07.01.2008

Initiative gegen Fachkräftemangel

Mit einer Qualifizierungsinitiative will die Bundesregierung dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegentreten.

Berlin (dpa) - Mit einer Qualifizierungsinitiative will die Bundesregierung dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegentreten. Dazu wird das Kabinett nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa am Mittwoch einen Katalog an verschiedenen Maßnahmen beschließen. Vorgesehen sind unter anderem Prämien von bis zu 6000 Euro für Betriebe, die Jugendliche einstellen, die seit längerem auf der Suche nach einer Lehrstelle sind. Auch soll es Stipendien für Berufstätige geben, die sich ohne Abitur für ein Studium entscheiden. Insgesamt sollen mehr junge Menschen für ein Studium gewonnen werden, vor allem für die Ingenieur- und Naturwissenschaften.

Das Konzept von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bündelt die verschiedenen Maßnahmen der einzelnen Ministerien: Ausbau der Weiterbildung, eine zusätzliche Fortbildungsinitiative für 80 000 Erzieher und Tagesmütter mit EU-Mitteln, Einführung eines Freiwilligen Technischen Jahres, um junge Menschen frühzeitig für Technik und Naturwissenschaften zu gewinnen und bessere Information über Studiengänge.

Zugleich soll Schavan erneut mit den Ländern darüber verhandeln, wie die Zahl der Schulabbrecher halbiert werden kann. Nach offiziellen Angaben verließen vergangenes Jahr rund 76 000 Jugendliche die Schule ohne Hauptschulabschluss. Die Abbrecherquote liegt bei knapp acht Prozent. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete in ihrer wöchentlichen Videobotschaft die Halbierung dieser Zahl als «festes Ziel». Zukunft und Wohlstand hingen davon ab, «dass junge Menschen eine ausreichende und gute Bildung bekommen».

Verwiesen wird in dem Papier auf Projektionsrechnungen, wonach wegen höherer Anforderungen der Wirtschaft und auch in Folge des Geburtenrückganges in Deutschland von 2014 an zwischen 180 000 und 490 000 Akademiker fehlen werden, insbesondere Ingenieure und Naturwissenschaftler. Allein in den nächsten fünf Jahren würden 330 000 Akademiker aus Altersgründen ausscheiden - darunter 70 000 Naturwissenschaftler sowie 85 000 Ingenieure.

Der Konjunkturaufschwung habe zu einer stark anziehenden Nachfrage nach Fachkräften geführt, heißt es weiter. In einigen Branchen und Regionen sei bereits ein Mangel spürbar. Nicht nur Hochschulabsolventen aus Fächern wie Mathematik und Informatik, sondern auch Fachkräfte würden gesucht.

Beklagt wird zugleich, dass rund 15 Prozent der 20- bis 29- Jährigen über keinen Abschluss verfügen. Ungelernte seien überaus häufig von Arbeitslosigkeit betroffen. Mit Prämien zwischen 4000 und 6000 Euro will die Regierung Betriebe gewinnen, sogenannte Altbewerber einzustellen. Dies sind junge Leute, die sich seit längerem vergeblich um eine Lehrstelle bemühen. Meist haben sie keinen oder nur einen schlechten Schulabschluss. Schavan betonte in der ARD, gefördert würden nur zusätzliche Ausbildungsplätze. Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil begrüßte die Initiative.

Bekräftigt wird in der Vorlage die Absicht, künftig 40 Prozent eines Jahrganges zu einem Studium zu führen. Derzeit sind dies in Deutschland nur 36,6 Prozent - im Schnitt der 30 wichtigen OECD- Industriestaaten hingegen 54 Prozent. «Um international wettbewerbsfähig zu bleiben und den Fachkräftebedarf im akademischen Bereich und insbesondere im Ingenieurbereich langfristig zu decken, brauchen wir mehr Studierende», heißt es. «Mit einem Studium steigen auch die beruflichen Erfolgsaussichten. Denn nach wie vor verdienen Akademiker besser und werden seltener arbeitslos.»

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