26.04.2021 • Science Fiction

Außerirdisch

Avi Loeb: Außerirdisch, DVA, München 2021, geb., 272 S., 22 €, ISBN 9783421048660

Avi Loeb

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Im Oktober 2017 gelang es erstmals, ein interstellares Objekt zu beobachten, das unser Sonnensystem durchquerte. Es wurde auf den Namen Oumuamua getauft, den hawaiianischen Ausdruck für „Späher“. Aufgrund der gemessenen Lichtkurve schloss man auf eine ungewöhnlich lang­gestreckte Form, deren absolute Maße jedoch schwer zu bestimmen sind. Der Astrophysiker Avi Loeb von der Harvard University vermutet, dass es sich bei Oumuamua um ein künstliches Objekt einer außer­irdischen Zivilisation handelt.

Um seine durchaus legitime, aber auch sehr umstrittene Hypothese zu untermauern, hat er nun dieses Buch geschrieben. Das könnte eine spannende Sache sein, aber leider überzeugt es mich nicht, denn es ist eine eher missglückte Mischung aus popu­lär­wissenschaftlicher Argumenta­tion, Autobiographie, Kollegenschelte und Forschungsantrag. Die These, dass es sich bei Oumuamua um ein Sonnensegel handelt, gewinnt nicht unbedingt dadurch, dass sich Loeb für das Starshot-Projekt engagiert, das mit laserbeschleunigten Sonnen­segeln andere Planetensysteme erreichen soll. Das Projekt ist eine der Breakthrough-Ini­tiativen, die der milliardenschwere Unternehmer Juri Milner unterstützt. Hier entwickelt sich mittlerweile ein neuer Bereich neben der öffentlich finanzierten Forschung.

Loebs Argumentation hantiert mit Wahrscheinlichkeiten dafür, dass es sich bei Oumuamua um ein außerirdisches Artefakt handeln muss. Dem kann ich nicht so recht folgen, zumal er sich zu wenig mit den Gegen­argumenten auseinandersetzt. Doch das ist bei einer so steilen These erst recht wichtig. Stattdessen klagt er die ablehnende Haltung der Wissenschaftswelt gegenüber einer großangelegten Suche nach Spuren außerirdischer Intelligenzen an, die seiner Ansicht nach bei Erfolg zu Demut und zu der Erkenntnis führt, dass wir unseren Planeten schlecht behandeln. Dafür benötige ich allerdings keine Außerirdischen.

Unnötig ist seine Ablehnung der Science-Fiction gleich in der Einleitung. Er unterschlägt, dass der mit allen wissenschaftlichen Wassern gewaschene Schriftsteller Arthur C. Clarke 1973 mit „Rendezvous with Rama“ den prototypischen Roman zum Thema veröffentlichte. Und Stanislaw Lem stellte 1964 in seiner „Summa Technologiae“, angeregt durch das mittlerweile klassische Buch „Intelligent Life in the Universe“ von I. S. Shklovskii und Carl Sagan1), originelle Überlegungen zu außerirdischen Zivilisationen an. Entgegen seines Ressentiments schildert Loeb selbst immer wieder Science-Fiction-Szenarien.

Ärgerlich ist, dass Loeb auf den zwölf Seiten „Weiterführende Literatur“ nur eigene Arbeiten aufführt. Angaben zu Veröffentlichungen anderer Autor*innen finden sich nur auf den zwei Seiten der kleingedruckten Anmerkungen. Er unterschlägt dabei die vielen Vorarbeiten und die reiche Literatur im Bereich der SETI-Forschung. Dafür hätte ich gerne auf die vielen Familiengeschichten verzichtet, die Loeb unermüdlich einstreut. Die schwarz-weiße Bebilderung ist etwas trostlos; die kleinteilige „Zeitachse der Geschichte des Universums“ (S. 143) ist angesichts des schwachen Kontrasts ein echter Augenprüfer. Insgesamt also leider kein löbliches Buch zu einer an sich spannenden Thematik.

Alexander Pawlak

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