19.10.2023

Erneuerbare Energie durch Photoelektrochemie

Neues Verfahren ermöglicht Bestimmung struktureller Veränderungen von PEC-Materialien unter realistischen Betriebsbedingungen.

Die Photoelektrochemie, kurz PEC, birgt das Potenzial, erneuerbare Energie wie Sonnenlicht in nützliche grüne Brennstoffe umzuwandeln. Die meisten bereits bekannten PEC-Materialien leiden jedoch unter Stabilitätsproblemen, die im Dauerbetrieb zu einer Abnahme ihrer Leistung führen. Ein Forschungsteam der Unis Hamburg und München sowie des DESY hat im Rahmen des BMBF-Projektes LUCENT einen neuen multimodalen Aufbau entwickelt, der es ermöglicht, die strukturellen Veränderungen von PEC-Materialien unter realistischen Betriebsbedingungen vollständig zu bestimmen, wobei die Längenskalen von der atomaren Anordnung bis zur Gesamtmorphologie des Materials abgedeckt werden.

Abb.: Eine speziell für hochenergetische Röntgenstrahlung angefertigte...
Abb.: Eine speziell für hochenergetische Röntgenstrahlung angefertigte photoelektrochemische Zelle ermöglicht die Untersuchung der Struktur eines aktiven PEC-Materials.
Quelle: D. Derelli, U. Hamburg

Einer der Hauptgründe für den langsamen Aufstieg photoelektrochemisch basierter Technologien ist die geringe Stabilität der Katalysator-Materialien im Dauerbetrieb. „Die Bedingungen, unter denen photoelektrochemische Prozesse ablaufen können, sind recht extrem“, erklärt Francesco Caddeo von der Uni Hamburg. „Die Nutzung der Sonnenstrahlung, das Anlegen einer externen Spannung und das Vorhandensein chemischer Ionen im Elektrolyten führen dazu, dass die meisten photoelektrochemisch aktiven Materialien im Laufe der Zeit schnell abgebaut werden.“ Da viele dieser Zersetzungsphänomene weitgehend unbekannt sind, ist ihre Aufdeckung ein wesentlicher Schritt zur Entwicklung stabilerer und effizienterer PEC-Materialien.

„Aus chemischer Sicht ist die photoelektrochemische Wasserspaltung ein komplexer Prozess. Um die verschiedenen Prozesse zu verstehen, ist der Einsatz komplementärer Techniken, die das Problem aus verschiedenen Blickwinkeln sehen können, von entscheidender Bedeutung“, erklärt Dorota Koziej vom Fachbereich Physik der Uni Hamburg und Mitglied des Exzellenzclusters „CUI: Advanced Imaging of Matter“. „Einige Techniken, wie die Spektroskopie, zielen auf spezifische chemische Verbindungen ab, die sich an der Oberfläche des Materials oder im Elektrolyten bilden können. Im Gegensatz dazu gibt die Röntgenstreuung einen Gesamtüberblick über die atomare Anordnung im PEC-Material.“

Ein wichtiger Faktor ist zudem die Zeit, die für die Durchführung der Experimente benötigt wird. „Als wir begannen, die PEC-Eigenschaften von CuBi2O4-Filmen zu untersuchen, stellten wir sofort fest, dass ein schneller Photoabbauprozess stattfindet, der in nur wenigen Minuten einen Verlust von etwa neunzig Prozent der Materialeigenschaften bewirkt", erklärt Davide Derelli von der Uni Hamburg, einer der führenden Wissenschaftler der Studie. „Wir nutzten daher die Röntgenstrahlung der PETRA III-Synchrotronstrahlungsquelle am DESY, um Streuungsmuster mit hoher Zeitauflösung zu messen und so die Dynamik des Photoabbauprozesses genau zu verfolgen.“

Wenn die Röntgenstrahlen mit der Materialoberfläche wechselwirken, wird die gesamte Strahlung in verschiedenen Winkeln gestreut, wodurch charakteristische Muster entstehen. Bei niedrigen Winkeln enthalten die Streumuster Informationen über die äußere Form und Gestalt des PEC-Films, während höhere Winkel die atomare Anordnung offenbaren. Um beide Informationen gleichzeitig messen zu können, wurden zwei verschiedene Detektoren verwendet, die eine außergewöhnlich umfassende Darstellung der Materialstruktur während des PEC-Betriebs lieferten.

Koziej fasst bereits die nächsten wissenschaftlichen Herausforderungen ins Auge: „Das Verständnis des Abbaus von PEC-Materialien im Betrieb ist nur der erste Schritt. Ziel ist es, neue Strategien zu entwickeln, um sowohl die Stabilität als auch die Effizienz von PEC-Geräten zu erhöhen.“

U. Hamburg / RK


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