26.04.2018

Nichts, Alles und die Zeit

30 Jahre Vakuum in Forschung und Praxis – die Jubiläumsausgabe.

Seit aus dem bloßen Gedanken über das Nichts vor fast vier­hundert Jahren eine mess­bare Größe und ein technisch immer besser zu rea­lisie­render Zustand wurde, hat sich viel getan. Das welt­größte Vorzeige­vakuum am CERN hält stabil niedri­gere Druck­verhält­nisse, als sie auf der Mond­oberfläche herrschen, und kleine Vakua-To-Go gestatten mittler­weile viele mobile Anwen­dungen dieser apparate­lastigen Techno­logie. Ob die Theorie von Allem oder die Optische Einzel­ionen-Uhr für Anwen­der entwickelt werden soll, ohne Vakuum geht es nicht. Aber auch aus unserem Alltag sind die Ergebnisse der vakuum­gestützten Techno­logien nicht mehr weg­zudenken, und in den letzten 30 Jahren durften wir so manche Umset­zung in An­wen­dung und Markt in der Vakuum in Forschung und Praxis (ViP) hautnah miterleben. Wie sich ausge­wählte Zweige der Vakuum-, Plasma- und Dünn­schicht­technologie in den letzten Jahrzehnten ent­wickelt haben und als Quer­schnitts­technologien nahezu alle Bereiche unserer heutigen Zeit prägen, stellen die Autoren der nun erschienen Jubiläums­ausgabe der ViP für ihre Fach­gebiete vor.

Abb.: Die Dünn­schicht­technologie vereint alle in der ViP vertretenen Technologie­felder - Vakuum, Plasma, Dünne Schichten und Ober­flächen – und kommt als Querschnitts­technologie in nahezu allen Branchen zum Einsatz – beispiels­weise in Form von plasma­deponierten Anti­haft­schichten auf Tabletten­stempeln. (Quelle: Fraunhofer IST, Rainer Meier, BFF Weimar)

Professor Günter Bräuer nimmt uns mit auf eine rasante Reise durch vier Jahr­zehnte Dünnschicht­technologie, auf der klar wird, dass wir uns in vielen Aspekten unseres Lebens auf hauch­dünne Schichten verlassen. Hier wird eindrucksvoll ersichtlich, welche Flexi­bilität und Inno­vations­kraft in der Kombi­nation von Vakuum- und Plasma­technik stecken.

Abb.: Untersuchung von Katho­den­strah­len mittels crookesscher Schat­ten­kreuz­röhre. (Bild: J. Cipo)

Den langen und spannenden Weg von ersten Natur­be­obach­tungen zu prozess­reifen Plasma­quellen beschreiben Julia Cipo und Professor Holger Kersten in ihrem Beitrag. Hier fallen die Namen einiger ganz großer Wissen­schaftler und Weg­bereiter heutiger Hoch­techno­logien.

Ein Paradebeispiel für „aus der Forschung in die Praxis“ stellt Patrick Walther mit dem Quadru­pol-Massen­spektro­meter vor. Dessen Weiter­entwicklung lieferte ein kom­paktes, bediener­freundliches Plug-and-Play-Gerät, das ver­gessen lässt, dass hier Nobel­preis­wissen zur An­wen­dung gekommen ist.

Abb.: Partikel­arme Montage mittels mobiler Rein­räume am European XFEL. (Bild: DESY)

Unter dem neuen DVG-Slogan „Nichts geht ohne Vakuum“ präsentieren wir ab dieser Ausgabe in loser Reihe ausge­wählte Themen zur Viel­fältigkeit der Vakuum­technik. Den Auftakt macht direkt ein Vakuum mittlerer Super­lative: die Strahl­rohre des European XFEL erstrecken sich über mehr als drei Kilo­meter. Welche Tricks und Kniffe angewendet werden, um die Bahn für die Elek­tronen frei zu räumen, be­schrei­ben Martin Dommach, Dr. Sven Lederer und Dr. Lutz Lilje in ihrem Beitrag für uns.

Einen abgewogenen Blick auf die große Branche der chemi­schen Industrie und drei dort zum Einsatz kommen­den Pumpen­typen wirft Ulli Merkle, indem er ihre Entwicklung historisch verankert und die Vor- und Nachteile der techno­logischen Ansätze für verschie­dene An­wen­dungen vergleicht.

Abb.: Einen Welt der Möglich­keiten eröffnet sich jedem, der im Bereich der vakuum­ge­stüt­zten Tech­no­logien und Wissen­schaften arbeitet. (Bild: Leybold)

In diesem Jahr weist auch unser Magazin­teil Neue­rungen auf. Zum einen stellen wir Unter­nehmen und Insti­tute in Form von Inter­views über ihre wichtig­sten Meilen­steine und Zukunfts­perspek­tiven einmal etwas genauer vor, zum anderen schauen wir auf die Arbeits­möglich­keiten in den zuge­hörigen Branchen. Die familien­geführte Kurt J. Lesker Company und das Berufs­profil des Physikers in der Vakuum­branche machen hier den Anfang.

Unsere neue Rubrik GiG – Gelernt ist gelernt führt zunächst in knapper Form zurück zu den Grund­lagen der Vakuum­physik, um dann suk­zessive wichtige Details der Vakuum­technik von allen Seiten ganz genau zu beleuchten.

Dass wir an diesem Punkt froh zurück und gespannt nach vorne blicken können, verdan­ken wir nicht nur unserem enga­gierten Kura­torium, unseren quali­fizier­ten Autoren und zuver­lässigen Anzeigen­kunden, die Inhalt und Auf­machung jeder der mittler­weile rund 150 Ausga­ben ermög­licht haben, sondern vor allem unseren Leser­innen und Lesern, denen wir auch an dieser Stelle noch einmal unseren großen Dank für ihr bestän­diges Inter­esse an der ViP und ihren Themen aus­sprechen.

Lisa Kleinen
Redaktion Vakuum in Forschung und Praxis

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