Einstein Telescope: Lausitz und Sardinien besiegeln gemeinsame Bewerbung
TU Dresden, KIT und italienische Partner unterzeichnen Kooperationsvereinbarung für „Doppel-L“-Konfiguration.
Die Kandidatenregionen Lausitz und Sardinien gehen ihren gemeinsamen Weg zum großen europäischen Gravitationswellenobservatorium konsequent weiter: Führende deutsche und italienische Wissenschaftseinrichtungen haben am 17. Juli 2026 in Nuoro eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet und damit eine gemeinsame Bewerbung für die europäische Forschungsinfrastruktur beschlossen. Auf deutscher Seite wird die Kooperation von der Technischen Universtität Dresden und dem Karlsruher Institut für Technologie getragen. Zu den italienischen Partnern gehören das Istituto Nazionale di Fisica Nucleare INFN, das Istituto Nazionale di Astrofisica INAF sowie das Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia INGV.

Die Vereinbarung bildet die Grundlage für die wissenschaftliche Zusammenarbeit im Rahmen der „Doppel-L“-Konfiguration, bei der das Einstein Telescope künftig aus zwei komplementären L-förmigen Interferometern bestehen soll – einem in der Lausitz und einem auf Sardinien.
Die Rektorin der TU Dresden Ursula Staudinger sagte: „Die Kooperationsvereinbarung ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der Lausitz hin zu einem Standort für das Einstein Telescope. Sie unterstreicht den europäischen Gedanken dieses einzigartigen Forschungsprojekts und steht für unseren Anspruch, wissenschaftliche Exzellenz über Ländergrenzen hinweg zu gestalten. Als Exzellenzuniversität bringt die TUD ihre Stärken in den Bereichen Hochleistungsrechnen, KI-gestützte Datenanalyse, Optoelektronik und Präzisionsmesstechnik ein. Zugleich bietet das ET die große Chance, diese Schlüsseltechnologien wissenschaftlich und technologisch weiterzuentwickeln. Wir unterstützen diese gemeinsame europäische Bewerbung mit ganzer Kraft.“
Christian Stegmann, wissenschaftlicher Co-Leiter der Machbarkeitsstudie für das zukünftige Einstein Telescope in der Lausitz ergänzt: „Wir werden künftig in Europa beim Einstein Telescope noch enger zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit reicht weit über die eigentliche Forschungsinfrastruktur an den beiden Standorten in der Lausitz und auf Sardinien hinaus. Sie verbindet Wissenschaft, Innovation und Menschen in ganz Europa.“
„Wir sind überzeugt, dass die Umsetzung des Einstein Telescope in Form von zwei L-förmigen Interferometer-Detektoren die besten Voraussetzungen für den Erfolg des Projekts schafft. Diese Vision geht über die Zusammenarbeit der beiden Kandidatenstandorte hinaus und ebnet den Weg für eine wirklich europäische Forschungsinfrastruktur, die alle Partner in den Aufbau eines bedeutenden verteilten Netzwerks für die Gravitationswellenforschung einbindet,“ führt INFN-Präsident Antonio Zoccoli aus.
Mit der Vereinbarung setzen die Partner ein deutliches Signal für den gemeinsamen Aufbau einer europäischen Spitzenforschungsinfrastruktur. Das Einstein Telescope zählt zu den wichtigsten Forschungsinfrastrukturvorhaben Europas und ist zugleich eines der priorisierten Großvorhaben des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Die Kooperationsvereinbarung knüpft an die Absichtserklärung an, die der Freistaat Sachsen und die Autonome Region Sardinien im Januar 2026 unterzeichnet haben.
Das Einstein-Teleskop (ET) ist die geplante europäische Forschungsinfrastruktur der nächsten Generation zur Beobachtung von Gravitationswellen. Für den Bau gibt es derzeit drei international anerkannte Kandidatenregionen: die Lausitz, Sardinien sowie die Euregio Maas-Rhein. Die Standortentscheidung wird für die zweite Hälfte des Jahres 2027 erwartet. [TU Dresden / INAF / dre]















