27.07.2005

Maschinenbauer erwarten kleines Wachstum

Nach dem Boom-Jahr 2004 ist bei den deutschen Maschinenbauern die Euphorie verflogen.


Maschinenbauer erwarten kleines Wachstum

Frankfurt/Main (dpa) - Bei den deutschen Maschinenbauern ist die Euphorie verflogen. Nach dem Boom 2004 hat das Geschäft der drittgrößten Industriebranche im ersten Halbjahr dieses Jahres nicht mehr ganz so stark gebrummt. Die genauen Zahlen werden an diesem Donnerstag (28.7.) bekannt gegeben. Das anhaltend schwache Inlandsgeschäft, die schwankende Auftragslage und die hohen Stahlpreise dämpfen die Stimmung in der Branche. Zum Jahresende sollen drei Prozent Produktionswachstum unter dem Strich stehen - im vergangenen Jahr waren es noch mehr als fünf Prozent.

«2005 wird kein goldenes Jahr, aber es wird ein gutes Jahr», sagt der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Dieter Brucklacher. «Wir sind eine zyklische Branche, wir können nicht Jahr für Jahr deutliche Wachstumsraten erwarten.» Mit einem Plus von drei Prozent soll der Maschinenbau in diesem Jahr deutlich stärker als die Gesamtwirtschaft zulegen, der nur noch ein Wachstum von 1,0 Prozent zugetraut wird.

«Der Maschinenbau ist die tragende Säule der Wirtschaft und kein Sorgenkind», sagt Analyst Josef Auer von der Deutschen Bank. Konzerne wie Heidelberger Druckmaschinen oder der Abfüllanlagen-Produzent Krones sind weltweit führend auf ihrem Gebiet. Zweistellige Zuwachsraten verbuchten seit Januar die Hersteller von Bergbau- Maschinen und Fördertechnik, Druckerei-Maschinen und Lasertechnik. Das Produktionsvolumen von 147 Milliarden Euro in diesem Jahr wäre ein Rekord, die Exporte sollen über 100 Milliarden Euro klettern. 4000 neue Stellen könnten die Mitarbeiterzahl auf 870 000 bringen.

Dennoch fallen einige Schatten auf die Vorzeigebranche. Ihre Achillesferse sind die geringen Erträge von knapp vier Prozent vor Steuern. «In guten Jahren wie 2004 müssen die Maschinenbauer im zweistelligen Bereich verdienen, sonst wird es kritisch», sagt Industrieökonom Georg Licht vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Davon sind die Firmen aber meilenweit entfernt. «Beim nächsten Einbruch wird es dem Maschinenbau sehr schnell sehr schlecht gehen, weil kaum noch Polster da sind.» Vor allem kleine Firmen, die gerade so über die Runden kämen, seien gefährdet. Die Zahl der Pleiten werde kaum sinken. 2004 meldeten knapp 500 Unternehmen Insolvenz an.

Ein Grund für die stagnierenden Gewinne sind die hohen Stahlpreise, die die Kosten seit Monaten nach oben treiben. Der schwache Dollar vermindert ebenfalls die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen, die rund 70 Prozent ihrer Produkte ins Ausland verkaufen und damit Exportweltmeister sind. Die zunehmende Konkurrenz aus Asien macht den Deutschen das Leben schwer. «Die erhoffte Belebung im Inland steht unverändert aus», sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse. Die heimischen Aufträge blieben von Januar bis Mai um 10 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Angesichts dieser Risiken erwartet der VDMA für 2006 kein Wachstum mehr. Der Welthandel werde stagnieren, ein Ende der Investitionszurückhaltung in Deutschland sei nicht in Sicht. Dresdner Bank-Experte Rolf Sandvoß gibt sich dagegen optimistischer: «Der Maschinenbau wird mit 1,5 Prozent Plus von der leichten Erholung des Konsums und der Expansion der Weltwirtschaft profitieren.»

Marion Trimborn, dpa

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