11.10.2004

Neue Studien belegen alte These

Ein abgeschlossenes Hochschulstudium bietet nach wie vor die besten Chancen für einen Arbeitsplatz.


Berlin (dpa) - Neue Studien belegen eine alte These: Ein abgeschlossenes Hochschulstudium bietet nach wie vor die besten Chancen für einen Arbeitsplatz. Die Warnungen vor einer «Akademikerschwemme» oder gar die Klagen über den «taxifahrenden Dr. Arbeitslos», mit denen noch bis in die 90er Jahre hinein junge Leute vom Studium abgeschreckt werden sollten, blieben eine Stammtischfiktion.

Der neue OECD-Bildungsreport enthält erstmals auch einen Langzeit-Vergleich über die Arbeitsmarktchancen von Akademikern und Absolventen einer betrieblichen Lehre. In der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen liegt die Arbeitslosenquote von Facharbeitern mit 6,2 Prozent nur geringfügig über dem Arbeitslosenrisiko von Hochschulabsolventen (4,1 Prozent). Doch während bei den Akademikern bis in die Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen hinein diese Quote kaum steigt, klettert sie bei den Absolventen einer Lehre auf 8,3 Prozent. Bei den 55- bis 59-jährigen Facharbeitern liegt dieses Arbeitslosenrisiko dann sogar bei knapp unter zehn Prozent - während es bei den Akademikern bei 5 Prozent verharrt.

Die Forscher der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erkennen in ihrer Untersuchung an, dass das deutsche System der dualen Berufsausbildung (betriebliche Lehre und staatliche Berufsschule) im weltweiten Vergleich den jungen Menschen zunächst einen realativ «reibungslosen Übergang von der Schule ins Berufsleben sicherstellt». Diesem erfolgreichen Start in den Job stehen dann allerdings wachsende Arbeitsmarktrisiken in späteren Lebensjahren gegenüber.

Der OECD-Koordinator Andreas Schleicher: «Offenbar gelingt es Absolventen einer Lehre weniger, mit zunehmenden Alter sich den schnell wandelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen - während Hochschulabsolventen hierbei kaum Probleme haben.»

In allen Industriestaaten gibt es auf dem Arbeitsmarkt einen Trend zur Höherqualifizierung. Im OECD-Schnitt erreichen heute etwa 32 Prozent eines Altersjahrganges einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss - in Finnland und Australien sogar schon mehr als 45 Prozent. In Deutschland sind dies dagegen bescheidene 19 Prozent. Laut Schleicher hat die weltweite «Akademisierung» des Arbeitsmarktmarktes fast nirgendwo zum Anstieg der Arbeitslosigkeit von Hochschulabsolventen oder zu einer deutlichen Senkung ihrer Gehälter geführt.

Auch das Hochschul-Informations-Systems (HIS) stellt jetzt die guten Arbeitsmarktchancen für Akademiker heraus: Fünf Jahre nach ihrem Studienabschluss zeigten sich bei einer aktuellen Befragung 84 Prozent der Jung-Akademiker mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden und bezeichnen ihre Tätigkeit als angemessen.

In Deutschland ist der Anteil der Studienanfänger pro Jahrgang seit 1998 von 28 Prozent auf 36 Prozent gestiegen - während im OECD-Durchschnitt schon jeder Zweite ein Studium aufnimmt. Bildungsforscher sehen hier zu Lande jedoch kaum noch Potenzial für eine weitere Steigerung. Denn der Anteil der 15-Jährigen, die im Gymnasium das Abitur anstreben, stagniert seit mehr als einem Jahrzehnt bei 30 Prozent. Nach dem miserablen Abschneiden beim PISA-Schultest haben die meisten Bundesländer die Zugangshürden zu gymnasialer Bildung noch erhöht.

Die Direktorin des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Jutta Allmendinger, sieht zugleich wenig Chancen, die Studentenzahl durch Quereinsteiger ohne klassisches Abitur oder durch beruflich Vorgebildete in nennenswertem Umfang zu steigern. Kaum ein Kultusminister ist derzeit bereit, dafür offensiv zu werben.

Diese Stagnation bei der Bildungsbeteiligung bei gleichzeitigem Geburtenrückgang wird nach Allmendingers Prognose auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu einer dramatischen Fachkräftelücke führen. Schon wenn die «Kinder der ersten Bildungsexpansion» - die heute 50- bis 64-Jährigen - in den nächsten zehn Jahren aus dem Arbeitsleben ausscheiden, werde es schwer werden, für diese Höherqualifizierten aus den geburtenstarken Nachkriegsjahrgängen ausreichend Ersatz zu bekommen. Noch deutlicher werde sich das dann aber zeigen, wenn erst einmal die heute 35- bis 49-Jährigen in Rente gehen.

Karl-Heinz Reith, dpa

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