24.05.2017

Energieforschung auf neuen Wegen

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Die Bereitstellung und Nutzung von Energie in der Zukunft ist eine zentrale Heraus­forderung unserer Gesell­schaft. Dieses Thema greifen das Forschungs­zentrum Jülich, die Westfälische Wilhelms-Universität Münster und die Univer­sität Siegen durch eine neue Forschungskooperation auf. Die drei Partner erforschen das Thema Energie aus sozial- und kultur- sowie aus ingenieur- und natur­wissen­schaft­licher Sicht und damit interdis­ziplinär. Das Ministerium für Inno­vation, Wissen­schaft und Forschung des Landes NRW (MIWF) unterstützt den Forschungs­verbund durch eine Förderung in Höhe von 500.000 Euro für drei Jahre.

„Das ist eine einzigartige Kooperation. Wir brauchen diesen inter­diszi­plinären Forschungs-Ansatz, denn die Heraus­forderungen unserer Gesellschaft sind ebenso inter­diszi­plinär. Wir benötigen nicht nur technologische und juris­tische Einordnungen, sondern auch soziale und ethische. Ich hoffe, dass diese Kooperation auf diesem Niveau beispiel­gebend ist“, sagte Wissen­schafts­ministerin Svenja Schulze bei der feier­lichen Unter­zeichnung der Koope­rations­verein­barung in der Nord­rhein-Westfä­lischen Akademie der Wissen­schaften und der Künste in Düsseldorf.

Seitens der Uni Münster wird der Lehrstuhl für Praktische Philo­sophie die gesell­schaft­lichen und normativen Aspekte der Energie­wende und Energie­versorgung erforschen. Das Forschungs­kolleg „Zukunft menschlich gestalten“ der Uni Siegen wird sozial- und geistes­wissen­schaftliche Fragen zum Umbau des Energie­systems erörtern. Das Institut für Energie- und Klima­forschung des Forschungs­zentrums Jülich befasst sich mit Fragen zur Analyse und Bewertung technologischer Entwicklungen und der Wechsel­wirkung solcher Entwicklungen mit Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Tagung „Zwischen Technik und Gesellschaft. Energie­verant­wortung: ihre Umbrüche, ihre Perspek­tiven“ gab den Startschuss für die neue Kooperation. „Der Weg zu erneuerbaren Energie­systemen ist mit gravierenden Verände­rungen verbunden. Es ist höchste Zeit, dass sich die beteiligten Fach­disziplinen zusammen­finden und gemeinsam forschen“, sagte Prof. Harald Bolt, Vorstands­mitglied des Forschungs­zentrums Jülich. Die Entwicklung von energie­effizien­teren Fahrzeugen nützt wenig, wenn Verbraucher ihr bisheriges Fahrzeug gegen ein größeres tauschen – und somit mehr verbrauchen. Ministerin Schulze berichtete von Kühl­schränken, die durch energiesparende Modelle ersetzt werden sollten, anschließend aber im Keller weiter genutzt werden, um Getränke zu kühlen. Schulze setzte als Ziel: „Wir möchten Lösungen, die in den Köpfen der Menschen ankommen.“

Einen ersten Einblick in mögliche Forschungs­themen gab Prof. Carl Friedrich Gethmann (Universität Siegen) mit seinem Festvortrag zum Thema „Globale Energie­gerech­tigkeit – eine konkrete Utopie“. Darin wies Prof. Gethmann auf die viel­fältigen Ausgangs­lagen der Nationen hinsichtlich ihrer Bodenschätze hin, woraus sich unter­schiedliche Bemühungen hinsichtlich des Klima­schutzes ableiten. „Was weltweit im Bereich des Klimaschutzes passiert, ist völlig offen. Wie verhält sich Belgien, wie China? Das ist die Stunde der Wissenschaft. Wir möchten fakten­basiert Impulse und Anregungen geben. In diesem Prozess müssen wir versuchen, die Gesamtlage zu beurteilen“, sagte Prof. Gethmann.

Nach der Unterzeichnung des Kooperations­vortrags beleuchteten drei Impuls-Vorträge die inter­diszi­plinäre Heran­gehens­weise der Projekt­partner an das Thema Energie. Prof. Bolt fasste den Status quo in der Energie­forschung zusammen und sprach über aktuelle Forschungs­felder wie beispiels­weise Photo­voltaik-Anlagen oder Batteriespeicher. „Viele dieser Themen werden in drei, vier oder fünf Jahren heiß werden“, sagte Prof. Bolt. Gelingt beispiels­weise die Erforschung einer Alter­native zu aktuellen Lithium-Ionen-Akkus, könnten Elektro­fahrzeuge mit einer Ladung zeitnah bis zu sechs­hundert Kilometer weit fahren.

Anschließend sprach Prof. Jürgen-Friedrich Hake aus Jülich über „Natür­liche Ressourcen zwischen leit­bild­orien­tiertem Handeln und regel­basiertem Manage­ment“ und bildete soziale und politische Aspekte des Energie-Themas ab. „Allein technische Lösungen können ein Problem nicht lösen. Wir müssen in der Politik zu anderen Entschei­dungs­prozessen kommen. Dafür müssen wir uns fragen, welche Werte uns wichtig sind“, sagte Prof. Hake.

Wie verschieden die Fachgebiete der Kooperationspartner sind, zeigte Prof. Michael Quante von der WWU in seinem abschlie­ßenden Vortrag über „Verantwort­barkeit und Zumutbarkeit/Akzeptabilität“. „Für wen handeln wir? Für unsere Kinder, Enkelkinder, für Menschen in fünfhundert Jahren? Wir müssen klären, welche Maßnahmen zumutbar sind und akzeptiert werden. Wir werden unsere Probleme nur über Bildung lösen können, daher müssen wir diesen Diskurs möglichst breit zugänglich machen“, sagte Prof. Quante und fasste zusammen: „In dieser Kooperation forschen Philosophen, Ingenieure und Sozial­wissen­schaftler zusammen. Inter­diszi­plinarität wird groß gedacht.“

U. Siegen / FZJ / OD

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