27.10.2010

ISS-Detektor geht helle Röntgen-Nova ins Netz

Japanisches ISS-Instrument und NASA-Satellit Swift untersuchen Lichtblitz im Sternbild Zentaur.

Japanisches ISS-Instrument und NASA-Satellit Swift untersuchen Lichtblitz im Sternbild Zentaur.

Am 17. Oktober verzeichnete MAXI, der „Monitor of All-Sky X-ray Image“ eine zuvor unbekannte Quelle in der Milchstraße. Dem NASA-Satelliten Swift gelang die Nachbeobachtung und die genaue Positionsbestimmung. Demnach handelt es sich um eine Röntgen-Nova in einigen zehntausend Lichtjahren Entfernung in Richtung des Südhimmel-Sternbilds Zentaur.

Abb.: Ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch sind so klein und üben eine so gewaltige Anziehungskraft auf einen Partnerstern aus, dass sie Gas von ihm zu sich herüberziehen. Dieses sammelt sich in einer flachen Scheibe an. (Bild: ESA)

MAXI erfasst alle 96 Minuten – der Umlaufdauer der Internationalen Raumstation ISS entsprechend, an der es montiert ist – den gesamten Himmel im Röntgenlicht. Es überwacht insgesamt um die tausend Quellen und verzeichnet ihre Helligkeitsschwankungen. Viele dieser Objekte sind Röntgendoppelsterne, bei denen Materie vom ausgedehnteren Stern zum kleineren strömt und dort auf die Scheibe aus bereits angesammeltem Gas prallt. Dieses erhitzt sich und gibt energiereiche Strahlung ab.

Bei Röntgen-Novae besteht einer der Doppelsternpartner aus einem Neutronenstern oder einem Schwarzen Loch. Sammelt dieses zu viel Material in der Scheibe an, wird sie instabil und das Gas stürzt nach innen. Dabei nimmt die Röntgenleuchtkraft um ein Vielfaches zu und es erscheint ein „neuer Stern“ am Himmel.

MAXI J1406-619, so die Bezeichnung des neu entdeckten Objekts, ist die zweite Röntgen-Nova, deren Licht das Experiment auffing. Diesmal jedoch konnten die alarmierten Astronomen am Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Maryland, den NASA-Satelliten Swift darauf ausrichten, der normalerweise nach Gammastrahlenausbrüchen Ausschau hält und ihr Nachglühen im Röntgenbereich beobachtet. Sein X-Ray Telescope bestimmte den Ursprungsort und das Spektrum der Strahlung mit großer Genauigkeit und schloss mögliche andere Quellen damit aus.


Abb.: Rechts: Himmelsausschnitt von zehn Grad um die Position J1406-619. Am 12.10. ist das Feld leer (rechts oben), am 17. leuchtet ein neues Objekt hell auf (rechts unten). Links: Der Satellit Swift konnte die genaue Lage der Quelle auf wenige Bogenminuten genau bestimmen, der Kreis markiert ein Bildfeld von 0,2 Grad. (Bild: JAXA/RIKEN/MAXI Team / Swift Team / NASA)

MAXI beobachtet seit etwas mehr als einem Jahr. Im Juli 2009 brachte das Spaceshuttle Endeavour die japanische Instrumentenplattform mitsamt dem Detektor zur ISS, wo die Besatzungen der Raumfähre und der Station alles wenige Tage nach dem Andocken installierten. Das Instrument bewährt sich mit diesem Fund als Bindeglied zwischen dem neuesten japanischen Röntgensatelliten Suzaku und dessen Nachfolger, der 2013 starten soll. Das neu entdeckte Objekt wollen die Astronomen regelmäßig beobachten, um genau zu ermitteln, aus welcher Art von Himmelskörpern sich das fragliche Doppelsternsystem zusammensetzt.

Oliver Dreissigacker / Physik Journal

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