20.04.2023

Ausstellung: Die Sonne

Die Sonne: Der Mensch und das Licht, experimenta, Heilbronn, bis 10. September 2023

K. Barrett, H. Cliff

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Das Science Museum in London ist bekannt für seine exzellenten und oft genug spektakulären Ausstellungen. Davon konnte ich mich 2015 bei einem Besuch der Ausstellung zur Geschichte der sowjetischen Raumfahrt überzeugen, die mit vielen bis dahin nie gezeigten originalen Objekten aufwarten konnte. Von Oktober 2018 bis zum Mai 2019 widmete sich das Museum der Sonne und ihrer Bedeutung für uns – von den Sonnenmythen über die Zeitmessung, der astronomischen Beobachtung der Sonne bis zum Versuch, mit Kernfusion auf der Erde Energie zu gewinnen.

Erfreulicherweise ist diese Ausstellung nun in der Experimenta in Heilbronn zu sehen. Einen Abstrich muss man dabei in Kauf nehmen, statt der kostbaren originalen Instrumente, Bücher oder Bilder muss man oft mit Reproduktionen oder Faksimiles Vorlieb nehmen, die den Eindruck aber nicht schmälern.

Das Entree ist eine faszinierende Zeitrafferaufnahme eines Sonnenaufgangs im Weltraum, die ESA-Astronaut Alexander Gerst von der Internationalen Raumstation aus aufgenommen hat, gefolgt von einer Wand in stimmungsvollen Sonnen­untergangsfarben. Die Mythen, die sich um die Sonne ranken, zeigt ein kindgerechter, aber wenig tiefschürfender Trickfilm. Der erste Ausstellungsteil „Sonne & Zeit“ dürfte vermutlich eher Erwachsene ansprechen und ist der Funktionsweise und den Bauarten von Sonnenuhren gewidmet. Zwei Bauarten lassen sich in einer der Mitmachstationen ausprobieren, die aber nicht immer einen didaktischen Mehrwert bieten. Die virtuelle Anprobe alter Sonnenbrillen oder das Spiel mit Spiegeln, um mit einem Lichtstrahl eine Art Solarkraftwerk zu aktivieren, haben zumindest einen gewissen Unterhaltungswert.

Der Bereich „Sonnenlicht & Gesundheit“ widmet sich den Versuchen, Licht für therapeutische Zwecke einzusetzen, aber auch den Gefahren des Sonnenbadens. So entwickelte der dänische Mediziner Niels Ryberg Finsen (1860 – 1904) spezielle Linsen zur Konzentration von Sonnenlicht und eine UV-Lampe, um Hauttuberkulose zu behandeln. Dafür erhielt er 1903 den Medizin-Nobelpreis. Skurril mutet das 1916 von Cornflakes-Erfinder John Harvey Kellogg entwickelte elektrische Lichtbad an, mit dem er diverse Krankheiten heilen wollte, das im Wesentlichen aber ein Schwitz­kasten mit Glühbirnen war.

Das topaktuelle Thema der Sonnenenergie nimmt selbstverständlich seinen gebührenden Raum im dritten Teil der Ausstellung ein. Hier lassen sich frühe Solarzellen bestaunen und es wird daran erinnert, dass der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter in seiner Amtszeit ein früher Befürworter der Sonnenenergie war. Eines der originalen Solarmodule, die er auf das Dach des Weißen Hauses installieren ließ, ist ausgestellt. Der Bereich zur Kernfusion liefert aufschlussreiche Einblicke in die aktuellen Test­reaktoren, aber auch über die Blamage britischer Fusionsforscher, die 1958 vorschnell verkündeten, dass ihnen beim ZETA-Experiment in Harwell die Kernfusion gelungen sei.

Ein ästhetischer Genuss sind die Exponate zu den Anfängen der Erforschung der Sonne. Etienné Trouvelots Zeichnungen von Phänomenen auf der Sonnenober­fläche sind wahre Kunstwerke, aber auch die frühen Fotografien der Sonne mit Sonnenflecken des Helium-Mitentdeckers Norman Lockyer haben ihren Reiz. 

Der Höhepunkt der Ausstellung verbirgt sich im letzten Raum hinter einer hohen schwarzen Wand. Auf deren Rückseite sind Video­aufnahmen der Sonne zu erleben, die Weltraumsonden in unterschiedlichen Wellenlängenbereichen aufgenommen haben. Die atemberaubenden Anblicke der brodelnden Sonnenoberfläche, von Protuberanzen, Materieauswürfen oder Merkurvorbeigängen lohnen bereits den Besuch der Ausstellung, die unter anderem durch die halbstündige Show „Sonnenstürme – Spektakuläre Gewalten im All“ im Science Dome ergänzt wird.

Alexander Pawlak

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