29.04.2011

Fernwärme für den Golfstrom

Eine Studie beleuchtet die Bedeutung von Strömungen des Indischen Ozeans für das europäische Klima.

Eine Studie beleuchtet die Bedeutung von Strömungen des Indischen Ozeans für das europäische Klima.

Vielen Europäern ist die Bedeutung des Golfstromsystems für das relativ milde Klima bekannt. Weit weniger geläufig ist die Fernwirkung von Meeresströmungen im Indischen Ozean bis in unsere Breiten. In einer Übersichtsstudie hat ein internationales Wissenschaftlerteam unter Beteiligung des Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) den Kenntnisstand über die Bedeutung des Agulhasstroms für das Klima zusammengefasst.

Abb.: Der Agulhasstrom (rotes Band) fließt entlang der südafrikanischen Küste. Südwestlich von Kapstadt vollzieht er eine abrupte Kehrtwende zurück in den Indischen Ozean. Dabei schnürt er Wirbel ab, die nach Westen in den Atlantik driften. (Bild: IFM-GEOMAR)

Der Agulhasstrom - wie der Golfstrom - eine der stärksten Strömungen im Weltozean, fließt im Indischen Ozean entlang der südafrikanischen Küste. Südwestlich von Kapstadt vollzieht er eine abrupte Kehrtwende zurück in den Indischen Ozean. Dabei schnüren sich alle drei bis vier Monate mächtige Wirbel von mehreren 100 km Durchmesser, die Agulhasringe, vom Hauptstrom ab. Diese bringen warmes und salzreiches Wasser aus dem Indischen Ozean in den Atlantik und bilden somit ein Schlüsselelement der weltweit verbundenen Meeresströmungen. Ein Teil des Wassers aus dem Indischen Ozean landet auch im Nordatlantik und kann über den Golfstrom auch Auswirkungen auf unser Klima haben.

„Es klingt ein wenig abenteuerlich, dass Strömungen um Südafrika einen Einfluss auf unsere Breiten haben“, gibt der Mitautor der Studie, Arne Biastoch vom IFM-GEOMAR, zu. Dennoch sei seit langem bekannt, dass dem Agulhasstrom eine wichtige Rolle für den Nachschub salzreichen Wassers in den Atlantik zukommt. Nachdem Biastoch schon mehrere Schlüsselarbeiten zu dem Thema publiziert hat, wurde in der jetzt veröffentlichten Studie das weltweit vorhandene Wissen verschiedener Forschergruppen zusammengetragen. Neben Simulationen mit Ozeanmodellen benutzten die Forscher aktuelle sowie paläoozeanographische Messdaten, um dieses Phänomen und seine Einflüsse auf den Atlantik möglichst genau zu beschreiben. Dabei standen vor allem durch den Klimawandel bedingte Änderungen im Fokus, die zu einem erhöhten Zustrom von Wasser aus dem Agulhasstrom in den Atlantik führen könnten.

Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel / AL


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