27.07.2018

Ein Brocken mit Ecken und Kanten

Asteroid Ryugu ist mit großen Felsen übersät – erste Nahaufnahme von Hayabusa2.

Je näher die japanische Hayabusa2-Sonde dem Asteroiden Ryugu kommt, desto mehr Details werden für die Planeten­forscher sichtbar: Aus nur noch sechs Kilometern Entfernung nahm die Teleobjektiv­kamera an Bord der Raumsonde am 20. Juli 2018 die Asteroiden­oberfläche mit dem größten Krater des Himmels­körpers auf. „Wir sehen, dass die gesamte Ober­fläche von Ryugu mit großen Fels­brocken übersät ist – dies haben wir bisher so noch nicht auf einem Asteroiden gesehen", sagt Ralf Jaumann, Planeten­forscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raum­fahrt (DLR) und wissen­schaftlicher Leiter der Lande­sonde Mascot (Mobile Asteroid Surface Scout) an Bord der japanischen Raum­sonde. Voraus­sichtlich am 3. Oktober 2018 soll Mascot auf Ryugu landen und dort mit vier Instrumenten die Asteroiden­oberfläche untersuchen.

Abb.: Der Asteroid Ryugu, aufgenommen aus nur sechs Kilo­metern Entfernung. Gut erkennbar sind die zahlreichen großen Fels­brocken sowie der große Krater in der Bild­mitte. Ein Pixel entspricht etwa sechzig Zenti­metern. (Bild: JAXA / U. Tokyo / Kochi U. / Rikkyo U. / Nagoya U. / Chiba Inst. Tech. / Meiji U. / U. Aizu / AIST. U. Aizu / Kobe U. / Auburn U.)

Bisher hatte die japanische Raumfahrt­agentur JAXA ihre Sonde in einer Höhe von zwanzig Kilo­metern über der Ober­fläche des Himmels­körpers betrieben, nachdem Hayabusa2 am 27. Juni 2018 den Asteroiden erreichte. Am 16. Juli hingegen ließen die JAXA-Ingenieure Hayabusa2 von dieser Beobachtungs­position langsam absinken und blickten schließlich aus sechs Kilo­metern Höhe auf Ryugu. Die Auflösung ist dabei etwa drei bis vier Mal höher als in den Bildern aus zwanzig Kilo­metern Höhe, ein Pixel entspricht nun etwa sechzig Zenti­metern.

Fast in der Mitte der Aufnahme ist ein besonders großer Krater zu sehen.
Für Planeten­forscher Ralf Jaumann sind die Bilder, die aus etwa 300 Millionen Kilometer Entfernung aus dem All kommen, die Möglichkeit, einen ersten Eindruck von Ryugu zu erhalten: „Es ist wahr­scheinlich, dass Ryugu das Bruch­stück einer früheren Kollision ist. Allerdings: Wir sind gerade erst einmal seit kurzer Zeit am Asteroiden – und sehen lediglich die Ober­fläche." Wie alt der Asteroid ist, wie er im Inneren aussieht, wie hoch seine Dichte ist, ob er aus vielen „zusammen­gebackenen" Schutt-Teilen oder aus einem größeren Stück besteht, das alles sind die Fragen, die die Planeten­forscher unter anderem diskutieren und beant­worten wollen.

Seit dem 25. Juli 2018 befindet sich die Sonde Hayabusa2 wieder in ihrer Ausgangs­position in zwanzig Kilo­metern Abstand von Ryugu. Im August 2018 wird die Sonde dann erneut auf nur noch etwa einen Kilo­meter Abstand zum Asteroiden sinken, um so seine Gravitation zu messen. Diese beträgt nach Schätzung gerade einmal ein 60.000stel der Erd­anziehungs­kraft.

Wichtig sind die detaillierten Aufnahmen von Ryugu, der einen Durch­messer von 900 Metern hat, und die Ein­schätzung seiner Gravitation auch für die Auswahl der Landestelle von Mascot. Ende August wird diese mit allen beteiligten internationalen Wissen­schaftlern und Ingenieuren festgelegt. Auch Hayabusa2 wird während der Mission zur Ober­fläche des Asteroiden sinken und dort mehrfach Boden­proben einsammeln. Ende 2019 macht sich die Sonde dann wieder auf den Weg in Richtung Erde, um dort 2020 mit Proben des Asteroiden anzukommen.

DLR / DE

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