDs) bis hin zur optischen Sensorik. All diese Phänomene spielen eine zentrale Rolle für die effiziente Energieumwandlung und gewinnen zunehmend an Bedeutung für neue photonenbasierte Quantentechnologien.
Bei der Photosynthese und in Solarzellen erzeugt die Absorption von Photonen angeregte Zustände, die anschließend durch das molekulare System wandern. Leuchtdioden hingegen emittieren Photonen, wenn diese Zustände zerfallen. Häufig beschreibt man diese Vorgänge mit gemittelten Materialeigenschaften, doch diese Perspektive übersieht viele entscheidende mikroskopische Details.
Tatsächlich bestimmen die Eigenschaften der einzelnen optisch aktiven Moleküle (Chromophore) sowie deren Schwingungsmoden und die Wechselwirkung mit der unmittelbaren Umgebung die optische Antwort eines Materials. Diese Faktoren wirken auf der Skala eines einzelnen Chromophors (also < 1 nm) und beeinflussen unmittelbar die intermolekulare Kopplung, den Transport der Anregung und damit letztlich die Effizienz von Lichtabsorption und -emission (Abb. 1). (...)
• 9/2026 • Seite 66 • DPG-MitgliederFaszination trotz Abstraktion
Eine Vorlesungsreihe speziell für Lehramtsstudierende vermittelt die Grundlagen der modernen Physik.
Wie lässt sich die Faszination der modernen Physik vermitteln – ohne Studierende an mathematischen Hürden scheitern zu lassen? Der Beitrag zeigt, wie ein innovativer Kurs Lehramtsstudierende befähigt, zentrale Ideen von Relativität und Quantenphysik verständlich zu durchdringen – und weiterzugeben.
Erlauben Sie bitte eine persönliche Bemerkung zu Beginn: Der Robert-Wichard-Pohl-Preis bedeutet mir sehr viel, weil mir die Vermittlung der Physik ebenso sehr am Herzen liegt wie die physikalische Forschung. Für beides ausgezeichnet zu werden, ist für mich eine ganz besondere Freude, für die ich der Deutschen Physikalischen Gesellschaft herzlich danke!
Meine Forschung dreht sich um Strukturen in Systemen aus klassischen Teilchen außerhalb des Gleichgewichts, insbesondere um die Entwicklung kosmischer Strukturen. Darüber gäbe es viel Interessantes zu schreiben, aber ich möchte die Gelegenheit nutzen, um ein Thema aufzugreifen, das noch wichtiger ist als die Kosmologie, nämlich die Ausbildung für das Lehramt in Physik. Schließlich haben wir als Physiklehrende an Universitäten einen gesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen, und während unsere Gesellschaft vielleicht meint, ohne Kosmologen auskommen zu können, kann sie auf möglichst gut ausgebildete Physiklehrkräfte sicher nicht verzichten.
Künftige Lehrkräfte müssen zwei Fächer studieren. Bei denjenigen mit Fach Physik ist das zweite Fach in nur noch etwa der Hälfte der Fälle die Mathematik. In der anderen Hälfte wird die Physik mit beinahe beliebigen anderen Fächern kombiniert, von Geografie bis Politikwissenschaften. (...)
• 9/2026 • Seite 70 • DPG-MitgliederMore than Whirls
The Topology of Magnetic Textures
Topology is able to classify magnetic textures: it tells us whether two textures are fundamentally different or if one can be transformed into another. At the same time, three-dimensional magnetism shows that the topology of real materials is richer than the ideal textbook picture.
Humans have a natural instinct to categorise the world: we name objects, sort them by classes, and often assign labels or numbers to them. Topology is based on this instinct and asks which properties of an object remain unchanged when it is smoothly deformed: a coffee cup and a donut are topologically equivalent because both have a single hole. Therefore, objects can be classified by “counting their holes”. In physics, there is more beyond the geometry of everyday objects.
Topology becomes especially powerful when applied to fields. A field assigns a quantity to every point in space – in case of a vector field, a vector quantity symbolized by an arrow with a direction and a length typically describing the strength of the quantity. Examples include the electric and magnetic fields of light, the velocity vectors in flowing water, or the tiny atomic magnetic moments in a magnet. To answer the question whether the entire field forms a hidden architecture of twists, knots, and links in space, we need to solve a practical problem at first: the visualization of a three-dimensional volume in which every point carries its own three-component arrow.
A continuous collection of arrows in a three-dimensional volume cannot be drawn all at once without quickly becoming confusing (Fig. 1a). Therefore, it is necessary to simplify the picture: instead of showing the vector at every point, a discrete set of positions is chosen like one slice of the system at a time. The focus on a single plane reduces the problem from a three-dimensional volume to a two-dimensional cross-section (Fig. 1b). Then, local patterns attract attention but structures continuing from one plane to the next are lost. A different strategy recovers the three-dimensional structure. Instead of drawing many arrows, we select one particular direction of the field and mark all points in space where the vector aligns in that direction. (...)
• 9/2026 • Seite 74 • DPG-MitgliederPhysik auf der Bühne
Bei der Bonner Physikshow führen Studierende Experimente live für die allgemeine Öffentlichkeit vor.
Die Bonner Physikshow ist ein didaktisches und öffentlichkeitswirksames Projekt, bei dem Physikstudierende physikalische Versuchsvorführungen für ein breites Publikum entwickeln und aufführen. Die Experimente sind dabei in Handlungen eingebettet, sodass die Shows zu richtigen Theaterstücken werden. Seit 2019 gibt es sogar ein Physikshow-Musical. Die Studierenden haben bei der Gestaltung der Shows viel Freiraum und setzen die Projekte größtenteils eigenverantwortlich um.
Die Ursprünge der Physikshow liegen an der University of Wisconsin-Madison in den USA, wo ich von 1984 bis 1989 studierte. 1984 startete Clint Sprott dort die „Wonders of Physics“ [1, 2]. Bei diesen Shows führte er in Frack und Zylinder Experimente vor, assistiert von zwei bis drei Studierenden. Bis zu meiner Promotion 1989 in theoretischer (!) Elementarteilchenphysik konnte ich die immer ausgebuchten Shows als Zuschauer miterleben. Seitdem waren sie fest in meinem Hinterkopf verankert. Es folgten Wanderjahre als Postdoc mit Stationen am DESY, in Oxford und an der ETH Zürich, und schließlich eine permanente Forschungsstelle am nationalen Rutherford Appleton Laboratory, UK. Im Jahre 2000 wurde ich in Bonn erstmalig Universitätsprofessor. Bei meiner Antrittsvorlesung im Dezember 2001 über Neutrinos zeigte ich einige Experimente und lernte dabei Michael Kortmann kennen, der bis 2024 die Vorführsammlung in der Physik geleitet hat. Noch im gleichen Monat haben wir zusammen die Physikshow gegründet. Heute leite ich diese gemeinsam mit Timo Poller, Kristoffer Kerkhof und Paula Weber aus der Vorführsammlung. Von Beginn an wollten Michael und ich die Studierenden stark miteinbeziehen. Vor den Weihnachtsferien rekrutierte ich 20 Studierende in meiner Vorlesung zur klassischen Mechanik und im Januar 2002 starteten wir. Die Studierenden entwickelten eine Show, mit etwas Anleitung von uns und umfangreicher technischer Unterstützung von Michael, aber inhaltlich größtenteils alleine. (...)
• 9/2026 • Seite 78 • DPG-MitgliederQuantensensorik – vom Labor zur Marktreife
Die TUM, das Munich Quantum Valley und das Spin-off QuantumDiamonds bringen Quantensensorik erfolgreich in die Anwendung.
Quantentechnologien haben sich in den vergangenen Jahrzehnten von einem grundlagenorientierten Forschungsfeld zu einem der dynamischsten Innovationsbereiche der Physik entwickelt. Während Themen wie Quantencomputer oder Quantenkommunikation häufig im Fokus von Politik und Öffentlichkeit stehen, entfaltet sich ein anderes Anwendungsfeld oft weniger spektakulär, dafür umso nachhaltiger: die Quantensensorik. Ihr Versprechen liegt nicht in exponentiellen Geschwindigkeitsgewinnen bei der Informationsverarbeitung, sondern in einer neuen Sensorart, die klassische Sensorprinzipien an ihre physikalischen Grenzen führt.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für diese Entwicklung ist die diamantbasierte Quantensensorik auf Basis von Stickstoff-Fehlstellen-Zentren („Nitrogen-Vacancy“, NV-Zentren). Der Weg dieser Technologie – von der quantenphysikalischen Grundlagenforschung bis hin zu industriell eingesetzten Messsystemen – steht im Zentrum einer Kooperation der Technischen Universität München (TUM), des Munich Quantum Valley (MQV) und des Spin-offs QuantumDiamonds. Die prämierte Entwicklung zeigt exemplarisch, wie moderner Technologietransfer gelingen kann, wenn Wissenschaft, institutionelle Rahmenbedingungen und Unternehmertum eng verzahnt sind.
Ein atomarer Defekt als Quantensensor
Den Kern der Technologie bildet ein scheinbar unspektakulärer Kristalldefekt: ein Stickstoffatom (N), das ein Kohlenstoffatom im Diamantgitter ersetzt, kombiniert mit einer benachbarten Leerstelle (V). Dieses NV-Zentrum bildet ein atomgroßes elektronisches Spinsystem mit außergewöhnlichen Eigenschaften. Es lässt sich mittels grünem Laserlicht optisch polarisieren, durch Mikrowellenfelder kohärent manipulieren und über spinabhängige Photolumineszenz auslesen – und das alles bei Raumtemperatur (Abb. 1). (...)
Physik im Alltag
Menschen
„Am phænovum gibt es weder Ferien noch Feiertage.“
Interview mit Pirmin Gohn
Rezensionen
Johanna Schaible: Guten Morgen, Gute Nacht / Es war einmal und wird noch lange sein
Michael Eckert: Jonathan Zenneck – Von der Funktechnik zur Ionosphärenforschung
DPG
Zwischen Diamond Open Access und KI
Zwei Sessions der AG Information auf der DPG-Jahrestagung 2026 in Erlangen widmeten sich dem wissenschaftlichen Publizieren.
Im Testfeld der Zukunft
Die Regionalgruppe Braunschweig der jungen DPG besuchte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt am Braunschweiger Forschungsflughafen.
Chancengleichheit global betrachtet
Der Arbeitskreis Chancengleichheit hat beim UN Global Dialogue on AI Governance sein Online-Tool „Equity Lens“ vorgestellt.
Tagungen
Getting the Basics Right – Capacitance, Entropy and Stress of Electrified Solid /Liquid Interfaces
854. WE-Heraeus-Seminar
Topology and Geometry: Novel Concepts in 3D Quantum Transport on the Mesoscale
855. WE-Heraeus-Seminar
Future of Integrated Assessment Models: Pathways towards Carbon Neutrality for Climate, Environment, Health and Socio-Economic Co-Benefits
852. WE-Heraeus Seminar
Quantum Condensates and Quantum Geometry
Schwedisch-deutsches WE-Heraeus-Seminar
Galactic Frontiers 2026: Advancing X‐Ray Astronomy in a Multiwavelength Universe
858. WE-Heraeus-Seminar
Topological Matter: 10 Years After the Nobel Prize
Iberisch-deutsches WE-Heraeus-Seminar
Physics of imaging: holography, ptychography, tomography et al. & AI
Bad Honnef Physics School


