19.08.2020

Auf der Suche nach Leben im All

Hochempfindliches Spektrometer kann kleinste Mengen an Aminosäuren nachweisen.

Die Frage, ob außerhalb der Erde Leben existiert, ist einer der fundamentalsten Fragen der Menschheit. Zukünftige Missionen der NASA zielen beispielsweise darauf ab, die prominenten Eismonde von Jupiter und Saturn vor Ort zu untersuchen, welche eventuell Leben in den flüssigen Ozeanen unterhalb einer dicken Eisschicht beherbergen. Der Nachweis von Spuren von Leben außerhalb der Erde ist jedoch extrem anspruchsvoll. Hoch­sensitive Instrumente sind nötig, welche vor Ort möglichst autonom und mit hoher Präzision Messungen vornehmen – Millionen von Kilometern entfernt von der Erde also, ohne die direkte Unterstützung des Menschen.
 

Abb.: Detail­aufnahme von Origin im Innern des Test­systems (Bild: V....
Abb.: Detail­aufnahme von Origin im Innern des Test­systems (Bild: V. Knöpfel / U. Bern)

Nun hat eine internationale Gruppe von Forschern unter der Leitung von Andreas Riedo und Niels Ligterink von der Universität Bern Origin entwickelt, ein Massen­spektrometer, das Kleinst­mengen von solchen Spuren von Leben detektieren und identifizieren kann. Niels Ligterink vom Center for Space and Habitability (CSH) ist Erstautor der internationalen Studie, und Ko-Autor Andreas Riedo vom Physikalischen Institutes der Universität Bern hat das Instrument in den Laboratorien der Weltraum­forschung und Planetologie des physikalischen Instituts entwickelt. Verschiedene internationale Weltraum­konsortien, allen voran die NASA, haben bereits Interesse bekundet, Origin für zukünftige Missionen zu testen.

Seit der ersten Marsmission „Viking“ in der 1970er Jahren versucht die Menschheit mit hoch spezialisierten Instrumenten, die auf Lande­plattformen und Rovern installiert sind, Spuren von Leben auf dem Mars zu finden. Der Mars war in jungen Jahren erdähnlich, besaß eine dichte Atmosphäre und auch flüssiges Wasser. Wie Niels Ligterink erklärt, hat der Mars im Laufe Zeit aber seine schützende Atmosphäre verloren: „In Folge dessen ist die Mars­oberfläche hoher Sonnen- und kosmischer Strahlung ausgesetzt, welche Leben an der Oberfläche verunmöglicht.“ 

Seit der Entdeckung der globalen Ozeane unterhalb kilometerdicker Eisschichten auf dem Jupiter-Mond Europa und dem Saturn-Mond Enceladus durch die Missionen Cassini und Galileo, sind diese zwei Objekte bei Forschern näher ins Zentrum der Suche nach extra­terrestrischem Leben gerückt. Nach heutigen Kenntnissen besitzen die Ozeane sämtliche Eigenschaften, die nicht nur für das Entstehen von Leben nötig sind, sondern stellen auch Umgebungen dar, in denen Leben längerfristig existieren kann. So plant die NASA um 2030 mit einer Mission auf dem Jupiter-Mond Europa zu landen und vor Ort Messungen vorzunehmen. Das Ziel: Identifizierung von Leben. Peter Wurz vom Physikalischen Institut der Universität Bern sagt: „Konzepte, die speziell für den Mars entwickelt wurden, können jedoch nicht ohne weiteres auf anderen Objekten in unserem Sonnensystem angewendet werden, da diese sehr verschieden sind. Neuartige Instrumente mit höherer Sensitivität und simpler und robuster Analytik müssen konzipiert und eingesetzt werden.“

Origin ist ein solches neues Instrument, welches bisherige Space-Instrumente in seiner Messsensitivität um ein Vielfaches übertrifft. Verschiedene internationale Weltraum­konsortien haben großes Interesse für das Instrument für zukünftige Missionen bekundet. Andreas Riedo sagt: „So hat uns beispielsweise die NASA eingeladen, unser Instrument in der Arktis zu testen. Die Arktis ist eine optimale Test­umgebung in Hinblick einer möglichen Europa Lander-Mission, die 2025 startet, die uns ermöglicht, die Vorzüge von Origin aufzuzeigen.“

Aminosäuren sind wichtige Bestandteile unseres Lebens, so wie wir es auf unserer Erde kennen. Ein gleichzeitiger Nachweis bestimmter Aminosäuren auf extraterrestrischen Oberflächen, wie derjenigen von Europa, liessen auf mögliches Leben schließen. Das von den Berner Forschenden entwickelte Messprinzip ist simpel. Niels Ligterink erklärt: „Laser-Impulse werden auf die zu unter­suchende Oberfläche gerichtet. Dabei lösen sich Kleinstmengen an Material, das in einem zweiten Schritt von Origin auf dessen chemische Zusammen­setzung untersucht wird.“ Andreas Riedo ergänzt: „Das Überzeugende an unserer Technik ist, dass keine komplizierten Proben­aufbereitungen vorgenommen werden müssen, welche das Resultat eventuell beeinflussen können. Dies war bis anhin eines der größten Probleme auf dem Mars“, so Riedo. Die bis jetzt mit Origin analysierten Aminosäuren besitzen einen spezifischen chemischen Finger­abdruck, welcher deren Identifikation direkt ermöglicht. Niels Ligterink: „Wir haben ehrlich gesagt nicht erwartet, bei unseren ersten Messungen bereits Aminosäuren bestimmen zu können.“

Die Entdeckung von Spuren von vergangenem oder gegenwärtigem Leben auf Objekten unseres Sonnen­systems jenseits der Erde ist von großer Bedeutung für ein besseres Verständnis des Vorhandenseins von Leben im Universum und seiner Entstehung. Andreas Riedo sagt: „Unsere neue Mess­technik ist eine echte Verbesserung zu den gegenwärtig angewandten Instrumenten auf Weltraum­missionen. Sollten wir auf einer zukünftigen Mission mit dabei sein, könnten wir mit Origin eventuell einer der fundamentalsten Fragen der Menschheit lösen: Gibt es Leben im All?“

U. Bern / DE
 

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