05.09.2023

Molybdänkomplex für lichtgetriebene Anwendungen

Kostengünstige Molybdänverbindung ist für Photokatalyse und Photonen-Aufwärtskonversion einsetzbar.

Die Art und Weise, wie wir Energie erzeugen und nutzen, bedarf dringend einer Änderung. Daher arbeiten Wissenschaftler intensiv daran, nachhaltige und gleichzeitig kostengünstige Materialien für licht­getriebene chemische Anwendungen zu finden. Die bisherige Forschung konzentrierte sich größtenteils auf Verbindungen der teuren Edel­metalle oder seltenen Erden, von denen es nur begrenzte Vorkommen gibt, beziehungsweise deren Abbau sehr energie­aufwendig ist. Große Fortschritte wurden in den letzten Jahren mit Verbindungen erzielt, die auf häufigeren Metallen basieren – allerdings ist die Herstellung dieser Materialien meist sehr aufwendig und ressourcen­intensiv.

 

Abb.: Der Molybdän­komplex ist ein roter Feststoff (links). In Lösung zeigt...
Abb.: Der Molybdän­komplex ist ein roter Feststoff (links). In Lösung zeigt er unter Bestrahlung mit blauem Licht eine rote Lumineszenz (rechts). (Bild: W. Kitzmann)

Einem Forschungsteam der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (JGU), der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) und des Max-Planck-Instituts für Polymer­forschung (MPI-P) ist nun ein bedeutender Durchbruch gelungen. Das Team unter der Leitung von Katja Heinze und ihrem Doktoranden Winald Kitzmann hat dazu das Beste aus beiden Welten kombiniert: ein kostengünstiges, reichlich vorhandenes Metall, nämlich Molybdän, und eine einfache Synthese­methode. Das erzeugte Molekül erwies sich als sehr vielseitig, was für die Umwandlung von nieder- zu hoch­energetischem Licht und den Einsatz als Photokatalysator für chemische Reaktionen gezeigt werden konnte – zwei Prozesse, die in Zukunft dazu beitragen können, dass wir unsere Energie besser nutzen.

In ihrer neuen Studie stellen die Autoren einen neuen Ansatz vor, um auf der Basis eines Molybdänatoms in Verbindung mit Carbonyl­liganden stabile photoaktive Komplexe zu entwerfen. Die Synthese dieses Moleküls ist sehr einfach und erfordert nur zwei Schritte. „Viele Beispiele aus der Forschungsliteratur haben fantastische Eigenschaften, aber es dauert Monate, um sie herzustellen“, sagt Alexander Fischer, der im Rahmen seiner Master­arbeit zur Arbeitsgruppe um Katja Heinze gestoßen ist und die Studie mitverfasst hat. „Ich war begeistert, als ich sah, dass man den Molybdänkomplex in nur einem Tag synthetisieren kann.“

Mithilfe der hochentwickelten Laserspektrometer der JGU, der RPTU und des MPI-P zeigte das Team, dass der Komplex durch die Absorption von Licht in einen angeregten Zustand übergeht, der für mehrere Hundert Nanosekunden besteht. „Das klingt zunächst kurz, aber es ist lang genug, um den angeregten Zustand für photo­chemische Umwandlungen zu nutzen“, erklärt Winald Kitzmann. „Tatsächlich wurde diese Art des angeregten Zustands und seine Reaktivität bereits mit Edelmetall­komplexen gut erforscht. Daher wussten wir direkt, wie wir den angeregten Komplex am besten nutzen können.“

Carbonylkomplexe sind bekannt dafür, sich unter Lichteinstrahlung zu zersetzen – ein Bedenken, das von Anfang an wie ein Damoklesschwert über dem Projekt hing. Schließlich erwies sich der Molybdän­komplex aber als ausgesprochen photostabil. „Diese bemerkenswerte Stabilität – selbst bei hohen Lichtintensitäten – hat uns wirklich überrascht“, so Katja Heinze, Professorin am Department Chemie der JGU. „Im Gegensatz zu vielen früheren Beispielen ist die Nutzbarkeit dieses neuen Komplexes nicht durch eine geringe Photo­stabilität beschränkt.“

Die Anwendung der Molybdän-Carbonyl-Verbindung zielte auf zwei Bereiche ab: Photonen-Aufwärtskonversion und Photo­katalyse. Die Photonen-Aufwärtskonversion könnte prinzipiell dazu beitragen, die Effizienz von Solarzellen zu verbessern. Bei der Photo­katalyse wurde der Molybdänkomplex eingesetzt, um eine chemische Reaktion mit Licht anzutreiben, die sonst recht harsche Bedingungen benötigt. In beiden Fällen hat das neue Material sehr gut abgeschnitten und teilweise sogar bessere Ergebnisse geliefert als traditionelle Edelmetall­verbindungen.

Die Forschungsarbeit leistet nach Einschätzung der Autoren einen wichtigen Beitrag auf dem Feld der nachhaltigen Photochemie, indem sie einen vielversprechenden Weg für die Entwicklung von kostengünstigen Materialien mit nützlicher Photoaktivität aufzeigt. „Die Zusammen­arbeit ist maßgeblich für den Erfolg des Projekts verantwortlich“, sagt Katja Heinze. „Wir konnten die verschiedenen Herausforderungen nur überwinden und diese bemerkenswerten Ergebnisse erzielen, indem wir unsere Expertise und Ressourcen gebündelt haben.“

Die Teamarbeit von Forschern der JGU, der RPTU und des MPI-P hat nicht nur neue Möglichkeiten mit Molybdän als billiges, häufiges Metall aufgezeigt, sondern auch ein einfaches Design präsentiert, das auf ein aufwendiges Liganden­gerüst verzichtet. „Wir freuen uns, diesen photostabilen Molybdän-Carbonyl-Komplex vorstellen zu können, und sind gespannt, welche Anwendungsmöglichkeiten und Weiter­entwicklungen des Konzepts in der Zukunft aus unserer Arbeit folgen“, fasst Winald Kitzmann zusammen.

JGU / DE

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