06.07.2007

DFG: 70.000 Wissenschaftler fehlen

In Deutschland fehlen nach EU-Berechnung rund 70.000 Wissenschaftler. Darauf hat die Deutsche Forschungs-Gemeinschaft (DFG) aufmerksam gemacht.

Berlin (dpa) - In Deutschland fehlen nach EU-Berechnung rund 70.000 Wissenschaftler. Darauf hat der neue Präsident der Deutschen Forschungs-Gemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, aufmerksam gemacht. Allein die mehr als 22.000 derzeit nicht zu besetzenden Ingenieurstellen verursachten eine «ausbleibende Wertschöpfung von 3,7 Milliarden Euro», sagte Kleiner am Donnerstag bei der Vorlage des Jahresberichtes seiner Organisation in Berlin. Mit einem Jahresetat von rund 2 Milliarden Euro ist die DFG der größte Finanzier der Hochschulforschung.

Kleiner beklagte eine «Wirkungskette» von schlechter Schulausstattung hin zu geringen Abiturienten- und Studienanfängerzahlen sowie nach wie vor zu geringen Grundmitteln für die Hochschulen. «Hoch belastete Lehrer und Hochschullehrer machen auch nicht immer die beste Ausbildung», sagte Kleiner, der Ingenieurwissenschaftler ist. Auch müsse kritisch gefragt werden, ob tatsächlich genug getan werde, junge deutsche Forscher nach ihren Auslandserfahrungen wieder in die Bundesrepublik zurückzuholen.

Der DFG-Präsident kritisierte unflexible Vergütungsregeln im öffentlichen Dienstrecht, mit denen Deutschlands Hochschulen und Forschungsstätten im Wettbewerb um Spitzenkräfte international «nicht konkurrenzfähig» seien. Ein spezieller Wissenschafts-Tarifvertrag, der auf die besonderen Bedürfnisse von Forschung und Hochschulen eingehe, sei überfällig. Auch beim Werben um die besten ausländischen Wissenschaftler müsse gefragt werden, ob diese in Deutschland überall «vorbehaltlos und mit offenen Armen empfangen werden».

Zugleich forderte der DFG-Präsident dazu auf, dass Potenzial junger Wissenschaftlerinnen besser zu nutzen. Während inzwischen der Frauenanteil unter den Studierenden bei 50 Prozent liege, betrage er in der Professorenschaft nur 14 Prozent. Die Karrieren von Wissenschaftlerinnen endeten häufig früher als die ihrer männlichen Kollegen, «nicht zuletzt wegen des Spagats zwischen Beruf und Familie.» International sei der Frauenanteil in der Hochschullehrerschaft doppelt so hoch. Kleiner: «Die fehlende Gleichstellung von Mann und Frau in der Wissenschaft ist nicht nur höchst ungerecht, sie ist auch ein großer Verlust und eine Verschwendung von intellektuellen Ressourcen.»

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