Das seltsamste Teilchen der Welt
Christian Spiering: Das seltsamste Teilchen der Welt – Auf der Jagd nach dem Neutrino, Carl Hanser Verlag, München 2025, geb., 332 S., 28 Euro, ISBN 9783446284654
Christian Spiering

Mit Christian Spiering hat sich ein international renommierter Experte daran gemacht, die Geschichte des Neutrinos einmal ganz anders zu erzählen: anhand der Personen, die über Postulation, Nachweis und theoretische Beschreibung unseren heutigen Wissensstand maßgeblich geprägt haben.
Dabei ist ein Buch entstanden, das sich flüssig und spannend liest und mit jeder Seite Lust auf mehr macht. Dazu trägt auch bei, dass Spiering die meisten seiner Protagonist:innen persönlich kennengelernt hat und das auch in deren Charakterisierung einfließen lässt, wie er im kurzen Prolog zu den fünf Kapiteln betont.
Den Anfang machen Lise Meitner und Wolfgang Pauli. Während von Pauli die meisten wissen, dass er das Neutrino einst postulierte, um die rätselhaften Daten des Betazerfalls zu erklären, kommt es nur wenigen in den Sinn, dass Meitner die wichtigen Daten akribisch gesammelt hatte. Obgleich nacheinander erzählt, gelingt es Spiering, die Erkenntnisse und Persönlichkeiten beider gekonnt zu verflechten. Dass es dabei korrekt zugeht, hat er durch die Zusammenarbeit mit dem bekannten Wissenschaftshistoriker Dieter Hoffmann gesichert.
Danach folgt zunächst Frederick Reines, der zusammen mit Clyde Cowan 1956 Neutrinos erstmals direkt beobachten konnte und dafür 1995 nach langer Wartezeit den Nobelpreis erhielt. Spiering hat Reines in den 1990er-Jahren ebenso persönlich kennengelernt wie Bruno Pontecorvo, der ihm regelmäßig am Vereinigten Institut für Kernforschung im russischen Dubna über den Weg lief. Auch bei dieser Hauptfigur seines Buchs hat er sich mit Luisa Bonolis wissenschaftshistorische Unterstützung geholt und seine Erinnerungen mit vielen Fakten zu Pontecorvos außergewöhnlichem Leben untermauert.
In den beiden folgenden Kapiteln stehen Raymond Davis und John Bahcall sowie Masatoshi Koshiba im Mittelpunkt. Mit dem Epilog greift Spiering einige Gedanken auf, die er im Laufe des Textes nicht weiter vertieft hat und findet zu einem gelungenen Abschluss seiner ganz persönlichen Jagd nach dem Neutrino.
Einige Basisdefinitionen aus der Neutrinophysik sowie ein ausführliches Stichwortregister runden den Band ab, der ganz ohne Abbildungen auskommt. Wer Gefallen an den seltsamen Teilchen gefunden hat und nun auch die physikalischen Hintergründe besser kennenlernen möchte, dem sei Spierings Buch Neutrinoastronomie empfohlen, das in aktualisierter Neuauflage demnächst beim Springer-Verlag erscheint.
Kerstin Sonnabend
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