Paranal-Nachthimmel gesichert: Erfolg für Astronomen-Appell
AES Andes rückt von Plänen ab – Bedrohung durch Lichtverschmutzung und Vibrationen für die chilenische Großsternwarte abgewendet.
Die Astronomie-Community kann aufatmen: Der einzigartige Nachthimmel über dem Paranal-Observatorium der ESO und dem zwanzig Kilometer entfernten Cerro Armazones mit dem in Bau befindlichen Extremely Large Telescope (ELT) bleibt erhalten. Wie das amerikanische Unternehmen AES Andes nun bekannt gab, werden die Pläne für eine Industriegroßanlage nur wenige Kilometer vom Paranal nicht weiter verfolgt. Die Firma reagiert damit auf massive, langanhaltende Proteste zahlreicher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die durch den anvisierten Solar- und Windpark samt Wasserstoff-Elektrolyse-Anlage eine ernsthafte Bedrohung für einen der bedeutendsten Teleskopstandorte der Welt in der chilenischen Atacama-Wüste gesehen haben. So hat eine Studie der ESO ergeben, dass das INNA-Projekt die Lichtverschmutzung um bis zu 35 Prozent steigern könnte. Und auch Mikrovibrationen, die von den Windrädern erzeugt werden, würden die Beobachtungsarbeiten mit den Teleskopen enorm erschweren.

![Die Delegation vor einem Teleskop des VLT. Von links nach rechts: Dominika Wylezalek, Thomas Klein, Elke Büdenbender,… [mehr]
© ESO/CHEPOX](/media/story_section_gallery/681/img-02-paranal-delegation-2025-eso-chepox.jpg)
Angeführt wurde der Protest von Reinhard Genzel, Nobelpreisträger und Direktor der Infrarot-Gruppe am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik. Zusammen mit einer Gruppe von dreißig internationalen Astronominnen und Astronomen richtete sich Genzel in einem offenen Brief an die chilenische Regierung und bot öffentlichkeitswirksam um Unterstützung. Zuvor reiste er bereits mit einer Delegation um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Chile, um auf die Bedrohung aufmerksam zu machen und eine diplomatische Lösung zu finden. Entsprechend erleichert zeigt sich Reinhard Genzel, dass die Proteste schlussendlich Gehör fanden.
„Sobald die Absage bestätigt ist, werden wir erleichtert sein, dass der Industriekomplex INNA nicht in der Nähe des Paranal gebaut wird“, erklärte ESO-Generaldirektor Xavier Barcons. „Aufgrund des geplanten Standorts hätte das Projekt eine massive Bedrohung für einen der dunkelsten und klarsten Himmel der Erde sowie für die Leistungsfähigkeit der weltweit fortschrittlichsten astronomischen Anlagen dargestellt.“
„Ich bin sehr erfreut, dass unsere Bemühungen erfolgreich waren und der geplante Industriekomplex nun an einem anderen Standort realisiert werden soll. Mein Dank geht vor allem an die chilenische Regierung um den neugewählten Präsident José Antonio Kast, die den unermesslichen Wert des Paranal-Nachthimmels angemessen zu würdigen wussten. Ich möchte auch nochmal betonen, dass es bei dem Konflikt nie um Wissenschaft gegen Nachhaltigkeit ging; das einzige Problem der geplanten Anlage war immer nur die räumliche Nähe zu den Teleskopen,“ sagte Genzel.
Der Fall INNA und der ursprünglich vorgesehene Standort unterstreichen die dringende Notwendigkeit, klare Schutzmaßnahmen für die Gebiete rund um astronomische Observatorien festzulegen. Solche Maßnahmen sind unerlässlich, um den Betrieb der Observatorien langfristig zu sichern – insbesondere in einer Region, die aufgrund der außergewöhnlichen Dunkelheit des Himmels über Nordchile weltweit als der beste Standort für die optische Astronomie gilt.
„Wir werden weiterhin eng mit den lokalen, regionalen und nationalen Behörden zusammenarbeiten, um den dunklen Himmel Nordchiles zu schützen. Er ist ein unersetzliches Naturerbe, das für den Fortschritt unseres Verständnisses des Universums entscheidend ist und Spitzenastronomie zum Wohle Chiles und der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft ermöglicht“, sagt Itziar de Gregorio-Monsalvo, Repräsentantin der ESO in Chile. [MPE / ESO / dre]
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