25.09.2007

Physikstudium im Wandel

Studierendenstatistik: Im Fach Physik haben sich erstmals mehr Studienanfänger für ein Bachelor- oder Master-Studium eingeschrieben als für das klassische Diplom.



Studierendenstatistik: Im Fach Physik haben sich erstmals mehr Studienanfänger für ein Bachelor- oder Master-Studium eingeschrieben als für das klassische Diplom.

Bad Honnef – Im Fach Physik haben sich erstmals mehr Studienanfänger für ein Bachelor- oder Master-Studium eingeschrieben als für das klassische Diplom – so das Ergebnis der neuesten Studierendenstatistik. Demnach belegten 40 Prozent der Anfänger ein Bachelor- oder Master-Studium, rund 39 Prozent entschieden sich für das Diplom-Studium und etwa 20 Prozent für das Lehramt an Gymnasien. „Die physikalische Ausbildung ist im Umbruch“, kommentiert Prof. Dr. Gerd Ulrich Nienhaus, Vorstandsmitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) für Bildung und Ausbildung, diese Entwicklung. Grund sei der europäische Bologna-Prozess. „An vielen Universitäten ist der Diplomstudiengang ein Auslaufmodell oder bereits eingestellt, die Umstellung auf Bachelor und Master ist nahezu flächendeckend.“ Die Statistik zum Physik-Studium ist in der aktuellen Ausgabe des „Physik Journals“, der Mitgliederzeitschrift der DPG, veröffentlicht. (Artikel siehe oben rechts im Kasten als Download).

Die neueste Studienstatistik – sie umfasst das zurückliegende Wintersemester 2006/2007 und das Sommersemester 2007 – wurde wie jedes Jahr von der Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP) erhoben. Die Umfrage unter den 58 Universitäten, die ein Physik-Studium anbieten, zeichnet ein umfassendes Bild der Neuzugänge, Zwischenprüfungen und Abschlüsse. Demnach gab es bundesweit 8.059 Studienanfänger im Fach Physik. „Ein Physik-Studium ist für junge Leute höchst attraktiv“, unterstreicht DPG-Vorstandsmitglied Nienhaus, der auch KFP-Sprecher ist, „die Anfängerzahlen liegen bereits im fünften Jahr in Folge über der Achttausendermarke, obwohl sie gegenüber dem Vorjahr leicht abgesunken sind. Die Anstrengungen der Fachbereiche, fachlich wohlstrukturierte, gestufte Bachelor- und Master-Studiengänge einzurichten, werden offenbar honoriert.“

Tatsächlich ist in diesen Studiengängen die Zahl der Anfänger gegenüber dem Vorjahr um 62 Prozent auf nunmehr 3.231 gestiegen. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Anfänger im Bachelor-Studium. Anders die Situation beim traditionellen Diplom-Studium. Dieses wird nicht mehr von allen Hochschulen angeboten, infolgedessen hat sich die Anfängerzahl auf 3.194 fast halbiert. Kaum Änderungen zeigen sich indes beim Physik-Lehramt: 1.634 Studienanfänger wählten diesen Ausbildungsweg – rund sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Bologna-Prozess
„Gegenwärtig ist die Umstellung der Physikstudiengänge von Diplom und Lehramt zu Bachelor und Master in der heißen Phase“, erläutert Nienhaus. Dieser „Bologna-Prozess“, der europaweit vergleichbare Studienangebote gewährleisten soll, wird bis zum Jahr 2010 abgeschlossen sein. „Die KFP hat in den letzten Monaten analysiert, welche Strecke die Physik auf dem Weg nach Bologna bereits zurückgelegt hat. Die Ergebnisse werden im Oktober veröffentlicht.“

Die Reform bringt nicht nur neue Abschlüsse, sie verändert auch die Struktur des Studiums: hohes Arbeitspensum und straffe Organisation prägen die neuen Lehrpläne. Gleichzeitig sollen die Studierenden intensiver betreut werden. Auf den Studienerfolg scheinen sich diese Maßnahmen jedoch nicht auszuwirken. „Nach gegenwärtigem Stand hat die Einführung des Bachelor bislang zu keiner Veränderung der Abbrecherquote geführt“, betont Nienhaus. Größte Hürde seien weiterhin die beiden ersten Semester unabhängig vom Curriculum. „Während des ersten Studienjahrs geben fast 30 Prozent der Studierenden das Physikstudium wieder auf und wechseln in andere Fächer. Wer jedoch die Anfangsphase meistert, hat sehr gute Chancen, letztendlich seinen Abschluss zu machen.“

Abb.: Anfängerzahlen im Fach Physik (Quelle: KFP)

Dem Trend der vergangenen zwei Jahre folgend gibt es in diesem Jahr abermals mehr Diplomprüfungen. Insgesamt 1.843 Studierende machten ihren Abschluss – ein Zuwachs von fast 18 Prozent. Derweil ist die Anzahl erfolgreicher Lehramtsexamina um 21 Prozent auf aktuell 203 zurückgegangen. Noch keine Aussage lässt sich darüber treffen, wie sich die Zahlen beim Master-Abschluss entwickeln werden. Schließlich wurde der zugehörige Studiengang erst kürzlich in Deutschland eingeführt.

Gleiches gilt für den Bachelor. „Der Bachelor muss sich erst noch bewähren“, meint Nienhaus. „Dieser Studiengang dient im Wesentlichen der Grundlagenvermittlung. Ob er sich als berufsqualifizierender Abschluss etablieren kann, wird sich zeigen. Die DPG und die KFP empfehlen jedenfalls, an den Bachelor einen Master anzuhängen. Erst dieser Abschluss entspricht dem hohen Ausbildungsstandard des klassischen Physik-Diploms und qualifiziert zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten.“

Quelle: DPG

Weitere Infos:

  • Originalveröffentlichung:
    Gerd Ulrich Nienhaus, Physikstudium im Wandel, Physik Journal, August/September 2007, S. 29 (Link, s.o. rechts)

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