22.08.2018

Mit Sensoren gegen Falschfahrer

In Leitpfosten integriertes Frühwarn­system zur Markt­reife ent­wickelt.

Nachwuchswissenschaftler der Universität des Saar­landes haben ein System ent­wickelt, das Geister­fahrer stoppen und Unfälle ver­hindern kann. Für ihre solar­betrie­bene Erfindung, die kosten­günstig in Leit­pfosten am Straßen­rand ein­gebaut wird, erhielten sie schon im Studium mehrere Preise. Mit einem EXIST-Stipen­dium gründen sie derzeit eine Firma. Derzeit sammeln die Forscher an saar­län­dischen Auto­bahnen Massen­daten, um die Soft­ware auszu­feilen und zu ver­feinern.

Abb.: Das Sensorsystem gegen Falsch­fahrer, das Daniel Gillo (l.), Benjamin Kirsch und Julian Neu (r.) an der Saar-Univer­sität ent­wickelt haben, wird im oberen Teil eines Leit­pfostens instal­liert. (Bild: Ehrlich, UdS)

Falschfahrer sind international ein Problem. Immer wieder kommt es zu Unfällen, die wegen der Wucht des Frontal­auf­pralls oft töd­lich enden. Systeme, die abhelfen, sind meist teuer, auf­wändig oder brachial – wie Krallen, die Reifen auch von Kranken­wagen und Polizei platzen lassen. Und so bleiben heute Auto­bahnen vieler­orts unge­schützt. Mit ihrem solar­betrie­benen Sensor­system liefern Daniel Gillo, Benjamin Kirsch und Julian Neu eine eine kosten­günstige Lösung. Ein­ge­baut ist es in Leit­pfosten, die ohne­hin am Straßen­rand stehen.

„Unser Sensorsystem erkennt Falschfahrer und kann Fahrer, Polizei und Verkehrs­funk sofort warnen. Auch weitere Reak­tionen können wir program­mieren. So könnte etwa über ein ver­bun­denes Leit­system die Straße gesperrt werden“, erklärt Neu. Die drei haben das „Ghost­buster“ genannte System während des Studiums ent­wickelt. Ihre Firma T-ProTex hat ihre Keim­zelle auf dem Campus am Lehr­stuhl für Mikro­mechanik, Mikro­fluidik und Mikro­aktorik von Helmut Seidel.

Nach Testläufen auf dem Campus sammeln die Gründer mit ihren Leit­pfosten jetzt Daten an saar­län­dischen Auto­bahnen, um die Soft­ware ihres Systems für den Praxis­ein­satz aus­zu­feilen. Das Verkehrs­minis­terium hat hier­für alle Zustän­digen im Land - vom Straßen­bau­amt über die Verkehrs­leit­stelle bis hin zur Polizei – an einen Tisch gebracht. „Es hat uns über­rascht, wie viele Türen uns geöffnet werden. Wir hatten eine E-Mail an die Verkehrs­minis­terin geschrieben und ihr unser System vor­ge­stellt. Darauf hat sie uns ein­ge­laden, es zu präsen­tieren. Als wir zu dem Termin kamen, war der Saal voller Ent­scheider aus den unter­schied­lich­sten Bereichen, die alle interes­siert waren“, erzählt Neu.

Mit Sensoren kommen die Jungingenieure den Geisterfahrern auf die Spur. „Ein Infra­rot-Bewegungs­sensor erfasst pausen­los jede Bewe­gung im Umfeld von rund zehn bis zwölf Metern des Leit­pfostens“, erklärt Kirsch. Nähert sich ein Wagen, akti­viert dieser Sensor zwei weitere, die an den Seiten des Leit­pfostens ein­ander gegen­über­liegen. Dadurch, dass das Auto erst an einem Sensor und Sekunden­bruch­teile später am anderen vorbei­fährt, erfasst das System, in welcher Rich­tung das Fahr­zeug fährt. „Weil nur einer der Sensoren ständig aktiv ist, der das System nur bei Bedarf auf­weckt, arbeitet es sehr energie­sparend“, ergänzt Gillo. Auch unter­scheidet es zweifels­frei Autos von anderen Störungen. „Ein Mikrofon erfasst hierzu Geräusche – allein das Geräusch der Reifen auf dem Asphalt genügt schon“, erläutert er. Das Zusammen­spiel der Sensoren ist bereits aus­ge­reift, in vielen Tests haben die Gründer die Anord­nung und die Signal­ver­arbei­tung opti­miert. Mit den neuen Massen­daten ver­feinern sie jetzt die Algo­rithmen, die dem System exakt sagen, was es wann tun soll.

Die Idee zu ihrer Erfindung kam den Studenten nach einer Vor­lesung von Seidel. An seinem Lehr­stuhl forschten Gillo, Neu und Kirsch als studen­tische Mit­arbeiter schon während ihres Studiums. Jetzt hat ihre Firma T-ProTex in einem Raum des Lehr­stuhls ihr Büro. „Das ist für unseren Start der ideale Rahmen. Der ständige Aus­tausch mit Profes­soren, Wissen­schaftlern und Experten etwa von der Kontakt­stelle für Wissens- und Techno­logie­transfer ist für uns Gold wert, von ihrem Know-how und ihrer Erfah­rung profi­tieren wir sehr“, sagt Neu.

UdS/RK

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