Im neuen Transmissionselektronenmikroskopiezentrum, das am 14. April 2026 an der Erfenschlager Straße 73 feierlich eröffnet wurde, wollen Forschende Strukturen sichtbar machen, die weit unterhalb der Wellenlänge des sichtbaren Lichts liegen und so den Blick auf Atome, Moleküle und Bindungen der Materie ermöglichen. Dafür nutzen sie künftig eine Forschungsinfrastruktur auf internationalem Spitzenniveau.
„Der Kern des neuen eingeschossigen Hauses sind zwei hochempfindliche Transmissionselektronenmikroskope, die es uns ermöglichen, tief im Innern von Materialien deren Struktur und Eigenschaften auf molekularer und atomarer Ebene zu erforschen und anschließend die Erkenntnisse für neue Anwendungen nutzbar zu machen“, sagt Andreas Undisz, Inhaber der Professur Elektronenmikroskopie und Mikrostrukturanalytik an der TU Chemnitz, der das neue Zentrum leitet. So könne man zum Beispiel Vorgänge, die zu Materialschäden führen, sehr detailliert untersuchen, wodurch präzisere Aussagen zur Belastbarkeit und zur Lebensdauer von Bauteilen ableitbar seien.

„Mit diesem Neubau und den beiden Elektronenmikroskopen rückt die TU Chemnitz auf dem Gebiet der Materialforschung wieder zur Weltspitze auf. Die anspruchsvollen technischen Besonderheiten, die das gesamte Ensemble bietet, gibt es an nur wenigen universitären Standorten. Neben den drei Fakultäten profitieren auch Partnereinrichtungen der Universität davon. Das trägt dazu bei, dass die TU Chemnitz weiter an Attraktivität für Spitzenforscherinnen und -forscher aus der ganzen Welt gewinnt. So stärken wir gleichzeitig die gesamte Wissenschaftsregion Südwestsachsen“, so der sächsische Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow in einer Mitteilung des Staatsministeriums der Finanzen.
„Dies ist eine großartige Investition in die TU und damit den Wissenschaftsstandort Chemnitz, unsere Kernkompetenz Materialien und Intelligente Systeme sowie die nationale und internationale Sichtbarkeit unserer Universität. Wir bedanken uns sehr herzlich beim Freistaat Sachsen sowie bei allen Beteiligten, die den Aufbau des Zentrums tatkräftig unterstützt haben“, sagt Rektor Gerd Strohmeier. Die Prorektorin für Forschung und Universitätsentwicklung der TU Chemnitz Anja Strobel, die in Vertretung des Rektors den Schlüssel entgegennahm, fügte hinzu: „Das neue Transmissionselektronenmikroskopiezentrum, das die Expertise aus verschiedenen Forschungsbereichen der TU vereint, stärkt in Forschung und Lehre maßgeblich den MINT-Bereich unserer Universität und schafft sehr attraktive Bedingungen für neue interdisziplinäre Forschungsvorhaben sowie die Gewinnung und Ausbildung unseres akademischen Nachwuchses, indem es Forschenden und Studierenden den Zugang zu neuesten Technologien und Methoden in der Materialwissenschaft ermöglicht.“
Die mehr als vier Meter hohen Elektronenmikroskope liefern Aufnahmen von winzigsten Strukturen auf der Nanometerebene. „Damit diese empfindlichen Wunderwerke der Technik optimal arbeiten können, befinden sie sich in speziell abgeschirmten und klimatisierten Räumen und ruhen auf einer vibrationsdämpfenden 1,4 Meter starken Betonplatte“, erläutert Undisz. So werden mechanische, akustische, elektromagnetische und thermische Störquellen ferngehalten.
Die eigentlichen Untersuchungen mit den Forschungsgroßgeräten im geschützten inneren Kern des Gebäudes werden von separaten Räumen aus fernbedient durchgeführt. Voraussetzung für eine tiefgründige Materialanalyse in den beiden Transmissionselektronenmikroskopen ist die Herstellung von wenige Nanometer dünnen Materialproben, die in einem benachbarten Raum teilautomatisiert in einer Ionenfeinstrahlanlage erfolgt.
Der Vorteil des neuen Zentrums sei, dass nun die komplette Gerätetechnik rund um die hochauflösende Mikroskopie der TU Chemnitz an einem Standort konzentriert ist. Mehr als zwanzig Professuren der Fakultäten für Maschinenbau, Naturwissenschaften sowie Elektrotechnik und Informationstechnik nutzen die Geräte künftig für ihre trans- und interdisziplinäre Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung. Dabei kooperieren sie auch mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, etwa mit Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft, sowie mit Unternehmen.
Der neue Forschungsbau entstand seit September 2023 unter Leitung des Staatsbetriebes Immobilien- und Baumanagement (SIB). Architekten des Gebäudes sind Heinle Wischer, Dresden. Vor dem Eingang des Gebäudes steht die Plastik „Impact“, die die Künstlerin Stefanie Welk aus Walldorf bei Heidelberg im Rahmen des Wettbewerbs „Kunst am Bau“ gestaltete.
In die Baumaßnahme wurden rund 13,1 Millionen Euro investiert. Davon stammen rund 7,4 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (INFRA-EFRE). Der Anteil des Freistaates Sachsen beläuft sich auf rund 5,7 Millionen Euro. Das Bauprojekt wurde mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts. Für die Großgeräte stellten die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Freistaat Sachsen jeweils 3,5 Millionen Euro zur Verfügung, die stellvertretend für die drei beteiligten Fakultäten der TU Chemnitz durch die Professoren Christoph Tegenkamp, Martin Wagner und Bernhard Wunderle erfolgreich eingeworben wurden. [TUC / dre]














