15.09.2026 • Quantenphysik

Nachweis von Fraktonen in Quantenspinflüssigkeiten

Nach der Vor­her­sa­ge durch all­ge­mei­ne­re Eich­feld­the­o­rien tauchen die Quasiteilchen auch in einem Quanten-Fest­kör­per­modell auf.

Quasiteilchen entstehen durch das komplexe Zusammenspiel von vielen Teilchen in Festkörpern, z.B. beschreiben wir die Gitterschwingungen in Kristallen als Phononen. Fraktonen sind exotische Quasiteilchen, die an den Eckpunkten von magnetischen Domänenwänden zwischen unterschiedlichen Spinordnungen auftreten. Das Besondere an ihnen: Sie sind quasi unbeweglich und können nur durch den Einsatz weiterer Fraktonen versetzt werden. In der Theorie ließe sich diese eingeschränkte Beweglichkeit ausnutzen, um Quanteninformationen robust zu speichern.

Die hier abgebildete Verteilung der Fouriertransformierten der Spinkorrelation...
Die hier abgebildete Verteilung der Fouriertransformierten der Spinkorrelation im Impulsraum lässt sich als Indikator für die Existenz von Fraktonen nutzen
Quelle: HZB / Niggemann et al. (2026); CC-BY-4.0

Theoretische Physiker:innen postulieren die Existenz von Fraktonen in verschiedenen Systemen, z.B. in Quantenspinflüssigkeiten. Das sind exotische Materialzustände in Kristallen, bei dem die magnetischen Momente der Elektronen auch am absoluten Nullpunkt keine feste Ordnung annehmen, sondern wie Atome in einer Flüssigkeit ständig in Bewegung bleiben.

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Die postulierten Fraktonen in einer Quantenspinflüssigkeit konnten bisher nicht experimentell beobachtet werden und auch ihre theoretische Vorhersage war nur innerhalb von sehr verallgemeinerten Eich­feld­the­o­ri­en – Rang-2 U(1) Eich­the­o­ri­en – möglich. Dem Team um Johannes Reuther und Nils Niggemann ist nun ein großer Schritt auf dem Weg zum experimentellen Nachweis gelungen, indem sie die theoretische Vorhersage auf ein realistischeres Fest­kör­per­modell übertragen haben.

Im Gegensatz zu klassischen Modellen simulieren sie auch Quanteneffekte. Dies führte in vorherigen Veröffentlichungen jedoch zu enttäuschenden Ergebnissen. Die Quanteneffekte waren entweder in ihrer Wirkung zu stark oder zu schwach, sodass die Fraktonen entweder zerstört oder nur als klassische Teilchen ohne jegliche Quanteneigenschaften existieren konnten. Durch eine verbesserte Modellierung, unter anderem der Spinwechselwirkungen, konnte in numerischen Simulationen nun ein Nachweis für diese Materiephase erbracht werden.

„Bei der Modellierung dieser komplexen Spinwechselwirkung profitieren wir vom persönlichen Austausch mit HZB-Kol­leg:in­nen aus der experimentellen Festkörperphysik“, so Prof. Reuther. Die nächste Herausforderung auf dem Weg zum experimentellen Nachweis besteht nun darin, reale Materialien zu entwickeln, die die Eigenschaften des theoretischen Modells widerspiegeln. Hier könnten Rydberg­atom-Simu­la­to­ren interessante Kandidaten für die experimentelle Realisation eines Nachweisexperimentes sein. [HZB / dre]

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