Immer wieder Ascher­mittwoch

Hans Christian Öttinger: Immer wieder Ascher­mittwoch, Hamburg 2025, geb., 260 S., 32,90 Euro, ISBN 9783819281396

Hans Christian Öttinger

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Biografischen Darstellungen als Roman oder Film haftet oft etwas Zweifelhaftes an. Wie nah lässt sich der dargestellten Berühmtheit kommen? Wo hören die belegten Fakten auf, wo betritt man gänzlich fiktives Gelände? Den Polymerphysiker Hans Christian Öttinger, fast drei Jahrzehnte Professor an der ETH Zürich, hat die intensive Beschäftigung mit dem Leben und Werk von Ludwig Boltzmann auch nach der Emeritierung nicht losgelassen und zu einem überaus lesenswerten biografischen Roman über diese prägende Gestalt der Physik an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geführt.

Der Titel erscheint zunächst rätselhaft und bezieht sich darauf, dass Boltzmann selbst den Zeitpunkt seiner Geburt in der Nacht von Faschingsdienstag auf Aschermittwoch (20. Februar 1844) augenzwinkernd heranzog, um seinen labilen Gemütszustand zu begründen. Der konnte zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt pendeln. Aus heutiger Sicht würde man ihm daher eine bipolare Störung bescheinigen, wobei Fern­diagnosen über hundert und mehr Jahre hinweg stets mit einer gehörigen Skepsis zu begegnen ist. Fest steht, dass Ludwig Boltzmann Anfang September 1906 im heute italienischen Duino freiwillig aus dem Leben schied.

Hans Christian Öttinger reduziert Boltzmann nicht auf einen pathologischen Fall, sondern breitet sein Leben von der Jugend, die der frühe Tod seines Bruders und des Vaters überschattet hat, bis zu seiner USA-Reise im Jahr 1905 aus. Der launige Reisebericht aus Boltzmanns Feder findet sich zusammen mit seinem Gedicht „Beethoven im Himmel“ im Anhang.

Boltzmann, Thermodynamik & Atome

Carlo Cercignani • 7/2006 • Seite 47

Boltzmanns Vermächtnis

Ingo Müller • 3/2008 • Seite 39

Ein Leben für die Thermodynamik

Jürgen Renn • 3/2005 • Seite 53

Die atomistische Revolution

Öttinger gelingt so auf originelle Weise ein „Biopic“ oder besser „Dokudrama“ in Textform, denn er schaltet sich immer wieder ein, um Rechenschaft über die gewählte Darstellung und die zugrundeliegenden Quellen abzulegen.

Überaus gelungen ist der Einfall, Boltzmanns zögerliche Reaktion auf die brieflichen Annäherungsversuche seiner zukünftigen Frau Henriette in Form eines Telefongesprächs zu gestalten. Gewagt ist die Schilderung, wie Boltzmann nach einem eupho­risch gefeierten Vortrag eine Art Freudenfeier in einem Bordell inszeniert haben könnte. Eine fiktive, aber nicht unmögliche Begegnung von Boltzmann mit dem jungen Ludwig Wittgenstein schlägt den Bogen zum Wiener Kreis, der sich nicht zuletzt auf Boltzmann und seinen Wiener Kollegen Ernst Mach beruft.

Öttinger setzt auf Basis seiner Recherchen das Auf und Ab von Boltzmanns Leben und Werk – die Familienfreuden und die Berufungsleiden, die wissenschaftlichen Erfolge und die Kontroversen – so lebendig in Szene, dass er Interesse an und auch Mitgefühl für Ludwig Boltzmann weckt. Das empathische Einfühlen darf sicherlich nicht dazu verleiten, alles Geschilderte als faktisch wahr anzusehen, ist aber durchaus ein Vorzug dieses Romans gegenüber sachlicheren wissenschaftshistorischen Darstellungen.

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