Feuer
Stephen J. Pyne: Feuer – Eine Kultur- und Naturgeschichte, Haupt Verlag (2026), 208 S., brosch., 28 Euro, ISBN 9783258084114
Stephen J. Pyne

Wenn man an die gigantischen Brände des diesjährigen Sommers denkt, dann erscheint das Element Feuer nur noch als Fanal der Zerstörung, nicht zuletzt angefacht durch den Klimawandel. Doch das Element Feuer besitzt natürlich viele weitere und nicht nur destruktive Aspekte.
Daher ist es sehr begrüßenswert, dass der amerikanische Umwelthistoriker Stephen Pyne in seinem Buch ein ebenso differenziertes wie aufschlussreiches Licht auf dieses besondere Element wirft. Feuer kann nämlich im Gegensatz zu Wasser, Erde und Luft nicht unverändert existieren, wie Pyne betont, und es lässt sich auch nicht in Reinform transportieren.
Schon der Prolog und das erste Kapitel machen klar, dass es neue Perspektiven auf das Feuer zu entdecken gibt, etwa indem „Feuer als Grenzgänger zwischen dem rein Physikalischen und dem rein Biologischen“ charakterisiert wird. Für Pyne steht es im Mittelpunkt der menschlichen Bemühungen, die Welt bewohnbar zu machen.
Das mag auf den ersten Blick keine neue Erkenntnis sein, aber Pyne macht die Verflechtungen von Natur, Mensch und Zivilisierung aufschlussreich deutlich: „Sobald [die Zähmung des Feuers] geschehen war, verbreitete sich die Menschheit wie Feuer – Menschen und Feuer zusammen waren die Flamme, die schließlich den ganzen Planeten beherrschen und umgestalten sollte.“ (S. 41)
Es ist spürbar, dass in die folgenden Ausführungen über wildes, gezähmtes und kultiviertes mehr als vier Jahrzehnte Beschäftigung des Autors mit dem Thema Feuer eingeflossen sind. Das erfordert durchaus eine konzentrierte Lektüre, die aber viele neue Einsichten beschert, etwa in Bezug auf die Ursachen und Bedingungen moderner Megabrände.
Ein zentraler Begriff ist bei Pyne das „Feuer-Regime“, mit dem er offene Feuer in der Natur und Kultur sowie die eingesperrten Feuer in Maschinen unterscheidet. Dabei schärft er insbesondere das Verständnis für nützliche Feuer und ihre Bedeutung für Flora und Fauna.
Das Kapitel über Megabrände überrascht mit einem überraschenden Fazit (S. 187): „Auf der Erde gab es zu wenig Feuer und zu viel Verbrennung.“ Daran schließt direkt der geradezu philosophische Epilog über die „Zwei Feuerwelten“, die unsere Welt beherrschen und die eine dritte, mittlere Welt verblassen lassen, „in der der Mensch als Vermittler für die ökologische Gegenwart des Feuers diente.“ (S. 191)
Wie alle Bände der Buchreihe „Naturphänomene“ des Haupt Verlags ist auch dieser großzügig und hervorragend bebildert, sowohl mit faszinierenden Fotografien als auch beeindruckenden Gemälden, von denen viele sicherlich nicht allzu bekannt sein dürften. Auf diese Weise gelingt Stephen Pyne eine spannende Kultur- und Naturgeschichte sowie eine im besten Sinne erhellende Ökologie des Elements Feuer.
Alexander Pawlak
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