29.03.2010

Initiative für guten Physik-Unterricht

DPG plant Qualifizierungsprogramm für Quereinsteiger.

In Deutschland fehlen Lehrkräfte für Physik. Der Schulunterricht wird daher immer häufiger von Akademikern ohne didaktische Ausbildung gestaltet. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) hat ein Qualifizierungsprogramm entwickelt, mit dem diese „Quereinsteiger“ bundesweit besser auf das Unterrichten vorbereitet werden können. Für die Umsetzung dieses Vorhabens bemüht sich die DPG um eine finanzielle Unterstützung durch die Kultusministerien. „Es geht darum, Schülerinnen und Schülern in der aktuellen Situation den bestmöglichen Unterricht zu bieten“, sagt Rita Wodzinski, die im DPG-Vorstand den Bereich Schule verantwortet. „Denn nur mit gutem Physik-Unterricht können wir junge Menschen für Naturwissenschaften begeistern.“

Weil es nicht genügend ausgebildete Lehrkräfte gibt, haben inzwischen 12 Bundesländer die Möglichkeit geschaffen, dass studierte Physikerinnen und Physiker, mitunter auch andere Naturwissenschaftler oder Ingenieure, Physik unterrichten. Eine nun erschienene DPG-Studie auf der Basis von Daten der Goethe-Universität Frankfurt am Main macht diese Entwicklung in Zahlen deutlich: Für den Physik-Unterricht an Haupt-, Real-, Gesamtschulen oder Gymnasien wurden von 2002 bis 2008 bundesweit rund 3.000 Lehrkräfte eingestellt, die kein Lehramtsstudium absolviert hatten. Etwa 700 davon wurden direkt als Lehrkräfte beschäftigt, rund 2.300 in den Vorbereitungsdienst für das Lehramt übernommen. Auch diese Referendare tragen bereits Verantwortung für den Unterricht. Unter den Physik-Referendaren im Gymnasialbereich lag der Anteil derjenigen ohne universitäre didaktische Ausbildung bei 45 Prozent. „Diesen Quereinsteigern fehlen Kenntnisse über Lernwege und Lernschwierigkeiten von Schülern, über Medien und physikdidaktische Unterrichtskonzepte“, meint Rita Wodzinski. „Dieses Wissen können sie sich auch nicht durch Unterrichtserfahrung aneignen.“ Es gehe nicht allein um Vermittlungskompetenz, betont sie: „Didaktisch fit zu sein, bedeutet mehr, als nur fachlich korrekt erklären zu können. Man muss die Stellschrauben für eine effektive Gestaltung des Unterrichts kennen und benötigt Hintergrundwissen darüber, wie junge Menschen Physik lernen und begreifen.“

Qualifizierungsprogramm für Quereinsteiger

An diesem Punkt möchte die DPG mit einem bundesweiten Qualifizierungsprogramm ansetzen. Das Angebot richtet sich an „Quereinsteiger“, also an Referendare aller Schulformen, die Physik studiert haben, denen jedoch die physikdidaktische Ausbildung fehlt. „Wir können kein komplettes Studium nachholen, aber eine physikdidaktische Basisqualifikation vermitteln. Sie ist neben physikalischem Fachwissen Voraussetzung für guten Physik-Unterricht“, sagt Wodzinski.

Das Qualifizierungsangebot wurde von einem Konsortium mit Physik-Didaktikern diverser Hochschulen und Studienseminare entwickelt. Inhaltlich beruht das Programm auf Richtlinien der Kultusministerkonferenz. Es umfasst neun Themenblöcke oder Module, die jeweils Präsenzveranstaltungen und auch Übungen für das Selbststudium beinhalten. Wird das vollständige Programm durchlaufen, entspricht es einem Arbeitspensum von etwa neun Wochen. Das Programm soll jedoch nicht im Block, sondern als Serie von Kursen vor und während des Referendariats absolviert werden. Organisiert von der DPG sollen entsprechende Kurse an verschiedenen Standorten in ganz Deutschland angeboten werden. Wichtig angesichts der föderalen Strukturen: Die Module können von den Bundesländern in unterschiedlicher Weise genutzt werden.

DPG strebt Finanzierung durch Kultusministerien an

Die Entwicklung des Qualifizierungskonzepts wurde mit Mitteln der DPG unterstützt und durch Vorleistungen der Hochschulen ermöglicht. Das Fortbildungsprogramm ist ausgearbeitet: Die Kursmaterialien könnten nun kurzfristig erstellt werden und die Kurse im nächsten Schuljahr starten. Voraussetzung dafür ist allerdings eine finanzielle Unterstützung durch die Bundesländer. Wodzinski: „Dazu haben wir den Kontakt zur Kultusministerkonferenz aufgenommen.“

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