17.06.2011

Neue Waffe im Kampf gegen Krebs

Radionuklid-Therapie mit Terbium gegen kleine Tumore und Metastasen.

Radionuklid-Therapie mit Terbium gegen kleine Tumore und Metastasen.

Im Kampf gegen Krebs könnte der Medizin schon bald ein neuer Verbündeter zur Seite stehen: Terbium-161. Seine wichtigste Waffe: kurzreichweitige Konversions- und Auger-Elektronen. Aufbauend auf dem Radionuklid Terbium-161 haben Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) eine neue Therapie entwickelt, mit der vielleicht schon bald kleinere Tumore und Metastasen gezielter behandelt und umliegendes Gewebe geschont werden können.

Neben Bestrahlung und Chemotherapie ist auch die Radionuklid-Therapie ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Krebs geworden. Dabei werden radioaktive Elemente in den Blutkreislauf der Patienten injiziert. Gebunden an spezielle Moleküle, die sich bevorzugt an Krebszellen anlagern, werden sie vom Herzen durch den Körper gepumpt, bis sie sich schließlich an die Zellwand einer Krebszelle anheften. Dort zerfallen sie und geben dabei Strahlung an ihre Umgebung ab. Diese attackiert die Krebszellen aus nächster Nähe und zerstört sie im besten Fall.

Ein bereits in der Klinik eingesetztes Nuklid ist das Lutetium-177, bei dessen Zerfall Beta-Teilchen entstehen. Da ihre Reichweite in menschlichem Gewebe bis zu 100 Mikrometer beträgt, was dem Fünffachen des Durchmessers einer Tumorzelle entspricht, können sie auch gesundes Gewebe schädigen. Anders sieht das bei dem Nuklid Terbium-161 aus. Dieses emittiert nicht nur die Beta-Teilchen sondern auch zusätzlich Konversions- und Auger-Elektronen, deren Reichweite zwischen 0,5 und 30 Mikrometern liegt. Sie liegen damit genau im Bereich der Größe einer Tumorzelle und eignen sich daher zur Bekämpfung kleinerer Tumore und Metastasen.

Wie Lutetium ist Terbium ein Metall der sogenannten Seltenen Erden. Die Elemente der Seltenen Erden sind sich chemisch sehr ähnlich, was den Vorteil hat, dass die für Lutetium-177 ausgearbeitete medizinische Applikation auch für Terbium-161 nutzbar ist. Zudem ist es aufgrund seiner Halbwertszeit von nur 6,9 Tagen für therapeutische Zwecke gut geeignet. Einerseits ist es nach der Produktion ohne größeren Aktivitätsverlust in die anwendende Klink zu transportieren, anderseits ist die Strahlung bereits nach 50 Tagen auf ein Prozent des ursprünglichen Wertes abgeklungen.

Hergestellt haben die Forscher das Terbium-161 durch Neutronenbestrahlung an der Garchinger Forschungs-Neutronenquelle FRM II aus Gadolinium-160. In Kooperation dem Paul Scherrer Institut in Villigen (Schweiz) konnten sie die Wirksamkeit des Nuklids an Krebszellen im Labor nachweisen. Doch dies ist nur der erste Schritt auf dem Weg zum fertigen Medikament. Bevor es in Kliniken Menschen verabreicht werden darf, muss noch eine Vielzahl an Tests absolviert werden.

TU München / MH


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