07.09.2026 • Großgeräte

Erste Positronen für den Future Circular Collider

SwissFEL-Test­quelle für den ge­plan­ten Teil­chen­be­schleu­ni­ger der nächs­ten Gene­ra­tion in Be­trieb ge­nom­men.

Herzstück der Positronenquelle ist ein Hochtemperatur-Supraleitermagnet mit einer Feldstärke von 15 T (Foto: 2025)
Quelle: PSI, Markus Fischer


Am Paul Scherrer Institut PSI sind die ersten Positronen an einer Testquelle für den geplanten Teilchenbeschleuniger der nächsten Generation am CERN erzeugt worden. Der Future Circular Collider (FCC) könnte in Zukunft die Nachfolge des Large Hadron Collider antreten. Die am Freie-Elektronen-Röntgenlaser SwissFEL installierte Quelle nutzt neue Techniken für eine hohe Positronenausbeute, darunter Hochtemperatur-supraleitende Magnete. Der erfolgreiche Test belegt die Machbarkeit des Konzepts für die Positronenquelle − ein wichtiger Meilenstein bei der Entwicklung des Elektron-Positron-Kolliders.

In einem unterirdischen Bunker im Kanton Aargau wurden an einer Testquelle, die die prinzipielle Machbarkeit zeigen sollte, erstmals Positronen erzeugt. „Das sind die ersten Positronen für das Future-Circular-Collider-Projekt und daher ein wichtiger Meilenstein“, sagt Paolo Craievich. Der Physiker vom Zentrum für Beschleunigerwissenschaften und -technologien am PSI leitet gemeinsam mit Riccardo Zennaro das PSI-Projekt zur Positronenproduktion, P³ genannt. Im FCC sollen Elektronen mit Positronen, zur Kollision gebracht werden. So hofft man, neue grundlegende Fragen über die Natur des Universums zu erforschen, die mit den heutigen Kollidern nicht zu beantworten sind.

Eine der größten technischen Herausforderungen des Kolliders besteht darin, genügend Positronen zu erzeugen und diese effizient zu einem Strahl zu bündeln – etwas, das mit den derzeitigen Technologien in dem erforderlichen Maßstab noch nicht möglich ist. Forschende am PSI haben daher in den letzten fünf Jahren eine leistungsstärkere Positronenquelle entwickelt, die nun am SwissFEL installiert ist.

Der Prototyp der Positronenquelle wird mit beschleunigten Elektronen aus dem SwissFEL getestet. Diese Elektronen treffen auf ein Wolfram-Target und erzeugen einen Positronenschauer. Die Positronenquelle soll möglichst viele dieser Teilchen aufnehmen und daraus mit starken Magnetfeldern einen fokussierten Strahl formen.

„Wenn die Elektronen auf das Target treffen, entstehen Positronen, die in viele verschiedene Richtungen fliegen“, erklärt Riccardo Zennaro vom Zentrum für Beschleunigerwissenschaften und -tech­no­lo­gi­en am PSI. „Die Herausforderung besteht darin, so viele wie möglich davon einzufangen und zu einem Strahl zu bündeln. Normalerweise geht in dieser Phase ein großer Teil verloren. Unsere ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass das neue System genügend Positronen einfangen könnte, um die Anforderungen des FCC zu erfüllen.“

Mehr zum Thema

Photo
Photo
Photo
Photo
Photo
Photo
Photo
Janna Katharina Behr • 9/2025 • Seite 69

Die Fingerabdrücke des Vakuums

Photo
Oliver Brüning und Helmut Burkhardt • 3/2023 • Seite 45

Ausbau für mehr Kollisionen

Das Herzstück der Positronenquelle ist der Einfangmagnet: ein Hochtemperatursupraleiter, der das Target umgibt. Um möglichst viele Positronen einzufangen, benötigt man ein extrem starkes Magnetfeld. Die Anforderungen überstiegen die Grenzen herkömmlicher supraleitender Magnettechnik. Deshalb entwickelten Spezialisten am PSI ein kompaktes System, das außergewöhnlich starke Felder aufrechterhalten kann und dabei im Betrieb stabil bleibt. Dieser Magnet ist für ein Feld von rund 15 Tesla ausgelegt. Zum Vergleich: Der Einfangmagnet an der Super­KEKB-Posi­tro­nen­quel­le in Japan – einer der leistungsstärksten derzeit in Betrieb befindlichen Quel­len – erreicht 3,5 Tesla.

Neben dem Einfangmagneten leiten, trennen und messen weitere neuartige Komponenten die am Target erzeugten Teilchen. Hochfrequenzgeräte beschleunigen und bündeln die Positronen, sodass sie sich effizient transportieren und schließlich in einen Kollider einspeisen lassen. Neu entwickelte Diagnosesysteme messen, wie viele Positronen erzeugt wurden, sowie deren Zeitablauf und Energie, wodurch die Forschenden beurteilen können, wie gut die neue Quelle funktioniert.

Dass nun erstmals Positronen erzeugt werden konnten, zeigt, dass die verschiedenen Komponenten wie vorgesehen zusammenwirken. „Diese Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt für das FCC“, sagt Michael Benedikt, FCC-Projektleiter am CERN. „Sie bestätigen das vorgesehene Konzept für die Positronenquelle und zeigen, dass sie das Potenzial hat, die hohen Anforderungen des Teilchenbeschleunigers zu erfüllen.“

Nachdem nun erstmals erfolgreich Positronen erzeugt wurden, werden die Forschenden die Strahlintensität erhöhen und das System optimieren. „Unser Ziel ist es, die Positronenproduktion so hochzuskalieren, dass sie den Anforderungen des FCC entspricht, und Erfahrungen mit dieser Art von Positronenquelle zu sammeln“, sagt Zennaro. [PSI / dre]

Anbieter

Paul Scherrer Institut PSI

Forschungsstrasse 111
5232 Villigen PSI
Schweiz

Kontakt zum Anbieter







Anbieter des Monats

RCT Reichelt Chemietechnik GmbH + Co.

RCT Reichelt Chemietechnik GmbH + Co.

Die Reichelt Chemietechnik wurde am 1. September 1978 als Vertriebs- und Produktionsgesellschaft von Dr. Peter Reichelt in Heidelberg gegründet, wobei sich das Unternehmen als „Mailorderhaus“ verstand.

Sonderhefte

Physics' Best und Best of
Sonderausgaben

Physics' Best und Best of

Die Sonder­ausgaben präsentieren kompakt und übersichtlich neue Produkt­informationen und ihre Anwendungen und bieten für Nutzer wie Unternehmen ein zusätzliches Forum.

Meist gelesen

Photo
30.04.2026 • NachrichtPanorama

Im freien Fall

Mit nichts als Schwerkraftantrieb vom Himmel zu fallen, führt zu den schnellsten Sportarten, aber auch zu den gefährlichsten, wie in der aktuellen „Physik in unserer Zeit“ beschrieben.

Themen