10.02.2021

Arbeit und Leben in Corona-Zeiten

Online-Umfrage des Arbeitskreises Chancengleichheit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

Seit April 2020 leben etwa achtzig Prozent aller Arbeits­kräfte weltweit aufgrund der Covid-19-Pandemie mit obliga­torischen oder empfohlenen Schließungen von Arbeitsplätzen. Arbeits­kräfte sind gezuwungen von Zuhause aus zu arbeiten. Bei der Arbeit im Homeoffice führen die fehlende Trennung von Beruf und Familie sowie die zusätzliche Belastung durch Homeschooling zu Stress, insbesondere bei Frauen. Das zeigt eine weltweit angelegte Online-Umfrage des Arbeitskreises Chancen­gleichheit der Deutschen Physi­kalischen Gesellschaft DPG, an der zwischen Mitte April und Ende Juni 2020 über 1500 überwiegend aus Europa stammende Beschäftigte teilnahmen.

Abb.: Für die Zeit nach der Pandemie fürchten sich Angestellte, die nicht an...
Abb.: Für die Zeit nach der Pandemie fürchten sich Angestellte, die nicht an einer Univer­sität oder Forschungs­einrichtung arbeiten, in erster Linie vor dem Verlust des Arbeits­platzes, an der Univer­sität oder Forschungs­einrichtung sind soziale Ängste sehr groß. (Bild: DPG / Physik Journal)

Siebzig Prozent der Befragten hatten eine akademische Position inne und 43 Prozent einen Hintergrund in Physik. Paare ohne Kinder im Alter zwischen 30 und 39 Jahren mit mehr als zehn Jahren Berufs­erfahrung stellten dabei die größte Gruppe dar. Die haupt­sächlichen Stressfaktoren bei der Arbeit im Homeoffice waren die fehlende Trennung von Beruf und Familie sowie das Gefühl der Isolation. Weibliche Teilnehmende bewerteten diese Stress­faktoren signifikant höher als männliche. Der am häufigsten genannte Begriff in Freitextfeldern war dement­sprechend „mangelnde Work-Life-Balance“ gefolgt von „Homeschooling“ und „emotionalen und mentalen Problemen“. Führungskräfte litten dabei mehr unter Stress durch Homeoffice als Personen ohne Führungs­aufgaben. Trotzdem waren sie mit der Leistung ihrer Mitarbeiter sehr zufrieden.

Europäische Akade­mikerinnen sorgten sich insbesondere um negative soziale Auswirkungen; die häufigste Sorge bei euro­päischen Männern war hingegen eine finanzielle Stagnation bzw. Rezession für die Zeit nach der Pandemie. Das betraf vor allem Nicht­akademier. Am meisten vermisst wurde das fehlende Feedback von Managern bzw. Kollegen.

Bei der Analyse der Freitext­einträge zeichnen sich zwei Gruppen ab: Eine Gruppe war überzeugt, dass die Pandemie eine Chance ist, Fernarbeit und Fern­unterricht zu reformieren. Die zweite Gruppe fürchtete dagegen, dass der verstärkte Einsatz von Informations- und Kommunikations­technologien die herkömmlichen Arbeits­instrumente und -methoden ersetzen könnte. Vierzig Prozent aller fürchteten den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Viele (35 Prozent) sorgten sich allerdings auch um den Wegfall der Möglichkeit, nach der Covid-19-Krise weiter im Homeoffice arbeiten zu können. Das betraf fast die Hälfte der weiblichen Akademiker in Europa und 26 Prozent der männlichen.

DPG / JOL

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