27.02.2025

Ohne Quantenmechanik keine effiziente Photosynthese

Quantenmechanische Effekte sind maßgeblich für schnellen und nahezu verlustfreien Energietransfer.

Der Photosynthese – wie sie vor allem Pflanzen betreiben – liegt eine besonders effiziente Energieumwandlung zugrunde. Um chemische Energie zu erzeugen, muss zunächst das Sonnenlicht aufgefangen und weitertransportiert werden. Das erfolgt praktisch verlustfrei und extrem schnell. Eine neue Studie an der TU München zeigt jetzt, dass quantenmechanische Effekte dabei maßgeblich sind.

Abb.: Quantenmechanik hilft bei der Photosynthese: Untersuchung einer Probe mit...
Abb.: Quantenmechanik hilft bei der Photosynthese: Untersuchung einer Probe mit pflanzlichem Chlorophyll, gewonnen aus Tiefkühlspinat.
Quelle: A. Heddergott, TUM

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Die effiziente Umwandlung von Sonnenenergie in speicherbare chemische Energieformen ist der Traum vieler Forscher. Die Natur hat für dieses Problem bereits vor Milliarden von Jahren eine perfekte Lösung gefunden. Die neue Studie zeigt, dass Quantenmechanik nicht nur etwas für Physiker ist, sondern auch eine Schlüsselrolle in der Biologie spielt.

Photosynthetische Organismen wie etwa Grünpflanzen bedienen sich beim Einfangen von Sonnenlicht quantenmechanischer Vorgänge, wie Jürgen Hauer von der TU München erläutert: „Wenn Licht zum Beispiel in einem Blatt absorbiert wird, ist die elektronische Anregung über mehrere Zustände verteilt. Man spricht von einer Superposition. Das ist die erste Stufe eines verlustfreien Energietransfers innerhalb der Moleküle und eines effizienten Weitertransports der Sonnenenergie. Die Quantenmechanik ist hier also zentral, um die ersten Schritte des Energie- und Ladungstransfers zu verstehen.“

Dieser mit den Mitteln der klassischen Physik nicht nachvollziehbare Vorgang findet ständig in Grünpflanzen, aber zum Beispiel auch in photosynthetischen Bakterien statt. Die genauen Mechanismen sind allerdings immer noch nicht komplett aufgeschlüsselt worden. Hauer und sein Team sehen ihre Studie als wichtige neue Grundlage für die Bestrebungen, die Funktionsweise von Chlorophyll zu klären. Die Anwendung dieser Erkenntnisse im Design künstlicher Photosynthese-Einheiten könnte dazu beitragen, die Sonnenenergie mit bislang unerreichter Effizienz für die Stromerzeugung oder für die Photochemie zu nutzen.

Die Forscher untersuchten für die Studie zwei konkrete Ausschnitte des Spektrums, in denen Chlorophyll Licht absorbiert: den energiearmen Q-Bereich (gelb-grün bis rot) und den energiereichen B-Bereich (im blauen Spektrum). Der Q-Bereich besteht dabei aus zwei verschiedenen elektronischen Zuständen, die quantenmechanisch gekoppelt sind. Diese Kopplung führt zu extrem schnellem Energietransport im Molekül. Danach beruhigt sich das System durch Abkühlung, indem es Energie in Form von Wärme abgibt. Die Studie zeigt, dass quantenmechanische Effekte auch biologisch relevante Prozesse entscheidend beeinflussen können.

TUM / RK

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