29.01.2007

Monsterwellen in Berlin

Mitten in Berlin werden künftig gefährliche Monsterwellen erforscht. Dafür wurde ein 120 Meter langes, acht Meter breites und gut einen Meter tiefes Seegangsbecken für umgebaut.

Monsterwellen in Berlin

Berlin (dpa) - Mitten in Berlin werden künftig gefährliche Monsterwellen erforscht. Fachleute der Technischen Universität haben dafür ein 120 Meter langes, acht Meter breites und gut einen Meter tiefes Seegangsbecken für ihre Bedürfnisse umgebaut. «Bis zu drei Meter lange Schiffsmodelle können hier getestet werden», berichtete Prof. Günther Clauss vor der Poseidon-Taufe des Forschungsbeckens am Freitag. Außer der Simulation extrem hoher Wellen sollen dort auch Kenterversuche vorgenommen und neue Verfahren zur Bekämpfung von Öl nach Unfällen entwickelt werden.

«Die Havarie des Container-Schiffs vor der englischen Küste ist derzeit das beste Beispiel dafür, warum diese Forschung so dringend nötig ist», erläuterte Clauss. «Wir müssen zum einen bessere Schiffe bauen, sie außerdem besser beladen und drittens anhand moderner Wetter- und Wellenvorhersagen sichere Routen für sie finden.» Dieser Computer-gesteuerte Umgang mit Schiffen (Computer Aided Ship Handling, kurz: CASH) ist eines der Projekte, an dem die TU-Experten mit finanzieller Unterstützung mehrerer Bundesministerium arbeiten.

Im neuen Berliner Becken sollen dazu die ersten, kleineren Tests mit künstlich erzeugten Wellen und unterschiedlich beladenen Schiffsmodellen erfolgen; für größere Versuchsanordnungen arbeiten die TU-Forscher dann unter anderem mit der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt zusammen.

In Hannover, wo es ebenfalls einen großen Wellenkanal gibt, haben die Berliner mit ihrer speziell entwickelten Wellen- Simulationstechnik sogar einen Weltrekord aufstellen können. «Mit einfachen mechanischen Verfahren können wir dort 3,20 Meter hohe Wellen erzeugen. Das ist ungefähr so, als würde ein VW Käfer 300 Stundenkilometer fahren», sagte Clauss.

Monsterwellen oder «Freakwaves» werden hoch aufgetürmte Wellenberge genannt, die die «signifikante Wellenhöhe», also den Mittelwert der höchsten Wellen in einem Seegang, um mindestens das Doppelte überschreiten. Für die nördliche Nordsee, wo das «hohe Wellenmittel» fünfzehn Meter beträgt, würden die Fachleute ab rund 30 Metern von einer Monsterwelle sprechen.

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