21.12.2006

Das Netz der Zukunft?

Erstmals konnten 107 Gigabit pro Sekunde mit rein elektrischer Verarbeitung in Sender und Empfänger über eine 160 Kilometer lange Glasfaser übertragen werden.

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Erstmals konnten 107 Gigabit pro Sekunde mit rein elektrischer Verarbeitung in Sender und Empfänger über eine 160 Kilometer lange Glasfaser übertragen werden.

Siemens-Forscher haben in Kooperation mit Micram, dem Fraunhofer Institut für Nachrichtentechnik (Heinrich-Hertz-Institut) und der Technischen Universität Eindhoven erfolgreich die nächste Ausbaustufe für das Netz der Zukunft getestet. Dabei wurden zum ersten Mal außerhalb des Labors Datenmengen von 107 Gbit pro Sekunde rein elektrisch verarbeitet und über eine 160 Kilometer langen Glasfaserstrecke übertragen. Zum Vergleich: 107 Gbit entsprechen in etwa der Datenmenge, die heute auf zwei DVDs passt. Möglich wurde dieser Rekord durch ein neu entwickeltes Sende- und Empfangssystem, das die Daten direkt vor und nach ihrer Umwandlung in optische Signale rein elektrisch verarbeitet. Getestet wurde in einer 160 Kilometer lange Glasfaserstrecke in den USA bei einem der weltweit größten Netzbetreiber.

Auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken des Internets werden Daten als Lichtsignale transportiert. Für sehr hohe Datenraten müssen diese bislang, bevor sie am Bestimmungsort wieder in elektrische Signale zurückverwandelt werden können, optisch in mehrere Signale mit geringerer Datenrate aufgeteilt werden. Anschließend muss jedes einzelne Signal per Fotodiode wieder in elektrische Signale umgewandelt werden, damit die nachfolgende Elektronik die Daten staufrei verarbeiten kann. Die dafür notwendigen optischen Komponenten sind nicht nur teuer, sondern müssen auch aufwändig verbaut werden.

„Im Frühjahr 2006 hatten wir das System mit einem voll elektrischen Empfänger gezeigt“, sagte Dr. Rainer H. Derksen, Projektkoordinator bei Siemens Corporate Technology in München. „Damals wurde im Sender noch optisches Multiplex eingesetzt. Jetzt haben wir ein Gesamtsystem konstruiert, in dem sowohl im Empfänger als auch im Sender die Verarbeitung der Daten rein elektrisch erfolgt.“ Das steigert die Leistungsfähigkeit des Systems erheblich. Theoretisch lassen sich schon heute die Signale von 100.000 DSL-Nutzern gleichzeitig verarbeiten. Derksen rechnet damit, dass auf Basis des Prototypen in wenigen Jahren erste Produkte auf den Markt kommen werden können.

So ein System ist von besonderem Interesse für das zukünftige 100 Gbit/s-Ethernet, das die Telekommunikationsbetreiber intensiv vorantreiben. Ethernet – für deutlich langsamere 1 Gbit/s oder weniger – ist seit langem als ein Standard für die Kommunikation zwischen Computern in Firmen- und Heimnetzwerken bekannt. Da es Daten besonders flexibel transportiert, ist es auch für die großen Übertragungsnetze von wachsendem Interesse. Ein Vorteil besteht darin, dass die Datenpakete nicht mehr über fest geschaltete Leitungen zum Endkunden übermittelt werden, sondern über Alternativrouten transportiert werden können. Damit lassen sich künftig überlastete Streckenabschnitte umgehen, auf denen besonders reger Datenverkehr herrscht. Die Verbreitung von Ethernet hat enorm zugenommen, seit die Preise für die entsprechenden Komponenten gefallen sind. Auch die Kosten pro Anschluss für äußerst leistungsfähige Ethernet-Systeme könnten künftig weit unter die von Zeitmultiplex-basierten Systemen, die bei der Übertragungsrate vergleichbar sind, fallen. Größere Flexibilität und eine höhere Kosteneffizienz machen Ethernet zur Übertragungstechnologie für die Kernnetze der Zukunft.

Quelle: Siemens AG

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