01.03.2007

Die ZVS in neu

Die Dortmunder Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) soll zu einer Service- und Beratungsstelle für Studienbewerber und Hochschulen umgestaltet werden.

Berlin/Dortmund (dpa/lnw) - Die Dortmunder Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) soll zu einer Service- und Beratungsstelle für Studienbewerber und Hochschulen umgestaltet werden. Dies beschloss die Kultusministerkonferenz (KMK) nach Angaben ihres Präsidenten, Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), am Mittwochabend in Berlin. Zudem sollen die Hochschulen künftig ihre selbst ausgewählten Studienanfänger in Numerus-Clausus-Fächern (NC) der ZVS melden, damit die begehrten Plätze nicht durch Mehrfachbewerbungen und -einschreibungen blockiert werden. Die Teilnahme an diesem Meldesystem ist allerdings den Hochschulen freigestellt.

Damit ziehen die Kultusminister erste Konsequenzen aus Problemen, die mit dem seit drei Jahren gültigen Hochschulzulassungsrecht entstanden sind. Danach können die Universitäten in den Mangelfächern wie Medizin, Psychologie oder Biologie bis zu 60 Prozent der Studienanfänger selbst auswählen. Nach bisherigen Erfahrungen bewirbt sich ein Student, der diese Fächer studieren will, an drei Hochschulorten. Dies hat zu Mehrfacheinschreibungen, komplizierten Nachrückverfahren oder einem Freibleiben von Plätzen geführt.

Zöllner sagte: «Entscheidendes Kriterium für die Zulassung zum Studium muss das Abitur bleiben.» Alle anderen Verfahren, wie Auswahlgespräche, Tests oder spezielle Notengewichtung, erforderten einen erheblichen Zeitaufwand, wie ihn die Hochschulen selbst kaum leisten könnten. Denn diese Verfahren müssten «verantwortbar durchgeführt werden». Zöllner forderte die Hochschulen auf, sich aus eigenem Intersees an diesem neuen System zu beteiligen.

Nach dem neuen Verfahren, das zum Wintersemester 2008/2009 greifen soll, reichen Studienbewerber ihre Unterlagen an die ZVS ein und geben eine Reihenfolge favorisierter Hochschulen an. Die Zentralstelle koordiniert dann jeweils die individuellen Auswahlverfahren und gibt auch erfolgte Einschreibungen an anderen Hochschulen weiter. Die ZVS kann auch nichtbesetzte Studienplätze weitervermitteln. Zöllner schätzt, dass durch Probleme bei der Vergabe fünf bis zehn Prozent der Plätze in Mangelfächern nicht besetzt werden können.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), kritisierte, die «von einigen Hochschulen offenbar in Kauf genommene Blockade der begehrten NC-Plätze durch Mehrfachbewerbungen» könne nicht länger hingenommen werden. Jungen Menschen sähen sich heute bei der Hochschulzulassung einem «zunehmenden Wirrwarr unterschiedlicher Regelungen der Länder und der einzelnen Hochschulen ausgesetzt», sagte die SPD-Politikerin der dpa.

Nordrhein-Westfalens Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) rief die Hochschulen des Landes dazu auf, künftig ihre Auswahlmöglichkeiten bei der Vergabe der Studienplätze stärker zu nutzen und dafür Kriterien und Verfahren zu entwickeln. «Einige Hochschulen werden das selbstständig machen, andere werden sich der Leistungen dieser neuen Serviceeinrichtung bedienen», sagte er. Pinkwart begrüßte den Beschluss zum Umbau der ZVS. «Die ZVS in ihrer bisherigen Form hat damit ausgedient», sagte er.

Durch Verschärfung des Numerus clausus und auch durch die rückläufige Studienneigung sind in Deutschland im dritten Jahr in Folge die Studienanfängerzahlen zurückgegangen, obwohl es mehr Abiturienten gibt.

Die ZVS wird in eine Stiftung umgewandelt und soll zunächst über einen Jahresetat von 9,5 Millionen Euro verfügen. Auch die Hochschulen werden an den Kosten beteiligt. Eine Kernaufgabe der ZVS wird künftig über ein Internetportal die Beratung von Bewerbern über die unterschiedlichen Studienangebote sein. Die Zentralstelle war 1973 in Folge eines Verfassungsgerichtsurteils gegründet worden, mit dem Länder und Hochschulen «zu einer erschöpfenden Nutzung» der Studienplatzkapazitäten in Mangelfächern gezwungen und eine «unzulässige Niveaupflege» durch Freilassen von Plätzen untersagt wurde.

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