21.12.2023

Iridium-Katalysatoren mit Titanoxiden verbessern

Röntgenspektroskopie zeigt: Titan-Zusatz verringert die Iridium-Auflösung.

Anoden für die elektrolytische Aufspaltung von Wasser bestehen meist aus auf Iridium basierenden Materialien. Um die Stabilität des Iridium-Katalysators zu erhöhen, hat nun ein Team am Helmholtz-Zentrum Berlin mit einer Gruppe des Helmholtz-Instituts Erlangen-Nürnberg eine Probe hergestellt, in der die Konzentration von Iridium und Titanoxiden systematisch variiert. Analysen der einzelnen Probensegmente an BESSY II im EMIL-Labor zeigten, dass sich die Stabilität des Iridium-Katalysators signifikant steigern lässt.

Abb.: Die Iridium-Atome (rot) sind in unterschiedliche Titanoxide eingebettet,...
Abb.: Die Iridium-Atome (rot) sind in unterschiedliche Titanoxide eingebettet, die für mehr Stabilität sorgen.
Quelle: M. van der Merwe, HZB

Eine Option, um Energie aus Sonne oder Wind zu speichern, ist die Produktion von Wasserstoff durch Elektrolyse. Wasserstoff speichert Energie in chemischer Form und setzt sie bei Verbrennung wieder frei, wobei keine Abgase entstehen, sondern nur Wasser. Heute wird Iridium als „State-of-the Art“-Katalysator genutzt. Allerdings löst sich Iridium im sauren Milieu der Elektrolysezelle zunehmend auf, so dass die katalytische Wirkung schnell nachlässt.

„Wir wollten untersuchen, ob sich die Stabilität des Katalysators durch Beimischung unterschiedlicher Anteile von Titanoxid verbessert“, sagt Marcus Bär vom HZB. Titanoxid ist katalytisch zwar nicht aktiv, aber stabil. „Wir hatten Hinweise darauf, dass die Titanoxid-Präsenz sich positiv auf die Stabilität auswirkt, ohne die katalytische Wirkung des Iridiums zu beeinflussen. Wir wollten aber auch herausfinden, ob es da ein ideales Mischungsverhältnis gibt.“

Die Probe wurde am Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg im Team von Olga Kasian durch Aufsputtern von Titan und Iridium mit lokal variierender Zusammensetzung hergestellt. Es handelt sich um eine Dünnfilm-Materialbibliothek, auf der die Iridium-Anteile von 20 bis 70 Prozent variieren.

An BESSY II analysierte das Team mit röntgenspektroskopischen Methoden, wie sich die chemische Struktur in Abhängigkeit vom Iridium-Gehalt der gemischten Iridium-Titanoxidproben änderte. Dabei spielten mehrere Effekte eine Rolle: So verbesserte die Gegenwart von Titan-Suboxiden die Leitfähigkeit des Materials. Spannend war auch der Befund, dass sich ein Teil der Titanoxide schneller im wässrigen Elektrolyten löste als Iridium, wodurch Mikroporen an der Oberfläche entstanden. Dadurch kamen mehr Iridium-Atome aus unteren Lagen in Kontakt mit dem Elektrolyten, was die Sauerstoffentwicklungsreaktion beschleunigte.

Der Haupteffekt war jedoch, dass die Anwesenheit von Titanoxiden tatsächlich die Auflösung von Iridium deutlich reduzierte. „Bei der Probe mit 30 Prozent Titanzusatz im Vergleich zu einem reinen Iridium-Elektrodenmaterial konnten wir eine um etwa 70 Prozent geringere Iridium-Auflösung sehen“, sagt Marianne van der Merwe vom HZB, die die Messungen durchgeführt hatte.

Doch wie relevant sind solche Ergebnisse aus der Laborforschung für die Industrie? „Wenn es etablierte Technologien gibt, ist es zunächst immer schwer, etwas zu ändern“, sagt Bär. „Aber wir zeigen hier, wie sich mit überschaubarem Aufwand die Stabilität der Anoden erhöhen lässt.“

HZB / RK


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