09.03.2009

Merkur-Mission: 11,4 Millionen Euro für Planetologen der Universität Münster bewilligt

Die Raumfahrtagentur des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt stellt die Summe in den kommenden fünf Jahren für das Projekt "MERTIS" zur Verfügung


   
Einen Grund zum Feiern haben die WWU-Planetologen um Harald Hiesinger: Die Raumfahrtagentur des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellt dem Institut für Planetologie der Universität Münster in den kommenden fünf Jahren insgesamt 11,4 Millionen Euro für das Projekt "MERTIS" zur Verfügung.
Damit sind nun nach erfolgreichem Abschluss der technisch-wissenschaftlichen Vorstudien und Entwicklungsarbeiten die finanziellen Rahmenbedingungen geschaffen, um das Infrarotspektrometer "MERTIS" zu vollenden und eine Reihe von Ingenieursmodellen zu Testzwecken sowie das eigentliche Flugmodell zu bauen. Dieses wird im Jahr 2014 als eines von insgesamt elf europäischen Instrumenten des "Mercury Planetary Orbiter" (MPO) auf die sechsjährige Reise zum innersten Planeten des Sonnensystems, dem Merkur, geschickt werden. MPO ist eine Komponente der Mission "BepiColombo" der Europäischen Weltraumorganisation ESA.

MERTIS (Mercury Radiometer and Thermal Infrared Spectrometer), das unter der Federführung des Instituts für Planetologie mit Partnern aus Industrie und Forschung gebaut wird, ist ein miniaturisiertes Infrarotspektrometer. Die Kantenlänge seines Gehäuses, das Elektronik und Optik beherbergt, beträgt nur ungefähr 15 Zentimeter bei einem Gewicht von etwa drei Kilogramm. Während sich die Farben von einigen Mineralen im sichtbaren Wellenlängenbereich des Lichts kaum unterscheiden, wird MERTIS im thermischen Infrarot deutliche Abweichungen feststellen können. Das Instrument wird somit die detaillierte mineralogische Kartierung des Planeten Merkur ermöglichen. Mit diesem Wissen kann man Rückschlüsse auf die Entstehung des Planeten vor über viereinhalb Milliarden Jahren ziehen und seine geologische Entwicklung verstehen. Somit wird MERTIS ganz entscheidend dazu beitragen, die Geheimnisse des "Götterboten" zu lüften. Die Kenntnis der anderen Planeten im Sonnensystem wird letztlich helfen, auch die eigene Heimatwelt besser zu verstehen, so die an dem Projekt beteiligten Forscher.

"Die Beteiligung unseres Instituts an einer internationalen Raumfahrtmission birgt große Verantwortung, stellt aber auch eine ungeheure Chance dar. Wir sind hochmotiviert, uns weiterhin dieser Herausforderung zu stellen und in den kommenden Jahren facettenreiche Forschungs- und Managementaufgaben für MERTIS wahrzunehmen", sagt Harald Hiesinger, geschäftsführender Direktor des Instituts für Planetologie und Projektleiter von MERTIS.

Die Mittel von 11,4 Millionen Euro, die die Raumfahrtagentur des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) vertretend für das Bundeswirtschaftsministerium zur Verfügung stellt, werden vielfältig verwendet werden. Neben Forschungs- und Entwicklungsverträgen mit den Einrichtungen "Optische Systeme" und "Planetenforschung" des DLR am Berliner Standort in Adlershof wird es auch solche mit Partnern aus der deutschen Raumfahrtindustrie geben. Das Institut für Planetologie der WWU entwickelt MERTIS gemeinsam mit den Berliner DLR-Instituten, während die Industrie einzelne Komponenten der Hard- und Software beisteuert und technische Studien erarbeitet.

Darüber hinaus werden mit den Fördermitteln auch wichtige Forschungsaufgaben des Instituts für Planetologie finanziert, die den Erfolg von MERTIS sichern sollen. Um nämlich von den späteren Messungen des Instruments auf die tatsächlich beobachteten Minerale schließen zu können, sind vorbereitende Laboruntersuchungen an sogenanntem Analogmaterial durchzuführen - an Mineralen also, von denen man annimmt, dass sie an der Oberfläche des Merkurs vorkommen. Hierzu kommen Methoden der analytischen Planetologie zum Einsatz, für die das Institut für Planetologie eine beachtliche Expertise vorweisen kann. Ziel ist es herauszufinden, welchen Einfluss zum Beispiel Temperatur, Weltraumstrahlung oder Materialparameter auf die messbaren Spektren haben.

Westfaelische Wilhelms-Universität Münster


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